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Irma
STALKERs Fresh Act Oktober 2011


Ist "Singer/Songwriter"-Mucke eigentlich immer noch oder schon wieder "in" - oder mittlerweile sogar völlig "out"? Im Grunde spielt es keine Rolle, denn auch wenn man Irma in diese Kategorie einordnen möchte, sticht sie so oder so heraus, dank Stimme, Talent, Seele und Persönlichkeit. Das scheint auch Johnny Lee Michaels erkannt zu haben, der sich unter anderem als Produzent von The 69 Eyes einen Namen gemacht hat. Deren Frontmann Jyrki69 wiederum hat die finnisch-georgische Künstlerin höchstpersönlich als Live-Act für die September-Ausgabe seiner monatlichen Veranstaltungsreihe "Zombie Love Club" ausgewählt. Und genau da hat STALKER Irma nach ihrem Auftritt im Backstage-Bereich besucht, inklusive vieler Fragen...

Hallo Irma und vielen Dank, dass Du Dir ein wenig Zeit für dieses Interview genommen hast. Magst Du Dich für den Anfang zunächst einmal kurz vorstellen?
Nun, mein Name ist Irma und... Nun, wenn Ihr etwas über mich wissen wollt: Ich komme eigentlich aus der ehemaligen Sowjetunion. Ich wurde dort geboren und mein Vater stammt aus Georgien. Ich habe meine Kindheit halb in Georgien und halb in Russland verbracht, bevor ich im Alter von acht Jahren nach Finnland gezogen bin. Das war im Jahre 1993. Und, nun, zum ersten Mal mit Musik kam ich in Berührung, als meine Mutter mich in den Klavierunterricht steckte. Ich habe es gehasst! [Gelächter] Und nachdem wir nach Finnland gezogen waren, begann ich zum ersten Mal westliche Musik zu hören, denn damals in der Sowjetunion war ja alles ziemlich eingeschränkt.

Was meinst Du mit "westlicher Musik"? Popmusik?
Ja, im Grunde jede Art von Musik, die außerhalb der Sowjetunion gemacht wurde.


Welche Art von Musik habt Ihr denn damals in der Sowjetunion gehört?
Argh! Nichts Besonderes, wirklich! Ich erinnere mich noch daran, wie ich zum ersten Mal den Song "Lambada" von Kaoma hörte. Ich dachte nur: "Wow!" [Gelächter] Es war damals in Georgien. Wir saßen da mit einem kleinen, roten Kassettenrekorder und ich weiß nicht, wer die Kassette besaß und von woher die Person diese Kassette hatte. Ich meine: Es war in Georgien. Es war strengstens verboten solche Musik zu hören geschweige denn sie zu besitzen. Und dann hatte trotzdem irgendjemand diese Kassette und wir haben sie uns angehört. Und da saßen wir Kinder dann alle: "Wow, das ist sooo cool!" [Gelächter]

Du sagtest, Du hättest Deine Kindheit halb in Georgien und halb in Russland verbracht, bevor Du dann nach Finnland gezogen bist. Wie alt warst Du denn, als Du von Georgien nach Russland gezogen bist?
Oh, da gibt es kein bestimmtes Alter, da ich wirklich halb in Georgien und halb in Russland gelebt habe. Ich war also die meiste Zeit am Reisen. Und obwohl beide zur Sowjetunion gehörten, waren es doch zwei sehr unterschiedliche Kulturen. Und nachdem wir nach Finnland gezogen waren - Ich war ein Teenager - begann ich Texte zu schreiben über... Nun ja, die erste Liebe und so... [Gelächter] Pubertät, du weißt schon... Später dann drehten sich meine Texten einfach nur ums Leben und zu der Zeit waren es eigentlich sogar recht fröhliche Lieder. Am Anfang habe ich meine Texte sogar auf Finnisch geschrieben, aber dann entschied ich mich dazu, sie auf Englisch zu schreiben, weil sie für mich auf Englisch natürlicher klingen. Ich weiß nicht, warum... Aber am Anfang waren meine Texte auch eher Gedichte. Es kam mir nie in den Sinn, die Texte irgendwie musikalisch zu verarbeiten. Sie zu vertonen. Dieser Part kam erst, als mein kleiner Bruder anfing, Gitarre zu spielen. Ich hatte mich für dieses Instrument nie interessiert. Ich erinnere mich daran wie zu meiner Schulzeit die anderen Kids Songs von Bryan Adams & Co. auf ihren Gitarren spielten. Ich fand es langweilig. Ich habe lieber Schlagzeug gespielt. Das war mein Ding.

