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Viikate: Bekloppte Rock´n´Roll Klischees

Bands, die in Landessprache singen, haben´s nicht immer leicht außerhalb heimatlicher Gefilde. Bei der finnischen Band Viikate spielen die Texte zwar auch eine große Rolle, dennoch haben ihre Songs, inspiriert von 50er Jahre Filmen, allein genug Potential, um sich in diverse Gehörgänge unwiderruflich einzunisten. STALKER traf sich während des MyötätuuliRock Festivals mit Bandchef Kaarle Viikate, um über genau dieses Thema zu plaudern und bekam nebenbei gleich noch ein paar Ratschläge für das Überleben in Finnland und, wie man am besten rocken und kochen verbinden kann.



Für Songs mit nicht-englischen Texten ist es normalerweise ziemlich schwer, international erfolgreich zu sein, warum, glaubst du, ist das so?
Keine Ahnung, ich glaube, dass es möglich ist auch im Ausland erfolgreich zu sein, auch wenn man in seiner eigenen Sprache singt. Rammstein sind ein Beispiel. Ich denke, wenn es keine große Show oder Produktion oder so was ist…wenn du ein Album rausbringst, solltest du auch die Lyrics zu den Songs im Booklet haben und eine englische Übersetzung. Ich glaube, das wäre eine Möglichkeit, auch außerhalb des Heimatlandes erfolgreich zu sein.

Warum ist es so schwierig? Müssen die Leute tatsächlich verstehen, worum es in dem Lied geht?
Yeah, ich weiß nicht, ob es an den Songs und den Gesangsmelodien liegt – sie müssen sehr nah beieinander sein. Vielleicht brauchen die Songs auch selbst einen roten Faden, so dass sich die Leute die Songs anhören können und mitkriegen, worum´s geht, obwohl sie kein einziges Wort verstehen. Übrigens hab ich mir grad eine Best-of CD einer estnischen Band gekauft und ich versteh da kein Wort. Einige Bands haben einfach dieses Talent, dass ihre Musik zu den Leuten spricht, obwohl die Leute nicht verstehen, worum es geht oder worüber sie singen. Ich hab keine Ahnung, was es ist, es ist ein Mysterium!

In eurem Fall, wie viel würdest du sagen, geht dem Hörer verloren, wenn er eure Texte nicht versteht?
Ich glaube, dass, obwohl du die Texte nicht verstehst, die Songs eine gewisse Stimmung haben, die den Text widerspiegeln, also ist man nicht total verloren…du kriegst eine Idee, worum es in dem Song geht.

Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus, eine andere Band, die normalerweise rein finnisch singt, hat sogar zwei Alben komplett auf Deutsch aufgenommen, könntest du dir das auch vorstellen?
Meine anderen Sprachen sind so schlecht, wie du sicher schon festgestellt hast (lacht)…wenn der Tag jemals kommt, an dem wir auch außerhalb Finnlands ein Album veröffentlichen, wird es eine englische Übersetzung der Texte im Booklet geben. Ich glaube nicht…für mich ist Schreiben auf Finnisch…alles, was ich sagen will…die beste Art, auf die ich es sagen kann, ist auf Finnisch.

Die finnische Sprache an sich klingt für mich irgendwie sehr monoton oder nicht wirklich harmonisch. Glaubst du, dass es aufgrund dessen schwieriger ist, einen eingängigen Song zu schreiben?
Das ist unterschiedlich, manchmal muss ich mich mehr mit den Texten rumschlagen, als mit der Musik. Und für mich ist es weitaus wichtiger, die richtigen Worte zu finden. Ich glaube, das ist der Hauptpunkt in unserer Musik.



Wie und wann entstehen denn bei dir Songideen?
Eigentlich immer, aber es gibt natürlich Zeiten, wenn man aufmerksamer ist. Und dann erinnert man sich auch später noch dran, dann schreibt man sie vielleicht auf oder so und wenn es an der Zeit ist, ein neues Album aufzunehmen, dann holt man sich diese Notizen wieder hervor und fasst zusammen, was da steht und dann geht es ganz von alleine. Wenn du ein paar Notizen hast, und dann denkst du, „yeah, diese Sache“ und dann erinnerst du dich an andere – es ist ein Schneeballeffekt. Ideen kommen eigentlich immer, aber wenn man nicht in einer kreative Phase ist, dann vergisst man diese Ideen auch sehr schnell wieder.


Ich würde dich gern bitten, einen Song vom letzen Album auszuwählen und mir zu erklären, worum es geht und was die Bedeutung des Liedes ist.
“Der Mond über Südostfinnland” (Kuu Kaakon Yllä) Ich wollte über die Lebensart hier in Finnland schreibt, im Südosten Finnlands. Es gibt Ironie und Humor, du musst zu dir selbst lachen und lächeln, weil, wenn du nicht lachst…oder manche Dinge im Leben sind nicht immer so toll, also musst du viel lauter lachen, wenn du sie überstanden hast. Ich glaube, das ist die Hauptsache, wenn du hier in Finnland überleben willst.

