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Jorn Lande: Der Fürst der Worte, Teil 2

Hier nun der zweite Teil des Interviews mit Metal-Legende Jorn Lande, der STALKER wahrlich sein Herz ausschüttete, auf rekordverdächtige Weise...



Was ist dein Traum, woher kommt deine Inspiration? Sind die Texte aus deinem Leben oder nur Fiktion?
Nein, sie sind aus meinem Leben gegriffen, aber sie werden von Dingen, die ich erlebt habe oder von Dingen, die ich sehe, wie zum Beispiel ein Gebäude oder etwas, dass ich im Fernsehen oder den Nachrichten oder im Kino gesehen oder gelesen habe, beeinflusst und dann bekomme ich eine Idee. Aber ich kriege nie Ideen von einer fiktiven Geschichte, ich habe die Idee, dass ich es vorher als Symbol benutzen und es dann in meine eigenen Erfahrungen einbringen kann. Denn ich glaube, dass es etwas ähneln kann, was ich selbst erlebt habe oder etwas, über das ich gerade nachdenke und ich nutze meist die Vergangenheit. Du weißt, wir leben jetzt und meine Neugier und meine Gedanken über Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft – es kommt einfach alles zusammen, wenn ich schreibe. Die Faszination der Vergangenheit und die Ungewissheit der Zukunft, was wird passieren? Wo gehen wir hin? Und dann denkst du mittendrin über die Gegenwart nach. Und ich nutze alle möglichen Symbole. Die Menschen haben das schon ewig gemacht, die Leute haben den Turm von Babel genutzt, um zu symbolisieren, wie ambitioniert sie sind, neue Dimensionen zu erreichen, du weißt, was ich meine? Ich nutze einfach alles, in einer existentiellen Mischung.

Auf welchen Song bist du am meisten stolz und warum?
Das ist schwierig zu sagen. Hmm, ich mag viele Songs, aber ich glaube, ein paar vom neuen Album, ich glaube, „War of the World“ ist ein genialer Song. „Soul of the Wind“ auch, aber ich glaube, der Song, der mir am meisten bedeutet, ist, „Man of the Dark“, weil er eine Geschichte hat, aber dennoch persönlich ist. Es geht schon um mich, aber es ist auch eine Geschichte, mit der sich jeder identifizieren kann. Es sieht eher wie eine Geschichte aus und gleichzeitig ist es auch persönlich und der Song ist ein sehr klassischer Song, der live immer großartig klingt, die Band ist eine Einheit und sehr tight, wenn wir den Song spielen, sehr natürlich.

Spielt ihr ihn heute abend?
Wir spielen ihn heute abend, klar! Jep, ich glaube, das ist ein Song, der uns verfolgen wird, es ist ein Song, an den sich Leute erinnern werden, den die Leute live hören wollen, glaube ich. Er hat etwas besonderes, er hat den klassischen Sabbath, Dio Einfluss, aber er hat auch eine etwas melodischere, dramatischere, theatralischere Seite, die mich ein bisschen an (fängt an zu lachen) Jorn erinnert, aber er hat auch ein bisschen was von Queen, ich glaube, die Strophe hat...hmm, es ist schwer, zu erklären...es hat...es ist ein sehr einfacher Song, der eigentlich nicht sehr viele klare Einflüsse hat, aber dennoch kann man sagen, dass es ein kompletter Song ist, der einfach Jorn ist. Du weißt ja, du kannst nicht einfach sagen, „Oh, hier ist er von diesem Sänger oder dieser Band inspiriert“, das kann man nicht sagen, aber trotzdem sind alle Elemente da, aber ich glaube, sie sind zusammen auf eine viel natürlichere Weise. Ich weiß nicht, was ich sagen soll (was Mr. Lande nicht oft passiert), ich liebe diesen Song einfach, ich finde, dass er ein sehr typischer Song für uns ist, mit einer Menge Persönlichkeit.

Also bedeutet dir der Song sehr viel?
Yeah, das tut er! Und ich glaube auch, dass sich Leute wirklich mit diesem Song identifizieren können, musikalisch und textlich.