Mit wie vielen Jahren hast Du angefangen, Schlagzeug zu spielen? Und was kam zuerst: Das Schlagzeug oder die Klavierstunden?
Ich war neun Jahre alt, als ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Schlagzeug sah. Und die Klavierstunden begleiteten meine gesamte Kindheit und ich habe dieses Instrument wirklich gehasst. Heutzutage würde ich aber wirklich gerne ein eigenes Klavier besitzen.

Ist denn noch etwas von den Klavierstunden hängen geblieben? Kannst Du das Instrument noch spielen?
Oh, ja! Sicher! Ich hatte wirklich großartige Lehrer… Russische Lehrer... Weißt du, die haben eine ganz andere Herangehensweise als finnische Lehrer. Die sind mehr à la: "Setz` Deine Finger SO an und spiele SO!" Um aber auf meinen Bruder und seine Gitarre zurückzukommen: Eines Tages habe ich mir die Gitarre geschnappt und bin damit in mein Zimmer gegangen, wo mich keiner hört. Ich lernte ein paar Akkorde zu spielen und begann Musik zu den Texten, die ich schrieb, zu komponieren. Und dann, im Jahre 2008 - Damals muss ich 24 gewesen sein -, bekam ich die Chance ins Studio zu gehen und ein paar Songs aufzunehmen. Zu dem Zeitpunkt erreichte myspace Finnland und ich war gerade dabei, mein Studium an einer Wirtschaftshochschule abzuschließen. Ich saß gerade an meiner Diplomarbeit und da mich die Musikindustrie interessiert, lag es nahe, dass ich für meine Diplomarbeit ein Thema wie "Musik-Promotion in sozialen Netzwerken" wählte. Myspace war da nur ein Beispiel. Ich habe ein Demo-Tape aufgenommen, dessen Qualität wirklich mies war, und dann einige der Aufnahmen bei myspace hochgeladen, um herauszufinden, wie es funktionieren würde. Wie Leute darauf aufmerksam werden und so weiter. Und dann, nach nur einem Monat oder so, meldete sich Jonny... Nicht Johnny Lee Michaels, sondern ein anderer Jonny... Er organisierte die Veranstaltungsreihe "House Of Love" im Club "Liberte" hier in Helsinki und lud mich via myspace dazu ein, dorthin zu kommen und einen Gig zu spielen. Ich war wirklich nervös, denn ich hatte wirklich nicht erwartet, dass so etwas passieren würde, aber... Nun, am 25.August 2008 hatte ich dann dort meinen ersten Live-Auftritt. Ich war verdammt nervös und zufällig war da auch noch jemand anderes anwesend, dem meine Songs und mein Auftritt gefielen - und sie lud mich dann dazu ein, ein weiteres Konzert zu spielen. Und so ging das dann die ganze Zeit: Ich spielte irgendwo, wo auch Organisatoren von anderen Veranstaltungsreihen in Helsinki anwesend waren, sie luden mich dazu ein, auch auf ihren Veranstaltungen zu spielen, und so weiter und so fort.

