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Jorn Lande: Der Fürst der Worte, Teil 1

Der “Duke of Love” kehrt zurück nach Mitteleuropa und das ist auch genau der richtige Zeitpunkt, um mit dem Meister der Stimmen über seine letzte Platte “Lonely Are The Brave” und anstehende Pläne zu reden. Bei der Show im Z7 in Pratteln im November nahm er sich Zeit und beantwortete jeden Frage vollständig und offenbarte dabei seine Persönlichkeit. Anderthalb Stunden später ist klar, dass dieser Mann weiß, wie man im Business zurecht kommt und wie gerockt wird.

Hallo Jorn, wie geht´s dir heute?
Ich bin ein bisschen müde, aber das ist normal.

Wie war die Tour bis jetzt?
Gut, wir waren in England und Irland und das waren die Länder, wo wir nicht wussten, was wir zu erwarten haben. Wir haben nie wirklich viele Shows in Großbritannien gespielt, na ja, es kamen ein paar Leute zur Show und ja, ich glaube, Deutschland und Holland war sehr gut. Dafür, dass es die erste offizielle Jorn-Tour in Europa ist, lief es richtig gut. Ich meine, wir wussten nicht, wirklich, was wir erwarten sollen; es waren ein paar weniger Leute in GB, aber dort haben wir ja auch noch nie gespielt, aber es war trotzdem nicht schlecht. Das letzte Album lief sehr gut, also bewegt sich auch was auf dem britischen Markt, aber es dauert wohl noch etwas. Deutschland ist immer schon ein großer Markt gewesen und wir haben auch schon im Z7 gespielt, ich zum Beispiel mit Masterplan. Ich bin also schon hier gewesen, es ist ein toller Klub und deshalb auch ein perfekter Klub, um eine DVD zu machen. Wir machen das zwar nicht, aber ich würde das gern machen, weil es ein solch cooler Klub ist. Die Atmosphäre ist cool, die Bühne gut, schauen wir mal, was passiert (lacht)



Du warst schon seit Ewigkeiten nicht mehr in der Schweiz, oder? Das letzte Mal warst du mit Masterplan im Z7. Wie ist es, zurück zu sein? Bist du nervös vor der Show?
Nein, bin ich nicht. Wie ich schon sagte, wir hatten keine Ahnung, was wir erwarten sollten, wir haben nicht viel Arbeit reingesteckt, die Tour zu pushen, Werbung dafür zu machen. Wir wollten einfach nur, ein paar Shows in Europa machen, um zu spielen und die Band als etwas zu etablieren, mit dem sich Leute identifizieren können, wir wollten den Leuten zeigen, dass wir auch zukünftig spielen werden, dass wir eine gute Band haben und dass wir mehr Live-Shows spielen werden. Wir hatten alle mit anderen Projekten und anderen Bands viel zu tun, also haben wir nicht so viele Shows gespielt. Wir haben Platten gemacht, aber jetzt haben sich die Dinge geändert und JORN ist zu unserer Priorität geworden. Wir lieben es, in dieser Band zu spielen und wir lieben die Musik und den Stil. Wir haben alle unsere Wurzeln im Hardrock, besonders dem Hardrock der 70er und frühen 80er. Heute spielen nicht mehr sehr viele Bands diesen Stil, jeder will trendy sein, moderner, sie wollen das Rad neuerfinden, aber das ist unmöglich.

Ja, ich glaube, wir haben das alle die letzten 20 Jahre gemacht, jeder von uns war Teil der Entwicklung in den 90ern und dem, was passiert ist, als Grunge und Brit Pop die Welt auf gewissen Weise eingenommen hatten und das hat es für Bands wie uns auch schwieriger gemacht. Aber jetzt ist es anders; es ist nicht mehr so groß wie in den 80ern, aber es kommt zurück, stärker als je zuvor, weil die Szene jetzt realistischer ist. Will heißen, dass man eine lange Karriere haben kann, obwohl es nicht mehr so groß ist wie zu alten Zeiten und man kann sich eine Basis aufbauen und als Künstler ein langes Leben haben. Wenn du gut bist und wenn du es nicht zu leicht nimmst, was du machst und wenn du es mit allem Ernst meinst, dann kannst du dir eine Basis schaffen. Ich glaube, es geht nicht darum, einen wie großen Hype du auslösen kannst; ich glaube, das sind nur Aufs und Abs dieser Welt. Ich glaube, das Wichtigste für mich ist, eine stabile Basis zu haben, in der Lage zu sein, zu arbeiten und eine Plattenfirma zu haben, die an mich glaubt und die die Musik mag und natürlich müssen sie auch die Platten verkaufen, aber, weißt du, ich glaube, das schönste ist, in der Lage zu sein, eine gewissen Karriere aufrechterhalten zu können und für mich ist es eher etwas persönliches und nicht nur eine Art, Geld zu machen. Es geht nicht ums Geld, ich würde eher etwas anderes machen, wenn es nur ums Geld gehen würde.