Wie hat alles angefangen? Kannst du uns ein wenig über deinen musikalischen Hintergrund erzählen?
Ich versuch’s mal! Ich bin fast ein ganzes Semester auf einer Musikschule gewesen und dann wurde ich rausgeworfen, weil es eine christliche Schule war, sehr streng, fast fanatisch. Ich schätze, ich war auch irgendwie, hmm, ich war nicht wirklich einfach, ich konnte nicht sehr gut mit Autoritätspersonen umgehen und ich mochte es nicht, wenn mir Leute sagten, was ich zu tun hätte, also bin ich vielleicht auch etwas unvernünftig gewesen, aber sie waren auch sehr streng, vielleicht zu streng für mich. Danach habe nichts anderes als Musik gemacht, weil es das war, was ich machen wollte und ich beschloss ab diesem Moment, dass, egal was passiert, ich das immer machen werden und davon leben werde und dass ich all diesen Leuten beweisen werde, dass es möglich ist, den Traum zu leben (In der Zwischenzeit fangen Pure Inc. ihren Soundcheck an, laute Drums unterbrechen unser Gespräch)

Wie pflegst du deine Stimmbänder? Hast du irgendwas besonderes, dass du vor der Show machst, damit deine Stimme so kraftvoll ist?
Ah, nicht wirklich, meine Stimme wird angegriffen wie bei jedem anderen auch, wenn ich zu viele Shows hintereinander singe. Bis jetzt hatte ich Glück, und meine Stimme hat funktioniert, manchmal besser als andere Male. Manchmal ist es besser, als an anderen Tagen, im Allgemeinen hab ich aber Glück, dass ich da einen starken Muskel habe (lacht) oder was auch immer es ist... Aber natürlich, als ich jünger war, habe ich etwas anders gesungen, ich habe meine Stimme anders eingesetzt und das habe ich ein wenig geändert, ich habe mich mehr auf eine bestimmte Ausdrucksform konzentriert, bei der ich mich wohler gefühlt habe, und so singe ich jetzt. Ich konzentriere mich mehr auf diese eine Ausdrucksform, weil ich glaube, dass sie für mich einfach natürlicher ist. Auch wenn man eine Talent hat, viele Dinge zu machen, dann muss man das nicht unbedingt machen, nur weil man es könnte. Ich musste einfach nur herausfinden, was für mich wirklich natürlich ist. Wenn ich es so mache, wie jetzt, kann ich beides machen, kraftvoll singen und immer noch auf der Bühne alles unter Kontrolle haben. Ich kann gleichzeitig mit den Leute kommunizieren, aber bei anderen Gesangsformen, die ich gemacht habe, als ich mit einer viel dünneren Stimme diesen hohen Kram gesungen habe, dann war ich immer in meiner eigenen Welt auf der Bühne, immer darauf konzentriert, die Töne zu treffen und meine Stimme zu formen. Immer die richtige Lautstärke, dabei habe ich die Bühnenpräsenz verloren und so dachte ich, ich müsste etwas finden, wo ich alles machen kann. Mich wohl und selbstbewusst fühlen und gleichzeitig kann ich auch für das Publikum da sein. Es hat Jahre gedauert, bis ich das rausgefunden habe.