Das klingt großartig und nebenbei erwähnt hast Du schon jetzt ein paar meiner Fragen quasi im Vorfeld beantwortet! [Gelächter] Du hast schon jede Menge Gigs in Helsinki gespielt, aber auch jeweils einen Auftritt in Pori, in Espoo und in Kerava gehabt. Bist Du an die Gigs dort auf die selbe Art und Weise herangekommen wie hier in Helsinki? Dass jemand auf Dich zugekommen ist und Dir angeboten hat, dort zu spielen?
Ja, das war bei diesen Gigs genau das gleiche Spiel, dass mich irgendjemand irgendwo gehört hat. Und der Auftritt in Pori fand im Rahmen des RMJ, dem "Raumanmeren Juhannus", statt. Ein riesiges Musikfestival, welches um Juhannus herum veranstaltet wird.

Planst Du noch mehr Gigs außerhalb Helsinkis oder vielleicht sogar außerhalb Finnlands zu spielen?
Nein, auch wenn ich dazu bereit wäre...

Warum tust Du es dann nicht einfach?
Ähm, nun... Um ehrlich zu sein habe ich selbst nie nach irgendwelchen Gigs gefragt... [Gelächter] Es ist nicht so, dass ich arrogant wäre oder irgendetwas dergleichen, absolut nicht, aber es gab mal eine Zeit, in der ich drei Jobs gleichzeitig hatte. Ich habe niemals einen Gig sausen lassen, weil ich immer in der Lage war, etwas an meinen Arbeitsplätzen zu organisieren, aber... Es mag wirklich dumm klingen, aber ich habe nie jemanden angerufen, meine Demos irgendwo hingeschickt oder sonst irgendetwas dergleichen. Ich erinnere mich daran, dass mich ab einem gewissen Zeitpunkt jeder fragte, warum ich denn nicht ein Album aufnehmen würde, warum ich denn nicht meine Demo-Tapes an ein paar Plattenfirmen schicken würde und so weiter. Und ich wollte es einfach nicht. Ich weiß nicht, warum, aber... Ich habe es einfach genossen, in kleine Clubs zu gehen und dort zu spielen. Wenn mich jemand dazu einlädt: Cool! Ich genoss es einfach, für Leute zu spielen, die Live-Musik genießen. Das war`s eigentlich auch schon. Und erst kürzlich, irgendwann im vergangenen Jahr, begann ich darüber nachzudenken, was ich eigentlich wirklich machen möchte. "Lebenstraum", du weißt schon... Jemand möchte lernen, wie man fliegt, jemand anderes möchte ein Buch schreiben, wieder jemand anderes möchte einfach um die Welt reisen... Und ich stellte dann fest, dass mein eigener Lebenstraum der ist, ein eigenes Album aufzunehmen. Die Verkaufszahlen sind mir dabei völlig egal...


Und Johnny Lee Michaels ist derjenige, mit dem Du Dir diesen Lebenstraum erfüllen möchtest?
Ja. Ich traf Johnny vor zwei, drei Jahren. Wir hatten ein paar gemeinsame Freunde und waren mit denen ein paar Male zusammen aus, aber Johnny und ich sprachen nie über Musik. Eines Abends hatten wir eine After-Party in seinem Studio. Wir landeten dort - und ich sah ein paar Gitarren! Und dann sagte ich: "Hey Leute, ich möchte Euch ein paar Songs vorspielen!" Wie das eben so unter Freunden abläuft. Ich wusste noch nicht einmal, wer Johnny überhaupt ist... [Gelächter] Und dann schnappte ich mir die Gitarre und fing an zu spielen und Johnny sagte "Geh` dorthin!", und deutete auf den Aufnahmeraum. Ich ging hinein, fing an zu spielen - und er nahm es auf! Er nahm ein paar Songs auf, darunter "No Fear", und nach einer Weile rief er mich an, dass ich zum Studio kommen und mir anhören solle, was er aus dem Song gemacht hätte. Er hatte ein paar Arrangements hinzugefügt und wir hörten uns das dann an und ich dachte nur: "Wow, das ist cool!" Ich hatte nie darüber nachgedacht, mit meiner Musik so etwas zu machen. Bis dahin hatte ich quasi immer nur am Lagerfeuer sitzend meine Musik gespielt. [Gelächter] So begann also unsere Zusammenarbeit. Er begann, sich für meine Musik zu interessieren, und ich war beeindruckt davon, wie gut er verstand, was ich da mache. Zu dem Zeitpunkt realisierte ich dann auch, dass wir beide wirklich die selbe Sprache sprechen...