Ist das Leben hier so hart?
Wir haben kein Licht…

Hmm, zurzeit habt ihr aber ne ganze Menge davon ;)
Yeah, aber es ist nur für eine sehr kurze Zeit, dass es so hell ist. Zu allen anderen Zeiten des Jahres ist es dunkel. Das überwiegt (lacht)

Ihr habt auch ein paar ziemlich coole Musikvideos. Wo kommen die Ideen dafür her?
(lächelt) Hmm, ich glaube, auf die gleiche Art, wie wir Ideen für Songs kriegen…von Filmen, TV-Serien, finnischem Drama oder Komödien oder so was. So was, was ich persönlich eigentlich ständig schaue. Wenn es eine großartige TV-Serie oder Film oder so was gibt, die dich wirklich inspiriert, dann musst du dir die wichtigsten Punkte rausziehen und in dein eigenes Video packen, sozusagen als Hommage an das Original.



Welches hat am meisten Spaß gemacht, zu drehen?
Ich glaube, das letzte Viina, Terva ja Hauta . Da hatten wir die Möglichkeit, mit Motorrädern zu fahren und Pappa Tunturi Mopeds [finnische Marke aus den 50ern]. Und es gab Explosionen und Frauen, die nur Bikinis trugen – einfach bekloppte Rock´n´Roll Klischees. Unser Drummer, Simo, er mag das am meisten – Explosionen und Ladies, aber es gibt in dem Video auch andere Ideen – es ist ein gutes Gesamtpaket.

Wovon hast du geträumt, als du ein Teenager warst, sagen wir mal 14 oder so. Wolltest du ein Rockstar werden?
Mit 14? Da habe ich gedacht, dass ich niemals lernen würde, Gitarre zu spielen. Es war so schwer. In dem Alter hab ich mich schon sehr für Musik interessiert, ich hab ständig irgendwas gehört und ich wollte Koch werden. Und in der Tat bin ich jetzt Koch, ich hab die Ausbildung dafür, aber damals hätte ich nie gedacht, dass ich überhaupt jemals Musik spielen werde. Es ist einfach so passiert und jetzt 15 Jahre später, was sagt man dazu! Es ist echt verrückt, aber ich lasse es mir gefallen.

Viikate gibt´s ja jetzt schon seit 1996, wenn du zurückblickst, gibt´s irgendwas, das du anders gemacht hättest?
Nö, eigentlich nicht, ich habe in Restaurants gearbeitet und diese Kochsache nebenbei gemacht. Das war mein Beruf, ich hab damit Geld für die Miete verdient und Spielen war nur ein Hobby. Jetzt ist das nur ein Hobby und mit Musik verdiene ich mein Geld. Es gibt auch noch ein paar kleinere Dinge, die ich neben Gigs und Alben mache – viele kleine Sachen, die zusammen kommen, damit man davon leben kann, aber es ist schon wirklich verrückt, dass die Dinge so passiert sind.

Apropos Koch, ich hab gesehen, dass du auch so was wie eine Kochshow hast?
Im Internet, ja. Rokit Kokit! Jep, wir haben drei Episoden gedreht und im Moment wissen wir noch nicht, ob es weitergeht oder nicht. Das ist das Problem der Produktionsfirma, aber falls es fortgesetzt wird, wäre ich sehr glücklich, wenn ich dabei wäre.



Worum geht´s da?
Mit meinem Freund, auch Koch, machen wir Essen, laden Gäste ein, befreundete Bands wie Kotiteollisuus und Stam1na bla bla bla – es gibt in Finnland nur einen sehr kleinen Kreis. Aber es geht hauptsächlich darum, einfaches Essen zu machen, um zu zeigen, dass Kochen nicht so schwer ist. Man kann verschiedene Dinge ausprobieren und muss nicht immer bei einer einzigen Sache hängenbleiben, man kann experimentieren.

Hast du noch ein Rezept, das du gern mit unseren Lesern teilen möchtest?
Hmmm, eigentlich nicht, also kein Essensrezept, aber ein verdammt guten Sommerdrink! Wodka mit Vanillegeschmack und 5-Frucht-Saft. Ich weiß nicht mehr, was das für Früchte sind, aber es sind 5 exotische Früchte und Vanille-Wodka, Eis und ein Schirmchen! Dann ist es Sommer!

Dann wünsch ich dir noch einen schönen Sommer! Vielen Dank!
Danke!

Für weitere Infos checkt die Bandwebsite: www.viikate.com



Autor: Kathleen Gransalke, photos: AJ Savolainen, RokitKokit
Eingetragen am: 2010-06-28

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