Vorhin haben wir über Grunge und Brit Pop in den 90ern geredet, ich war alt genug, meine eigene Karriere zu haben und dann auf einmal waren diese Zeiten vorbei. Diese Art von Musik, die ich wirklich liebte und für mich der Grund war, überhaupt mit Musikmachen anzufangen, gab’s auf einmal nicht mehr, man konnte keinen Plattenvertrag mehr kriegen, wenn man ein klassischer Hardrock Sänger war. Ich glaube, was wir gemacht haben... wir wurden gezwungen, etwas neues zu versuchen; deshalb habe ich ein paar experimentelle Alben gemacht wie mit Ark “Burn the Sun” und mit Beyond Twilight “Devil’s Hall of Fame”, aber ich habe während der 90er versucht, die ursprünglichen Wurzeln beizubehalten, aber immer noch die klassischen Elemente zu benutzen, etwas beizufügen, was vielleicht ein bisschen weiterentwickelt war und wir haben gehofft, dass wir von den Leute mehr akzeptiert werden und weniger mit anderen verglichen werden, weißt du. Wir wollten keine Kopien sein, wir wollten inspiriert sein und unsere eigene Identität haben, das war schwierig. Ich glaube, wir haben immer noch diesen ursprünglichen Idealismus, obwohl wir dieses klassische Ding in unserem Grundgerüst haben, experimentieren wir doch mit anderen Elementen, nicht zu sehr, glaube ich, sehr, sehr idealistisch. Ich glaube, nach einer Weile haben wir entdeckt, dass wir das nicht wirklich hätten machen brauchen, wir hätten einfach von Anfang an simple Songs schreiben können, so dass die Fans die Songs verstehen. Aber wir alle haben verschiedene Hintergründe und Umstände.

Meine musikalische Reise war so, ich musste mit vielen verschiedenen Bands und Projekten und Stilen herumprobieren und experimentieren, aber ich habe mich nie von dem Grundgerüst des alten Hardrockstils getrennt, das war immer da. Ich glaube, es kommt daher, dass ich in den 70ern aufgewachsen bin und wir alle hatten diese, wie ich vorher schon gesagt habe, großartigen Bands und verschiedenste Stile und ich glaube, viele Leute wurden auf eine gewisse Weise gehypt, denn wir sind fast vor großartigen Bands erschlagen worden. Und ich denke, diese Bands haben ihr halbes Leben damit verbracht, sich zu entdecken und einen bestimmten Stil zu kreieren und auf einmal kam der internationale Durchbruch und es war leicht, Platten zu kaufen. Ich meine, in den 50ern konnte keiner Platten so einfach kaufen, wie in den 70ern, wo alles explodierte und in den 80ern konnte man Musik von überall her bekommen. Man konnte eine ganze Karriere kaufen, die Hälfte der Bandgeschichte und es konnte in ein paar Monaten analysiert werden, man konnte ganz einfach, die ganze Geschichte auschecken. Wir konnten uns also all die Schnipselchen, die wir mochten, von hier und da heraussuchen und in unsere eigene Musik einbringen.

Ich bin von Peter Gabriel, Davie Bowie, 10cc und sogar Pop, wie diesem Typen aus Australien, John Farnham, ein toller Sänger, inspiriert und die Qualität war so hoch und wir haben angefangen, all diese Elemente in unser Songschreiben einzubringen. Das hat es auch einfacher, schneller gemacht, Songs zu schreiben, weil man sich erlauben konnte, Stile zu mischen. Man konnte plötzlich musikalisch in eine andere Dimension gehen. Es war leichter zu schreiben und es hat weniger Mühe gemacht, es ging mehr darum, offen zu sein. Ich glaube, jetzt ist es für mich schwieriger, einen Hardrock Song zu schreiben, mit der Ausdrucksform, die ich gewählt habe, weil man es echt mit dem Songschreiben auf den Punkt bringen muss und es muss auch sehr geschmackvoll sein. Ich glaube, es war irgendwie eine musikalische Reise, die uns wieder zurück zu den Anfängen gebracht hat.



Du hast ein paar Shows mit Avantasia gespielt, wie kam’s dazu?
Tobi hat mich gefragt, wir kennen uns seit Masterplan Zeiten. Wir kannten viele Leute in der deutschen Musikszene und ich hab Tobi auch schon zuvor mehrfach getroffen. Er nahm mich für drei Tage mit nach Wolfsburg und es war leicht für mich und sie sind tolle Leute, mit denen man arbeiten kann, sehr professionell und nett. Es war eine nette Gegend bei Wolfsburg. Deutsche Landschaft ist echt schön, wenn man es vorher noch nie gesehen hat. Ich meine, viele Leute aus anderen Teilen der Welt sehen nur Beton und Rotlichtbezirke wie die Reeperbahn und so was, die Leute haben ein bestimmtes Bild von Deutschland, aber eigentlich ist es ziemlich schön, wenn man mal von der Autobahn runterfährt und dann ins Land fährt, da sind Seen und Dörfer und Kleinstädte mit alter Architektur, es ist sehr grün und die Vegetation ist wirklich schön. Ich meine, Norwegen ist toll, es ist so wie die Schweizer Bergwelt, aber wir haben viel mehr davon.