Es war also Johnny, der Deine Einstellung zu Deiner Musik verändert hat bzw. Deine Herangehensweise an diese?
Nicht sofort, denn ich habe wirklich versucht, alles zu vermeiden, was so ernst ist wie eben Aufnahmen, Plattenvertrag und all das. Ich weiß nicht, warum. Und es war nicht Johnny, der meine Einstellung zu meiner Musik verändert hat. Die Idee mit dem eigenen Album kam mir in den Sinn, als ich über meinen Lebenstraum nachdachte. Johnny hat da nie irgendetwas forciert. Im Gegenteil: Ich war es, die auf ihn zuging. Das war erst vor ein paar Monaten. Ich sagte ihm, dass ich eine sehr lange Zeit darüber nachgedacht hätte, dieses Album zu machen, und dass die einzige Person, mit der ich mir vorstellen könnte, dieses Album zu realisieren, eben er wäre. Und er antwortete bloß: "Nun, ich dachte schon, Du fragst gar nicht mehr!" [Gelächter] Ich bin froh, dass das alles so gelaufen ist, denn ich wäre nicht früher bereit dazu gewesen, Aufnahmen und ähnliches zu machen. Es war gut für mich, erstmal diese kleinen Auftritte zu haben, hier und dort zu spielen und, na ja, dadurch erstmal mehr an Selbstvertrauen zu gewinnen... Zu wachsen...

Es klingt nach dem klassischen Weg - oder zumindest nach dem Weg, wie er sein sollte...
Nun, ich hoffe, dass dies der klassische Weg ist, denn es scheint als würden die jungen Künstler heutzutage gleich straight zu den Plattenfirmen oder zu Casting-Shows wie "Idols" gehen und erwarten, dass das Musikbusiness eben so funktioniert, dass alles quasi schon vorgefertigt ist... Auch ist es traurig, wenn man da eine wirklich talentierte Person in der Sendung sieht und dann später die erste Single dieser Person zu hören bekommt und das Talent ist einfach ruiniert... Es ist komplett ruiniert! Nun, ich denke, das ist einfach die Musikindustrie, wie sie heutzutage funktioniert. Alles muss schnell gehen und das scheint heutzutage der generelle Tenor zu sein, dass nichts länger andauert als einen kurzen Augenblick...

Denkst Du denn es macht heutzutage überhaupt noch Sinn, einen Plattenvertrag zu haben?
Für einige Acts definitiv und es ist ja auch nicht so, dass die Leute in den Plattenfirmen böse Kreaturen sind, die den ganzen Tag Champagner schlürfen und Zigarren rauchen. Für einige Acts mag es hilfreich sein, die Art von Hilfe anzunehmen, die die Plattenfirmen anbieten. Was mich selbst betrifft: Ich möchte es nicht als Riesending aufziehen. Zumindest möchte ich nicht meinen Hintern in sämtlichen Klatschspalten wiederfinden und all das, deswegen habe ich den Indie-Weg gewählt...

Jemand, der nahezu Stammgast in den Klatschspalten war und ebenfalls als Singer / Songwriter-Künstlerin angesehen wurde, war Amy Winehouse...
Ja, das ist eine wirklich traurige Geschichte, aber ich denke, dass... Nun, es ist traurig, so etwas sagen zu müssen, aber: Je größer die Misere in deinem Leben ist, desto besser sind deine Songs. Desto besser ist die Musik, die du machst. Es ist wirklich traurig, so etwas zu sagen, aber ich denke, da ist etwas Wahres dran...