Bist du in der Lage, von deiner Musik zu leben?
Ich bin in der Lage, von meiner Musik zu leben; das ist alles, was ich gemacht hab; es war nicht immer leicht, aber in den letzten 15 bis 20 Jahren hab ich es irgendwie hingekriegt und ich glaube, seit 2003, als wir den European Borderbreaker Preis mit Masterplan bekommen haben, seit dem laufen die Dinge sogar noch besser. Denn alle Konditionen wurden besser, das Geld fließt, Bargeld fließt öfter. Natürlich, hatte ich Glück, ein paar Kontakte im Business zu knüpfen und viele Leute zu erreichen, neben Jorn. Ich habe auch Glück, mit vielen talentierten Musikern zu arbeiten und so gibt´s eigentlich nichts, worüber ich mich beschweren könnte. Ich bin in der Lage, Geld mit etwas zu verdienen, was mir seit Kinderzeiten Spaß macht. Es begann also als Traum, dieser Junge wuchs in einem kleinen Dorf auf und wollte ein Sänger sein (lacht) und er sah zu all den Helden der 70er auf, so sah ich es damals 1973, als die Single “Ballroom Blitz” von Sweet rauskam, ich erinnere mich noch daran, weil es meine Lieblingsplatte war und wir hatten kein Internet oder irgendwas, keine Videos, keine DVDs, keine CDs. Es waren alles Vinyl-Platten, kleine Singles mit nur einem Bild; da war ein Bild der Band auf der Single und das war alles, was ich hatte. Ich hielt es fest und alles, ich träumte davon, von der Band, alles nur gestützt auf das eine Foto – so ist der Mythos darum also entstanden (lacht). Das war alles, was wir hatten und wenn wir Glück hatten, gab´s ein weiteres Foto in einem Magazin oder so, nicht sehr oft. Ich erinnere mich daran, dass es diese Süßigkeiten-Tüten gab, die man kaufen konnte, manchmal waren da Karten in den Tüten. Eine Tüte war pink und hatte Sterne und darin waren Süßigkeiten für die Kids. Man konnte sich eins aussuchen, pink war für die Mädchen und da waren ABBA Karten drin und für die Jungs gab´s Kiss-Karten, das waren blaue Tüten, glaub ich, blau und gelb, aber egal. Es gab all die Künstler der 70er, also war es eine riesige Süßwarenindustrie. Die Süßigkeitenproduzenten machten viel mit den Künstlern. Jetzt sind es hauptsächlich Magazine oder Spielzeug, stell dir vor, du kaufst einen Kiss-Schokoladenriegel (lacht)

Na ja, heutzutage haben Lordi diese Süßigkeiten-Dinger.
Hmm, ja, das ist recht aktuell, es ist nicht normal, aber damals war´s nicht nur eine Band, es waren viele Bands.

Wie sieht´s denn mit deinen anderen Helden aus? Wer hat dich inspiriert?
Ich bin mit all den Bands aus den 70ern aufgewachsen und ner Menge anderer Musik. Auch Popmusik war von Qualität. Du weißt schon, all die alten Bands wie Manfred Mann und 10cc, viele andere Bands wie Kansas, Styx, Boston, Journey, Foreigner; es gab viele Bands, die großartig waren, aber nicht unbedingt heavy, aber sie hatten gute Songs, sie waren gute Songschreiber, sie haben etwas persönliches in das Songschreiben eingebracht und auch die Performance war sehr wichtig. Man musste etwas von sich geben, Herz und Seele – das war wichtig, das Leben durch die Musik reflektieren.