Wir haben von allem etwas, aus Finnland, Schweden, Deutschland und der Schweiz (lacht). Wir haben all diese Elemente in einem Land, es sind also viele Elemente zusammen, also ist es ein Privileg, in Norwegen aufzuwachsen. Es ist nie mehr als eine oder anderthalb Stunde bis zu den Bergen, wenn man Ski fahren will, aber dann ist man auf einmal unten und es ist warm und grün und es ist einfach sehr nah beieinander, wir haben unterschiedliche Temperaturzonen. Ich wohne im Südosten (Frederikstad) und dort herrscht ein milderes Klima an der See. Ein netter Ort für Sommerferien (zwinkert), viele Boote und der Geruch der alten Holzboote, die die Leute wieder herrichten und anstreichen und alles.

Welchen Rat würdest du einer Newcomer-Band geben, die auf dem Weg an die Spitze ist. Irgendwas besonders, was du ihnen mit auf den Weg geben würdest, worauf sie aufpassen sollten?
Es hängt davon ab, wie realistisch man ist! Ich meine, spielst du Musik, weil du wirklich erfolgreich sein willst? Wenn du gewillt bist, eine Menge dafür zu opfern, dann kriegst du, was du willst, so lange du kreativ und produktiv bist... Ich meine, das Business ist nicht wichtig, aber gleichzeitig ist es viel schwerer in der Metalszene, es ist nicht so wie in der kommerziellen Popszene, da gibt’s andere Regeln. Jeder will Geld mit dir machen und wenn du zu hart mit dem Business umgehst, dann könnte es darauf hinauslaufen, dass du weniger Platten verkaufst, weil niemand wirklich mit dir Geld verdient. Es ist ein bestimmtes Gleichgewicht, es braucht ein gewisses Gleichgewicht, damit du am Ende das bekommst, was du willst, aber du musst die Tatsache akzeptieren, dass das Business mit dir Geld machen will und wenn du zu streng mit den Verträgen bist und alles, dann könnte es schlecht für dich enden, denn dann hast du zwar den besten Vertrag, aber du kriegst die wenigsten Prozente, aber dann macht das Business nicht genug Geld mit dir und dann lassen sie dich im Stich, was bedeutet, dass sie eher eine Band pushen, die vielleicht nicht so gut ist wie du, aber die Band hat vielleicht keinen so guten Vertrag, also können sie mit der Band mehr Geld machen und wenn man es auf lange Sicht sieht, dann wird diese Band erfolgreicher sein und mehr Geld verdienen.

Aber nach einer Weile wird es ihnen dann bewusst und sie fangen an, zu den Großen zu gehen, aber dann haben sie schon eine Basis etabliert und es ist wie wenn man als Geschirrspüler in einem Hotel anfängt und am Ende ist man der Manager. Der größte Fehler ist es, wenn man anfängt, sich zu sehr auf Zahlen und Details zu konzentrieren. Es ist wichtig, sicher zu stellen, dass es nicht der beschissenste Vertrag ist, aber man sollte auch nicht zu streng sein, besonders bei Abhängigkeiten, da denkt man eher darüber nach, wie viele Jahre man plant, in eine Karriere zu investieren. Akzeptiere die Tatsache, dass du vielleicht viele Alben aufnehmen musst, bevor du einen bestimmten Level erreichst und du musst es dir verdienen, bevor du anfangen kannst, zu wählerisch mit dem Business zu sein. Als ich angefangen habe, habe ich akzeptiert, dass der Deal, den ich abgeschlossen habe, der beste war, weil ich keinen weiteren schlechten Deal hatte. Ich wurde immer erfolgreicher, weil die Plattenfirma mich gepusht hat und es hängt davon ab, wie du es siehst. Das war mein Weg und heute versuche ich immer noch, flexibel zu sein, aber natürlich sind mir schlechte Verträge bewusst. Ich bin allerdings immer noch nicht sehr wählerisch damit. Es ist ein Job, also schaue ich, dass ich kriege, was ich brauche, um davon leben zu können. Das ist mir wichtig, das ich jetzt was habe und auch für die Zukunft.