Du hast schon in so vielen verschiedenen Clubs gespielt: "Liberte", "dtm", "Semifinal"... In welcher Art von Clubs spielst Du denn am liebsten?
Je kleiner die Clubs sind, desto besser! Wirklich, ich mag es den Leuten nahe zu sein und wenn man die Atmosphäre förmlich spüren kann. Damit meine ich nicht, dass man einander ins Gesicht schreit, weil`s so eng ist, aber es ist schöner, wenn mehr Intimität da ist...

So wie heute Abend hier im "Alakerta"?
Ja, so ungefähr...

Obwohl der Bereich heute Abend sogar größer ist als sonst, da die Veranstalter zusätzlich das Foyer zum "Nosturi" geöffnet haben... Wie kommt es, dass Du heute Abend beim "Zombie Love Club" aufgetreten bist, wenn Du selbst nie nach Gigs fragst?
Es war Jyrki [Jyrki69, Frontmann von The 69 Eyes und Gastgeber und DJ der monatlichen Veranstaltungsreihe "Zombie Love Club" im "Alakerta"], der mich fragte. Er hat ein paar Pre-Mixes meiner Songs gehört, wahrscheinlich durch Johnny, und dann sagte er zu Johnny, dass er sich freuen würde, wenn ich hierher käme und auftrete - und hier bin ich nun! [Gelächter]

Das muss doch ein Riesenkompliment für Dich sein, oder nicht? Du bist sogar der erste Live-Act überhaupt, der im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe auftritt. Mir persönlich gefällt ja auch dieser Stilbruch, denn wie der Name schon verrät sind beim "Zombie Love Club" eher dunkle und harte Musikstile wie Gothic und Glam Programm - und dann setzt man Dich auf die Bühne, nur mit Deiner Stimme und einer Akustikgitarre ausgestattet...
Ja, die Anfrage kam ziemlich überraschend und auch ich hatte mir im Vorfeld Gedanken über das Publikum beim "Zombie Love Club" gemacht und war ein bisschen besorgt, dass man mich in der Luft zerreißen könnte...

Oh, nein, definitiv nicht! Alle waren still und haben gebannt Deinen Auftritt verfolgt, wirklich! Okay, außer der eine deutsche Tisch, aber der Rest des Clubs hat sein Bestes versucht, um sie zum Schweigen zu bringen. Erst haben sie sie ermahnt, dann hagelte es Papierkügelchen...
Haha, wirklich? [lacht] Ich habe das gar nicht mitbekommen... Ich war zu sehr auf meine Stimme und die Gitarre konzentriert... Aber, nun, ich denke, dass Gothics ziemlich viel mit der Melancholie anfangen können und das ist das Ding mit meiner Musik: Ich schreibe nie Songs, wenn ich glücklich bin. Das passiert einfach nicht. Und wenn ich es doch versuche, dann kommt nur Mist dabei heraus. Es ist dann wirklich Müll! Ich denke, man hat nicht so viele Gefühle, wenn man glücklich ist, als wenn man traurig ist oder berührt von etwas, was einen nicht so fröhlich stimmt. Wenn man glücklich ist, lächelt man einfach nur und sieht dabei dämlich aus. Ich denke die Schönheit liegt darin, etwas Lyrisches zu kreieren, das die Menschen berührt. Etwas, das nicht so glorreich und "Friede, Freude, Eierkuchen" ist. Dabei kann die Melodie aber trotzdem fröhlich klingen. Ich mag den Kontrast.

