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Amorphis: Schläfrige Bären und blaue Elefanten

Ein brilliantes neues Album, das nahezu überall hymnische Kritiken ernete, ausverkaufte Konzerte – die Finnen Amorphis haben schon jetzt allen Grund zur Freude. Noch dazu können sie ein wenig dem dunklen Winter in ihrer Heimat entfliehen. Vor Beginn ihrer Europatour mit Swallow The Sun und Insomnium (siehe Tourdaten) beantwortet Tieftöner Niclas Etelävuori noch schnell ein paar STALKER Fragen ...



Eure neue CD “Silent Waters” beschäftigt sich wieder mit der finnischen Mythologie Kalevala – was ist daran so faszinierend, deiner Meinung nach?
Ehrlich gesagt, als wir es damals in der Schule lesen mussten, gefiel es mir gar nicht. Als ich mich der Band vor 8 Jahren anschloss, musste ich es nochmal lesen, da mich jeder danach fragte (lacht). Ich glaube, die Geschichten sind in mehrfacher Hinsicht faszinierend und beziehen sich auf Dinge, die auch heute noch Gültigkeit haben, wie Menschen wachsen und so. Vielleicht können wir uns mit Figuren wie Väinemöinen (eine Art Barde/Magier, Anm. d. Red.), Lemminkäinen (eine Art Held/Casanova, Anm. d. Red.) identifizieren, weil sie uns am ähnlichsten sind (lacht) und immer ne gute Story abgeben...

Naja, die zentrale Story um Lemminkäinen ist ja die, wie seine Mutter seine zerstückelten Überreste aus dem Fluss Tuonela fischt und ihn wieder zusammenpuzzelt... wie kann man sich mit sowas identifizieren?
Naja, ich war noch nie so tief unten und in alle Teile zerfallen wie er (lacht), aber es gibt immer wieder Zeiten, wo dich deine Mutter wieder zurechtrücken und auf den rechten Pfad bringen muss, also auf die metaphorische Art gemeint...

Wer ist eigentlich Pekka Kainulainen, der ja die Texte für Silent Waters geschrieben hat?
Er ist ein Freund von Tomi Joutsen, eigentlich früher mal sein Lehrer. Er schrieb die Gedichte in Finnisch (die sich auf die Kalevala beziehen, Anm. d. Red.), die wir dann übersetzt haben.

Apropos Tomi Joutsen, in den Medien gilt er ja oft noch immer als „der Neue“, obwohl der ja schon seit einer Weile der neue Sänger ist... hatte er sich denn sofort eingelebt?
Nicht mehr so neu, stimmt, er ist jetzt schon einige Jahre mit von der Partie. Es funkte ziemlich schnell, wir wussten sofort als wir ihn kennenlernten, dass er genau der Typ ist, den wir gesucht hatten, und es war eher die Frage, ob er uns akzeptiert. Dann ging es gleich auf ne Tour in die USA, fünf Wochen lang, also wussten wir anfänglich nicht so richtig, wie es sich entwickeln würde, aber dann klappte alles sehr gut, und dabei ist es auch geblieben. Er fühlt sich immer noch wie „der Neue“ an, obwohl er nun drei Jahre mit dabei ist, die Zeit vergeht so schnell ... (lacht)

Beim Ankkarock-Festival hab ich festgestellt, dass ihr viel Spass auf der Bühne hattet, und Tomi reagierte auf Zurufe vom Publikum (im STALKER Report nachzulesen, Anm. d. Red.) - ist das nun euer neuer Performance-Sti?
Hängt davon ab... Tomi ist sehr spontan, und wenn er nichts zu sagen hat, hält er sich zurück, und manchmal redet er mehr. Aber es ist cool, wenn es nicht so ernst ist...



Was war für euch die wichtigste Veränderung, in all den Jahren Bandgeschichte?
Als ich zur Band stiess, gab es eher ein Tief, würde ich sagen, in Richtung Motivation, alle hatten irgendwie die Schnauze voll. Und dann legten wir uns wieder ins Zeug, und das letzte Kapitel dieser Vergangenheit ist „Far From The Sun“ ... und dann versuchten wir, jemanden als Ersatz für Pasi zu finden, der vielleicht sogar besser ist; „wenn´s klappt, machen wir weiter, sonst hören wir auf“. Glücklicherweise fanden wir jemanden.

Wirklich ein Glück, ihr hattet zwei ausverkaufte Tavastia-Shows, und drei Magazine erklärten „Silent Waters“ als Album des Monats – Amorphis scheint ja wie neugeboren...
Yeeeah! Es läuft gut, und Nachrichten wie diese machen immer Freude! Auch sind unsere Konzerte soweit ausverkauft...

Entspricht das euren Erwartungen?
Nein, ich bin schon seit 15 Jahren in diesem Geschäft, ich erwarte mir da nicht mehr viel (lacht), ich freue mich darüber, wie die Sache ausging und anscheinend gut läuft. Aber du weisst ja nie, was kommt, also bleib ich lieber mit beiden Beinen am Boden.