Ich glaube, das hat sich geändert, als die Welt zynischer und spekulativer mit dem Business geworden ist und Bands versucht haben, neue Wege zu finden, auf dem Markt Geld zu verdienen. Ich glaube, damals war es ehrlicher; es gab viel mehr Künstler, die richtig gut waren und man konnte jede Art von Künstler mögen, Jazz oder Country, Metal oder sonst irgendwas, weil die Qualität so gut war und ein guter Song war ein guter Song und ein guter Performer war ein guter Performer, ganz egal, welcher Stil, aber heute ist das anders und es ist schon seit vielen Jahren anders. Es ändert sich ein wenig, weil wenn man sich mal die Unterschiede zwischen Stilen im Hardrock und Metal anschaut, dann hat sich das ziemlich ausgeglichen. Ich erinnere mich, vor nur 10 Jahren konnte man nicht mit einer Black Metal Band auf dem gleichen Festival spielen und heute ist alles zusammen gemischt und man kann all seine Helden sehen, man kann Suzi Quatro auf dem gleichen Gig spielen sehen wie Dimmu Borgir. Ich glaube, das ist eine gute Entwicklung, es zeigt, dass die Rock-Community zusammengehört und es nicht nur um die Musik geht, sondern auch um einen bestimmten Lebensstil und darum, sich mit etwas zu identifizieren, dass man mit diesen Leuten gemeinsam hat und ich glaube, das ist der Hauptgrund für Bands wie diese, weiterzumachen, den Fans etwas zu geben, auf die Bühne zu gehen und zu wissen, dass es viele Leute gibt, die die Musik mögen und die Lyrics kennen und die alles, was du sagst, aufnehmen. Solange man fühlt, dass man diese Bestätigung bekommt, dass Leute sich wirklich damit identifizieren können, was du sagst, dann weißt du, dass du etwas ehrliches gemacht hast und das ist, was ich mag.

Ich glaube, das Leben ist ein langer Kampf, es ist ein kurzes Leben, aber ein langer Kampf und ich glaube, das ist bei jedem gleich. Ich glaube, was ich versuche zu machen, ist, Worte und Ausdrücke in diese Gedanken und Gefühle zu bringen und das irgendwie in eine Richtung zu lenken und das beruht auch auf andere Leute, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich mochte. Sänger wie Ronnie James Dio, als ich Kind war und ich schätze ihn immer noch sehr; er war fast so was wie ein Mentor für mich, als ich jünger war und er bedeutet mir immer noch sehr viel. Jedes Mal, wenn ich auf meine Vergangenheit zurückblicke und ich darüber nachdenke, warum ich das mache, dann erscheint immer sein Bild und natürlich hab ich ihn auch persönlich ein paar Mal getroffen und wir haben einige Male zusammen gesessen und uns unterhalten, aber auch wenn ich ihn nie persönlich getroffen hätte, würde ich dennoch dieses Gefühl kriegen und so ähnlich ist es auch bei Freddy Mercury oder Paul Rogers von Free und jetzt Queen, er ist jetzt bei Queen. Yeah, es gibt viele großartige Sänger wie David Coverdale, Steve Walsh von Kansas – es gibt viele gute, wie ich schon sagte, die Qualität war sehr gut, unabhängig vom Stil. All diese Bands spielten unterschiedliche Stile, einige sehr progressiv (lacht).
Ich sage das Wort jetzt, ich erinnere mich vor 10-15 Jahren, wenn man da das Wort „progressiv“ in einem Interview gesagt hätte, hätte jemand mit dem Finger auf dich gezeigt „Warum benutzt du dieses Wort? Ich mag das Wort „progressiv“ nicht, du solltest es nicht benutzen“ und jetzt machen es alle Bands und es ist „OK!“. Ich frage mich manchmal, was hinter dem Wort „progressiv“ steckt, jeder benutzt es heutzutage. Fragen wir mal die Leute, vielleicht kriegen wir ein paar Kommentare, vielleicht können die Leute es erklären, keine Ahnung. Ich weiß, was es bedeutet, aber nicht, warum es mit dieser Art von Musik verbunden ist, weil ich glaube, wenn man sich Metal mal anschaut, dann ist es ohnehin schon ziemlich extrem. Warum wird es getrennt, warum ist es progressiv, wenn Leute Takte ändern und all das Zeug spielen, wenn du weißt, was ich meine. Wir alle spielen diesen Kram in dieser Musik. Ich weiß nicht, ich glaube, es ist nur das Wort „progressiv“, dass die Leute nicht mögen, weil es irgendwie negativ klingt. Für mich ist progressiv...wir haben alle gelernt, dass man am Rande steht und man dann progressiv ist, wenn man keine normale Durchschnittsband ist. Ich glaube, die Leute haben das als negativ angesehen und deshalb ist es nicht negativ sonder positiv (lacht). Wenn wir es extrem nennen, denn wenn man sich mal überlegt, wie viele Bands von Rush beeinflusst wurden, zum Beispiel im Progmetal, warum nennen wir es dann nicht Extrem Jazz Metal oder Extrem Jazz Rock Metal (fängt an rumzuwitzeln). Aber wir alle sagen es, ohne darüber nachzudenken.