Ich spekuliere nicht so sehr mit den Einzelheiten und die gefährlichste Sache ist es, sich auf der Musik auszuruhen, die man schon geschrieben hat. Man sollte immer darüber nachdenken, was man als nächstes schreibt. Was du in der Vergangenheit gemacht hast, gehört zu Vergangenheit, nächstes Jahr machst du etwas neues. So viele Leute versuchen, ihre ganze Mühe auf das zu verschwenden, was sie gemacht haben und dann denken sie, sie können es nie wieder so gut machen wie damals und sie spielen immer wieder die gleiche Platte: „Ah, das ist, was ich gemacht habe, als es am besten war“. Aber es ist ein sehr langer Entwicklungsprozess.

Ich glaube, der wichtigste Tipp, den ich Leuten geben kann, die heutzutage anfangen, ist: Stellt sicher, dass der Vertrag ein Lizenzvertrag ist, der für eine bestimmte Anzahl an Jahren, vielleicht 5 oder 3, gilt, so dass die Rechte nach einer bestimmten Zeit automatisch wieder an die Band zurückgehen oder den Künstler. Auf diese Weise weißt du, dass, selbst wenn es ein schlechter Vertrag ist, du die Rechte für das Album in ein paar Jahren zurückbekommst, was bedeutet, dass du auch weiterhin damit Geschäfte machen kannst, du kannst dir einen Katalog aufbauen und diesen dann wiederverkaufen und auch in Zukunft damit Geld verdienen. Das machen sie alle so, deshalb sieht man so viel Best-Of’s. Denn viele Bands haben sichergestellt, dass sie die Rechte irgendwann wieder zurückbekommen. Das ist der Tipp, den ich geben kann.

Seid nicht zu wählerisch mit allen Einzelheiten, denn es könnte damit enden, dass ihr den Vertrag verliert oder überhaupt nicht promotet werdet, weil ihr zu streng mit dem Business ward. Mal angenommen, ihr wollt die Platten für jedes Land lizenzieren, weil ihr glaubt, das ist clever und ihr würdet die Vorteile jedes Landes bekommen, das ist nicht immer sehr clever, denn ihr seid dann auf allen Gebieten eingeschränkt, was bedeutet, dass der ganze Vertrieb...sie haben vielleicht alle Verträge mit anderen Bands, die noch vor euch kommen, denn für einige dieser Bands gibt’s vielleicht Verträge für die ganze Welt, was bedeutet, dass sie ein viel größeres Gebiet haben, von dem Geld gemacht werden kann, was bedeutet, dass, selbst wenn dein Vertrag gut ist, ist es manchmal gut, eine Plattenfirma für die ganze Welt zu haben, eine Firma. Manchmal ist es gut, obwohl dir dein Verstand vielleicht sagt, dass es theoretisch smarter ist, verschiedene zu haben, eine für jedes Territorium. Das beste ist, so viel Schub wie möglich von einem Label zu bekommen, das mit dir auf der ganzen Welt arbeitet, weil das bedeutet, dass sie immer für dich arbeiten werden. Weil sie weitaus mehr Interesse haben, mit dir Geld zu verdienen, weil sie die Rechte besitzen. Aber ein Lizenzvertrag ist wirklich das wichtigste.