Ziemlich mutig ist ja auch euer Silent Waters-Video – im Prinzip sieht man nur Tomis Gesicht (Gelächter). War das die Idee des Regisseurs?
Yeah, das war so ziemlich seine Idee. Wir wollten eigentlich ein anderes Video drehen, aber irgendwie wurden die Dreharbeiten abgesagt, und dann hatten wir nicht mehr viel Zeit, ein neues zu machen, also machten wir dieses (lacht). Aber wir hatten sowas ja schon immer vor, mit zwei Varianten, eine davon war es im Freien zu drehen. Weiss nicht, es war für uns das erste Mal mit Blue Screen, es war ganz lustig.

In diesem Sommer habt ihr ja bei fast jedem finnischen Festival gespielt, echt OFT...
Ja, stimmt. Die Festivals, die wir letztes Jahr ausliessen, kamen heuer dran, und bei ein paar traten wir nochmal auf...

... also, welches ist für euch das beste finnische Sommerfestival?
(lange Pause). Keine Ahnung. Ruisrock ist gut ... (noch eine lange Pause)... ich mag die Mittsommer-Festivals nicht so, aber fast jedes andere Festival ist OK (lacht)

Magst du die großen Festivals lieber, die ECHT großen?
NA KLAR! (lacht) Ich werde alt, ich brauch viel Platz...

Also, im Rückblick, was war deiner Meinung nach ein großer Fehler in der Bandhistory?
Hm... (lange Pause) Ich kann nun nur die Zeit beurteilen, in der ich in der Band war... es war vielleicht der Deal mit einem Major Label, das hat alles was wir hatten zerstört. Aber gottlob kamen wir aus dem Vertrag raus und machten nur ein Album.

Also wäre dein Ratschlag für eine Newcomer-Band?
Vertraut niemandem! (lacht) Tja, manchmal scheint so eine große Firma eine gute Idee zu sein, und alles sieht toll aus, besonders wenn sie am Anfang so Feuer und Flamme für dich sind. Aber wenn das dann aufhört, bist du im Arsch. Du kannst nichts machen. Und du weißt es ja nie. Wenn du als Metalband bei einem Major Label bist, kann es in einigen Ländern ja auch gut funktionieren. Wir hatten in Finnland keine Probleme, denn wir hatten Leute in der Firma, die uns mochten. Aber dann wieder in anderen Ländern mögen die Leute dort nicht mal Rock. Also lieber jemanden haben, der weiß, wie der Hase läuft... Jetzt sind wir gut bei Nuclear Blast aufgehoben, gottlob konnten wir dorthin zurückkehren.



Ihr seid nun schon so lange in der Metalszene – was waren da die größten positiven und negativen Veränderungen?
Als ich ein Kind war und anfing, Metal zu hören, war es wie „Du Freak!“ (lacht) Jetzt, zumindest in Finnland, ist es so Mainstream... das ist natürlich gut für Metalbands, aber etwas seltsam... (lacht) Es war irgendwie rebellisch und Underground, als ich damit anfing, und nun so.... sogar meiner Großmutter gefällt´s...

Deiner Großmutter???
Naja, sie ist nicht mehr unter uns, aber ich bin mir sicher, dass ihr Amorphis gefallen würde, wie allen in unserer Familie (lacht)... außerdem Lordi und Nightwish... es gibt nun so viele große Bands. Ich denke, es ist ganz gut, aber bringt auch einige schlechte Dinge mit sich, wenn es zuviel davon gibt, und wenn zuviel Mainstream überschwappt, wie diese alten Schlagerfuzzis, die Metal singen...

Gab es Veränderungen in der Fanbasis, oder gibt es große Unterschiede zwischen Fans in Europa und in den USA?
Naja, ich habe festgestellt, dass viele unserer Fans schon ziemlich alt sind... und auch ziemlich alte Kinder haben, und dass Kinder zu unseren Shows kommen, so im Alter 6-7, und das war vorher nicht der Fall. In den USA ist es anders, da ist vom Kleinkind bis zum 75-Jährigen alles im Publikum vertreten und steht total auf diese Musik. Wahrscheinlich sind sie drüben offener, wo auch ältere Generationen Rock´n´Roll mögen, denn sie hatten ihn ja als erstes... aber du weisst ja nie, es hängt von vielem ab. Manchmal gibt es in einem Club ein Alterslimit, und dann gibt es wieder Festivals, wo jeder rein darf...

Auf eurer Tour geht es ja auch nach Russland – ich habe festgestellt, dass die Fans dort echt enthusiastisch sind...
Es ist immer toll, nach Russland zu gehen. Zuerst waren wir etwas besorgt, weil wir nicht wussten, was da abläuft, aber dann war es großartig, und du kannst dich immer darauf verlassen, dass dort die Post abgeht. Diesmal geht es noch etwas weiter weg, bis in die Nähe von Wladiwostock. Ich hab auf der Landkarte nachgesehen, der Ort liegt näher bei San Franzisko als bei Moskau (lacht). Ich bin nicht sicher, was da laufen wird, aber ich bin sicher, wir werden eine Menge Spaß haben.