Yeah, aber mit dem Album der Band Mundanus Imperum haben wir in Norwegen einen Preis bekommen, weil wir Grenzen durchbrochen haben. Das Album hieß „The Spectral Spheres Coronation“. Es war wie eine Black Metal Band mit melodischen, kraftvollen, dramatischen Vocals. Es war in den frühen 90ern, keiner hat das damals gemacht, alle haben nur gegrowlt, keiner hat Melodien im Black Metal gesungen, also, glaube ich, wir waren irgendwie die Ersten, die das gemacht haben und deshalb, haben wir den Preis bekommen. Aber der Stil der Musik, als wir es genauer betrachtet haben, mit dieser Verbindung von Black Metal und klassischen Hardrock, wir nannten es Temple Rock, einige Journalisten nannten es „Space Metal“, weil das ganze Konzept sehr „astro“ war. Ich erinnere mich, wir redeten über das All und Konstellationen. Es ist nie ein typisches Ding geworden, das war es, was die Leute sagten, als sie es hörten. Wenn sie die Platte rezensiert haben, dann war es Temple Rock und manche nannten es Space Metal. Ganz egal ROCK´N´ROLL!

Genau, so ist es!
Rock´n´Roll ist bodenständiger. Ich habe festgestellt, dass ich nach einer Weile wieder zu meinen Wurzeln und zum Rock zurückkehre. Man kann viele Dinge probieren, aber es hängt davon ab, wie viele Farben es gibt. Wenn dir das Haus deines Nachbarn gefällt und es ist rot, warum kannst du dann rot nicht benutzen, nur weil es schon ein anderer benutzt hat, denn wenn du es nicht machst, dann kriegst du nur alle Farben, die nicht passen! Vielleicht passt es auch irgendwie, aber man verliert viele klassische Elemente, die für eine gewisse Qualität stehen. So ist es überall, in der Filmindustrie usw. Alte klassische Kriegs- und Kampfszenen wurden auf einmal altmodisch und jeder versuchte, es aus allen möglichen Winkeln zu filmen. Das fing in den 90ern an, verwackelte Kameraführung und so, was als Experiment cool ist, um zu sehen, wie weit man das Limit pushen kann, aber ich glaube, wir haben seit langem den Sinn für Qualität verloren. Und ich glaube, es ist nicht nur in Filmen, es ist so bei vielen Dingen, wie Arbeit und so. Was ich sagen will ist, Leute wollen Musikzubehör verkaufen, aber gleichzeitig wollen sie auch Fisch verkaufen, weißt du (Jorn fängt an rumzublödeln, spricht wie ein alter Seemann): „Ahh, ich verkaufe Radios und Fisch und wenn du eine Massage willst, ich habe oben einen Raum!“ (lacht) Entscheide dich, was willst du? Es ist die neue Wunderwelt, ich glaube, wir kehren jetzt zu etwas zurück, ich glaube, wir haben ein paar gute Dinge wie experimentieren beibehalten, aber wir lernen noch. Wir beladen unsere Schultern ein wenig mehr und akzeptieren die Tatsache, dass einige Leute schon vor uns auf dieser Erde gewandelt sind und großartige Dinge getan haben und man sollte das anerkennen und das Erbe in die Zukunft bringen, anstatt es zu zerstören. Nur weil man denkt, man ist die neue Generation, weil man besser sein wird, als all die anderen Leute. Es ist eine typische Denkweise für junge Leute, man ist immer klüger als sein Vater oder seine Mutter und man denkt, sie sind nur alte Knacker, die das sowieso nicht verstehen. Und dann denkst du, die verstehen es nicht, aber sie tun´s und dann stellst du fest, dass es ihnen auch so gegangen ist, sie dieses Leben gelebt haben und an genau dem gleichen Punkt standen, wie du.