Was glaubst du, ist cool/beschissen am Musikerdasein?
Die Unsicherheit, immer die Deadline einhalten, das muss man wirklich ernst nehmen und das Gleichgewicht finden. Ich glaube, ich kann das nicht richtig, ich weiß nicht, ob es negativ ist, wenn man jünger ist und man frustriert ist, weil man eigentlich noch gar nichts über das Leben weiß, weil man zu jung ist und dann wird man schneller frustriert von der ganzen Arbeit, die man machen muss, um etwas Geld zu verdienen, aber nach einer Weile gewöhnt man sich dran, findet einen Weg, einen bestimmten Weg. Es ist viel mehr Arbeit, als du erwartest. Das ist vielleicht der schwierigste Teil, nach einer Weile findest du Wege, wie du es hinkriegen kannst und eine Beziehung zum Business aufbauen kannst. Das ist auch sehr wichtig, ich habe es gelernt, indem ich die Partner in Plattenfirmen mit unserer Band gewechselt habe. Die Dinge wurden schwieriger, ich fühlte mich unsicherer mit den Leuten, mit denen ich arbeitete, weil man dann immer mit neuen Leute zu tun und sie haben alle ganz andere Denkweisen, also ist es gut, eine lange Beziehung mit einer Plattenfirma zu haben, oder Management, denn dann kann man sich auch eher entspannen, denn dann wird man eine Email nicht missverstehen, wenn man sich denken kann, dass der Boss der Plattenfirma oder dein Manager am Montag morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden ist (lacht). Und er ist in einer schlechten Laune und er sagt so was, dann nimmst du es nicht persönlich, weil du weißt, wie er drauf ist. Dann sagst du einfach nur, egal, ich schreibe morgen zurück. Du kannst es dir erlauben, mehr zu entspannen, weil du die Person kennst, es ist so wie Familie, du kennst die Leute gut genug, dich nicht zu sehr darüber aufzuregen.



Was hast du in der näheren Zukunft geplant?
Eine DVD kommt aus Amerika, eine Doppel-CD „Live in America“, die wir vor ein paar Jahren gemacht haben. In ein paar Monaten kommt das als DVD raus, wir wollten es noch vor Weihnachten 2008 veröffentlichen, aber ich glaube nicht, dass wir das schaffen, weil es beim Editing der DVD ein paar Verzögerungen gab, aber jetzt ist es fast fertig. Ich glaube, es wird kurz nach Weihnachten rauskommen. Und die neue Platte wird auch nächstes Jahr fertig sein und im Frühling veröffentlicht. Ich glaube, ich habe ein paar Dinge aus meinem Leben erwähnt, ich denke, jetzt bin ich 40 und ich will noch bestimmte Dinge machen in einem bestimmten Zeitrahmen und dann mache ich längere Intervalle zwischen den Platten in Zukunft, ich will echt kreativ sein und produktiv, auch jetzt arbeite ich immer noch hart daran, meine Zukunft aufzubauen. Du weißt, man kriegt keine Rentenpunkte, wenn man Hardrock spielt, also ist es wichtig, eine starke Basis für die Zukunft zu schaffen, wenn man älter wird und ich glaube, ich nutze diese Jugend und Energie (lacht) jetzt, wo ich sie noch habe und wenn ich älter bin, dann kann ich vielleicht ein bisschen zurückschalten und anfangen, all diese Songs mehr live zu spielen und dann kann man mehr DVDs machen und seine Songs aufbauen, an ihnen arbeiten, sie spielen und irgendwann musst du sie auch promoten. Also ich glaube, das ist der Grund, warum ich jetzt so viel arbeite.