Wie weit ist „Finnen-tum“ in der Band präsent, abgesehen von den Kalevala-Texten?
Schwer zu sagen, wir haben beim Graspop letzten Sommer gespielt,und in Wacken, und da gab es einen Tag mit rein finnischen Bands auf der Bühne (lacht) – also glaube ich nicht, ob Finne sein sowas Besonderes ist. Natürlich sind wir stolz auf unser Erbe und auf was wir tun, aber wir geben nicht damit an, wir spielen nur unsere Musik und erzählen unsere Geschichten.

Aber ich erinnere mich gut, als ihr vor einigen Jahren wohl die erste (und so ziemlich die einzige) große Metalband aus Finnland wart, jetzt sieht die Lage etwas anders aus. Glaubst du, dass ihr da den Weg bereitet habt für so viele andere?
Amorphis hat das sicher getan, und viele Bands sind gefolgt. Damals konnte sich niemand vorstellen, dass eine finnische Band ein Album ausserhalb Finnlands rausbringen kann, nun macht das jeder. Ich denke, bei Amorphis war es das US-Label, das alles so hingebogen hat.



Erinnerst du dich an eine echt üble Show, oder was Absurdes, das passiert ist?
Naja, da gab es einiges ... aber eine Show werde ich nie vergessen (lacht). Wir spielten in Istanbul in der Türkei, das Gebäude war überfüllt. Wir sollten auf einer größeren Bühne im selben Haus spielen, aber es gab Probleme mit der Elektrizität, wir spielten eineinhalb Songs, dann hieß es, wir sollten aufhören und auf die kleinere Bühne im oberen Stockwerk umziehen. Auch hier war es viel zu klein, die Leute hüpften rum, und der Boden fühlte sich an wie bei einem Trampolin, als würde er sich bewegen. Wir spielten einen Song, dann mussten wir wieder aufhören und woanders hin, da warteten wir 45 Minuten, bis Behörden auftauchten, wir durften weitermachen, aber nur ein paar Minuten, dann mussten alle aus dem Gebäude raus... alles war sehr chaotisch, niemand erklärte uns in Englisch, was eigentlich los war. Wir saßen Backstage, und der Typ dort sprach nur Türkisch. Jedesmal, wenn wir was fragten, machte er nur ne Bierflasche auf und gab sie uns. Nach diesen 45 Minuten standen dann schon jede Menge offene Bierflaschen rum...
Erst hinterher fanden wir heraus, dass nach unserem Gig zwei Stützpfeiler im Stockwerk darunter zusammengebrochen waren, und dass das Gebäude selbst jede Sekunde einstürzen könnte... es hätte da hunderte Tote gegeben... DAS war echt abartig!


Zurück zur Kalevala: Wenn die Band da als Figuren auftauchen könnte, wer wäre wer?
Ich glaube, jeder wäre gerne Kullervo (ein Held mit extremer Pechsträhne, Anm. d. Red.) oder Lemminkäinen... ich glaube, Santeri wäre Ilmarinen (der legendäre Schmied, Anm. d. Red.), Väinemöinen wäre wohl Esa (lacht)...

Vielleicht ist es einfacher – besonders für jene, die die Kalevala nicht kennen – Star Wars Charaktere zu benutzen: Wer wäre wer?
Ich glaube, obwohl er der kleinste in der Band ist, wäre Jan wohl Chewbacca, und Tomi (Koivusaari) wäre Han Solo, Tomi Joutsen wäre ein Jedi-Ritter (lange Pause). Esa wäre der Imperator (Gelächter), und ich wohl der Typ mit dem Jet-Pack – Boba Fett. Und Sande, naja, ich kann mich nicht an den Namen dieser Figur erinnern, aber es gibt da in Episode IV eine Band mit einem Keyboarder...

Oh, der wie ein blauer Elefant aussieht ...
Jaaaa (Gelächter)

Könntest du dir vorstellen, irgendwo anders zu leben, wie etwa in L.A.?
Nicht L.A., aber ansonsten überall auf der Welt (lacht). Ich habe mein ganzes Leben in Helsinki verbracht, keine Ahnung... ich hätte nichts dagegen, eine Zeitlang woanders zu leben. Ich kann immer zurückkehren. Ich würde nichts dagegen haben, den Winter woanders zu verbringen. Ich konnte mich nie an die Kälte gewöhen.

Ein überraschendes Statement von einem Finnen...
Wenn es Winter wird, bleib ich ein paar Monate lang einfach in meinen vier Wänden. Ich bin wie ein Bär, wach den ganzen Sommer über, und penne im Winter. Also wenn wir im Winter auf Tour sind, komm ich auch nur aus dem Bus raus, wenn es zum Auftritt geht... und falls ihr uns schon ne Weile nicht mehr gesehen habt, solltet ihr euch definitiv eine unserer Shows ansehen, denn es wird immer verrückter (lacht)

Danke für das Interview!




Autor: Klaudia Weber, photos: K. Weber, Amorphis
Eingetragen am: 2007-11-04

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