Ich glaube einfach, dass Leute in einem bestimmten Alter, Leute unterschätzen, die älter sind, weil sie vielleicht etwas ruhiger sind, sie sagen nicht so viel und sie leben ein viel geordneteres Leben, was dann auf einmal langweilig ist und dann geht´s wieder zurück, um das Rad neuzuerfinden, weißt du. Das ist eine klassische Geschichte und in der Musikindustrie sehe ich das immer und immer wieder. Eine neue Band, die viel Testosteron und Adrenalin hat, die übersprudelt vor Energie und natürlich glauben sie, sie sind ganz oben und sie glauben, sie haben schon alles gelernt. Also sind Leute wie ich und andere, wir sind nur diese alten Typen, wir sind Vergangenheit, weißt du (lacht) Aber dann siehst du es auf andere Weise. Wer lacht auf dem Weg zur Bank? (lacht wieder)

Ja, aber viele von ihnen sind ganz schnell an der Spitze und fallen dann noch schneller wieder runter, was denkst du?
Ja, und dann sind sie verbittert, egoistisch, eifersüchtig, was dann auch ganz klar rüberkommt und ich glaube, in der Metalszene, in dieser Blase, in der wir sind, ist es ganz anders als in der Popszene. In der Popszene kann man sich erlauben, alles zu machen; wenn man zum Beispiel von etwas inspiriert ist, dann ist es ganz klar, dass da keiner schlecht drüber redet, sie erwähnen dann nur und das auch nicht so oft, sie sagen dann „Ok, das erinnert mich an etwas, The Doors vielleicht.“ Wenn du eine großartige Platte machst und sie klingt wie etwas, dass in den 90ern oder 80ern oder 70ern gelaufen ist, dann ist es etwas positives, wenn es gut ist. Dann akzeptieren es die Leute und die Platte bekommt positive Kritiken, aber im Metal und Hardrock ist alles sehr negativ und schlecht, viele Leute, verglichen mit der Popszene, sind sehr wählerisch bei allen Details. Es ist fast so, als ob sie nur nach den schlechten Dingen schauen, es ist so, also ob sie dich runterziehen wollen, jede Sekunde, wenn du etwas großartiges machst. Viele Leute im Metalbusiness verbringen ihre Zeit und viele Fans verbringen ihre Zeit damit, im Internet Scheiße zu schreiben in Foren und Statements zu versenden, so als wäre es ihre persönliche Mission, über Bands herzuziehen. Ich lese eine Menge scheiße, immer wieder, nicht nur über unsere Band oder mich. Mal angenommen, ich kaufe eine großartige Platte und ich sage, „Verdammt, das ist so gut!“ Und dann lese ich diese Kritik oder diesen Kommentar auf youtube oder so was, das ist schlimm. Sie sind so fies und so gemein, sie sind so voll von Komplexen.



Glaubst du, es ist Eifersucht?
Eifersucht? Weiß nicht, es ist so furchtbar, da ist so viel Verbitterung. Und wenn du jung bist, dann nimmst du es persönlich, wenn du ein Künstler bist oder du in einer Band spielst, dann nimmst du es persönlich und das ist es, was sie wissen, aber wenn du ein paar Jahre gelebt hast (Jorn grinst), dann liest du es nur und dann musst du lachen und jetzt rufe ich meine Freunde an und sage „Hey, das musst du lesen! Es ist dieser Typ und er ist so angepisst, dass wir diesen Coversong aufgenommen haben, diese Platte aufgenommen haben“! Jetzt ist es Spaß, es ist unterhaltsam zu lesen, weil es am Ende positiv ist. Es ist so wie das alte Sprichwort „Auch schlechte Publicity ist gute Publicity“. Wenn Leute es also diskutieren wollen und darüber reden wollen, macht es nichts, ob es auf nette oder fiese Art ist, denn es hält den Hype am Leben, besonders dann, wenn du Publicity brauchst, zum Beispiel, wenn du nicht unbedingt die größte Plattenfirma hinter dir hast, dann musst du das Interesse aufrechterhalten und das bedeutet, dass all die Leute eigentlich FÜR dich arbeiten.

Hmm, das muss ich mir merken, das ist eine nette Art, darüber zu denken! Vor ein paar Monaten hast du deine neue Platte „Lonely are the Brave“ veröffentlicht. Kannst du uns etwas über den Produktionsprozess erzählen, wo habt ihr aufgenommen?
Wir haben es in Norwegen aufgenommen, aber es wurde in Dänemark gemischt. Ein Freund von mir, Tommy Hansen, ein großartiger Produzent, er war mal in den 80ern einer der Top-Produzenten in Dänemark. Er ist jetzt ein wenig älter, aber er hat immer noch wahnsinniges Talent, ich mische meine Platten immer dort, ich habe das Misch-Team nie geändert. Ich habe vor ein paar Jahren ein paar Alternativen probiert, aber am Ende bin ich doch immer wieder auf das gleiche Rezept zurückgekommen, weil es einfach gut funktionierte. Ich glaube, die neue Platte ist sehr ehrlich und direkt; sie ist nicht zu Tode analysiert so wie bei vielen anderen Bands heutzutage, viele Bands machen Demos oder bauen sich ihre Produktion mit ProTools auf, jeder kann das damit. Das gefällt mir nicht, wie Leute heutzutage aufnehmen; sie machen alles am Computer und dann fangen sie an alles in Einzelteile zu zerlegen.