Wenn ich viele Ideen habe und mit dem Vertrag, den ich habe, ist es wie ein unerledigtes Geschäft mit dem Songschreiben und so und dann habe ich einen Katalog und alles ist bereit für Best-Ofs, für DVDs und Live-Touren mit handverlesenen Songs. Weil man immer nur etwa 2-3 Songs auf jeder Platte hat, die wirklich hervorstechen und dann entscheidest du, dass du genug Platten hast, von denen du auswählen kannst und dann hast du das potentiell beste Set. Ich meine, es wird jedes Jahr schwerer. So wie ich schreibe, es ist sehr spontan. Ich mag es, unter Druck zu sein. Ich will, dass die Song gut sind, aber ich will auch nicht zu viel Zeit aufwenden. Ich will sie einfach nur aufnehmen und wenn es nicht perfekt ist, dann ist es auch nicht das Ende der Welt. Es muss einfach nur uns selbst glücklich machen und es muss eine gute Aufnahmequalität haben. Ich sprühe förmlich vor Ideen und Dingen, die ich machen will. Wenn ich also die Idee nicht gleich umsetze, wenn ich sie habe und innerhalb eines Jahres aufnehme, dann wird sie langweilig, obwohl es eine großartige Idee ist und mir Leute sagen: „Wow, das ist verdammt genial“. Ich sage dann, „ja, das ist schon ewig her, ich bin jetzt weiter und möchte diese Idee nicht mehr benutzen“. Dann kommt „Oh, Jorn, du musst es benutzen“ Hmm, vielleicht! Weil es jetzt für mich zu alt ist, ich habe schon wieder ganze neue Ideen, habe neue Dinge in meinem Leben begonnen. Es ist besser, wenn ich eine Idee nicht zu sehr analysiere, sonst hab ich sie schnell satt.

Also, wie ist es dann, wenn du auf der Bühne bist, hast du es nicht satt, wenn die Leute 200 mal den gleichen Song hören wollen?
Nein, denn die Energie und die Jugend sind das wichtigste und wenn ich es analysiere und es mir langweilig ist, dann verliere ich dieses spontane Gefühl und die jugendliche Energie. Und so lange ich es noch mit dieser Energie durchziehen kann, bin ich immer noch 15. Ich will mich genauso fühlen, wie damals, als der Song noch neu war. Ich möchte den gleichen Traum leben und wenn ich dieses jungendliche Element verliere, werde ich nie wieder einen neuen Song schreiben können. Deshalb muss es schnell passieren. Das gleiche mit dem Studio, ich will meine Notizen oder mein Textbuch füllen. Wenn ich ins Studio gehe, sind die Songs nicht fertig, sie sind so frisch, dass ich sie noch nicht mal im Computer habe, sie sind nur da und ich habe noch viele Alternativen, immer, verschiedene Sätze, verschiedene Möglichkeiten für die Lyrics. Wenn ich ins Studio gehe, weiß ich noch nicht mal, welche ich benutze, weil ich Alternativen habe und dann denke ich, oh, vielleicht ist das gut, keine Ahnung, vielleicht das und dann muss ich es zuerst probieren. Einfach singen und wenn’s mir nicht gefällt, dann streich es einfach schnell raus. Das dauert nicht lange, es ist sehr schnell, aber dann bekomme ich die Bestätigung leicht, indem ich mir anhöre, was ich grade gemacht habe. Eine Stunde lang singen und es sich dann anhören und dann mach ich mit anderem Kram weiter. Wenn ich schnell herausfinde, was die beste Alternative ist, manchmal muss man es erst physikalisch machen, bevor man merkt, was das Richtige ist.

Hast du ein paar abschließende Worte für unsere STALKER Leser?
Danke an alle, die unsere Promo und alles während der ganzen Jahren mitverfolgt haben. Ich bin sehr froh darüber, eine Karriere zu haben und ich hoffe, dass ich euch bald alle unterwegs sehe. Und so lange überhaupt jemand kommt, werde ich Platten machen und unterwegs sein. Das ist alles, was ich sagen kann. Keep Metal Alive (lacht)

Danke für das Interview. Viel Spaß bei der Show!
Danke, bis heut abend!

Später bekamen wir von Jorn die Neuigkeit, dass seine neue Platte “Spirit Black” im Mai 2009 veröffentlicht wird und den Coversong “I Walk Alone” aus Tarja Turunens „Winterstorm“ enthalten wird.





Autor: Sandy Mahrer, transl. Kathleen Gransalke, photos: Sandy Mahrer, Mathias Janke (Ark)
Eingetragen am: 2009-04-08

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