Ich glaube, wenn wir Platten machen, nutzen wir natürlich auch die Technologie, aber wir machen keine Demos und wir schreiben die Songs nicht am Computer, wir manipulieren nicht oder arrangieren Dinge so, dass sie jede Sekunde der Musik füllen. Ich setze mich mit meinem Gitarristen zusammen und wir spielen was und wir schreiben Melodien und ich schreibe ein paar Lyrics oder beides. Manchmal spiele ich auch Gitarre zu Hause und ich schreibe ein paar coole Ideen auf und ich zeige sie dem Gitarristen und er entwickelt sie weiter oder er sagt „Wow, das ist genial“, denn ich bin kein richtiger Gitarrist. Ich schreibe manchmal Dinge, die nicht sehr typisch zu spielen sind für einen professionellen Gitarristen und dann sagt er: „Oh, mir wäre nie eingefallen, dieses Riff nur auf diesen zwei Saiten zu spielen“ und es klingt genial und dann sagt er: „Wow!“ Aber wir machen die ganze Sache auf sehr altmodische Art, es ist so wie ein richtiges Handwerk, sehr bodenständig, wir nutzen nur Technologie, um das Album aufzunehmen. Wir müssen nicht auf alten Bändern aufnehmen, aber es ist leicht, Dinge zu ändern, wenn man es muss. Ich mag es nicht, Zeit darauf zu verschwenden, Dinge zu analysieren, ich mag es unter Druck zu sein, ich möchte wissen, dass ich die Platte innerhalb der nächsten paar Monate fertig haben muss, zum Beispiel. Ich hab vielleicht noch nicht mal alle Songs fertig oder die Lyrics oder überhaupt, ich habe nur diese Schnipselchen und das Grundgerüst oder noch nicht mal einen Plan für alles.

Hast du alle Songs selbst geschrieben?
Ich mache normalerweise das Grundgerüst und dann setzen wir uns zusammen und stellen den Song fertig, es ist alles offen, alles kann passieren. Ich will einfach nur gute Songs haben, die den Punkt genau treffen und nicht so viele Todpunkte innerhalb des Songs. Die Leute heute mögen es eher, wenn man schnell zum Punkt kommt, so ist die Welt heutzutage. Früher hatten die Leute lange Passagen von Musik, langer Aufbau mit Intros, Instrumentalpassagen, die fünf Minuten dauerten und dann begann die letzte Strophe. Aber die Leute haben dafür keine Leidenschaft mehr und ich glaube, wir auch nicht, wir wollen auch fühlen, dass wir etwas auf-den-Punkt machen, weil wir es uns nie erlaubt haben, zu sehr von diesem Punkt abzuweichen.

Und ich glaube, die neue Platte ist mehr Rock´n´Roll und mehr Hardrock, verglichen mit dem älteren Material, und es hat mehr, dieses Wort wieder, progressivere Elemente. Ich glaube, „The Duke“ war vielleicht mehr „klassisch“, aber es hatte auch verschiedene Elemente, verschiedene musikalische Landschaften, es war leicht bluesig, stellenweise auch kurze progressive Elemente und dann wieder zurück zum klassischen Hardrock. Aber ich glaube auch, dass diese neue Platte viel kompletter ist, viel, viel klarer und es ist leicht, die Identität der Band zu erkennen, schon wenn man sich nur einen Song anhört. Jeder Song sticht irgendwie heraus und repräsentiert das ganze Album und auf den alten Platten war es so, man kann sich einen Song anhören und dann einen anderen und dann dachte man: „Ist das das gleiche Album? Oder die gleiche Band?“ Jetzt ist es einfach auf-den-Punkt!



Teil II folgt in Kürze, Anm.d.Red.


Autor: Sandy Mahrer, transl. Kathleen Gransalke, photos: Sandy Mahrer, Mathias Janke (Ark)
Eingetragen am: 2009-04-02

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