Wie würdest Du denn generell Deinen Musikstil beschreiben?
Oh, nun, man kann immer "Singer / Songwriter" sagen, aber das ist ja heutzutage ein ziemlich abgenutzter Begriff. Hmmm, interessante Frage... Ich hasse es, mich selbst in Schubladen zu stecken und das ist es auch, was wir gerade versuchen mit dem Album zu vermeiden. Ich möchte nicht alle Songs krampfhaft in ein und dasselbe Genre pressen. Am Anfang eines jeden Songs stehen die Texte und erst später kommt die Melodie. Und wenn eine Art von Arrangement besser ist für einen Song als ein anderes, dann ist das eben so. Und wenn das bedeutet, dass sich ein Song möglicherweise von den restlichen Songs des Albums stark unterscheidet... Das ist egal! Auch wenn einige Plattenfirmen sagen könnten, dass es auf dem Album keinen roten Faden gibt und dass es zehn Songs sind, die alle ihre eigene Geschichten erzählen...

Also wird das Album nicht nur aus Deiner Stimme und der Akustikgitarre bestehen? Wird man auch ein Klavier oder Drums hören, da Du ja auch diese Instrumente beherrschst?
Es werden auch ein paar andere Musiker mit involviert sein. Und, ja, es werden unter anderem auch ein paar Streichinstrumente, ein Klavier und Percussions zu hören sein. In einem Song wird eine Mundharmonika zum Einsatz kommen, wieder andere Songs werden mehr im elektrischen Stile gehalten sein, womit ich aber keinen elektrischen Disco-Kram meine. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, wie es ausfallen wird, oder auch generell den Musikstil zu beschreiben. Meine Musik beinhaltet auch Folk, zum Beispiel in dem Song "No Fear". Man könnte es auch als "World Music" bezeichnen, da wir auch ein paar Drums aus Asien verwendet haben. Wir wollten etwas kreieren, was man zuvor noch nicht gehört hat. Gleichzeitig wird es aber auch vertraut klingen, da es zeitlose Musik ist.

Ich habe ein Interview von Dir gelesen, in dem Du sagtest, Dein Ziel sei es im Moment, eine Band zu formen... Bist Du denn aktuell auf der Suche nach Musikern, um diese Band zu realisieren? Und wie ist es jetzt im Studio: Spielst Du die Instrumente alle selbst ein?
Nein, nicht alle. Und was die Bandsache betrifft: Ich habe mal zusammen mit einer Band gespielt. Wir haben nicht so oft meine eigenen Songs gespielt. Wir versuchten es, aber... Ich denke, meine Songs sind definitiv nichts für eine klassische Rockband. Die Lieder sind so "back to the roots", dass eine Band mit all dem Drumherum sie nur in gewöhnliche Pop-Rock-Songs verwandeln würde. Außerdem wünsche ich mir, dass die Leute sich die Texte anhören. Dass sie sich die Geschichten anhören, die ich ihnen in diesen Songs erzähle. Und das würde nicht funktionieren, wenn da soviel in der Musik involviert ist...

Apropos "back to the roots": Magst und hörst Du denn elektronische Musik, die beispielsweise Synthesizers beinhaltet?
Oh, ja! Und selbst das ist ja heutzutage Old-School, wenn man beispielsweise an die 80er denkt, oder nicht? Ich meine, heutzutage ist technisch alles so hoch entwickelt. Du kannst sogar mit einem Mac-Computer Musik kreieren, indem du einfach nur Samples benutzt. Aber ich möchte es "echt" halten. Ich meine, wenn ich irgendwo hingehe, um dort Live zu spielen, dann wird es auch funktionieren. Man könnte noch ein paar Kerle dazu stellen - der eine spielt den Bass und der andere das Klavier -, aber zur Not könnte ich meine Songs auch einfach alleine mit meiner Gitarre spielen. Und genau das ist mir sehr wichtig.

Welche Musik hörst Du denn selbst am liebsten?
Ich höre ganz unterschiedliche Arten von Musik. Alles geht, von Johnny Cash bis zu The Smashing Pumpkins.


Und gibt es irgendwelche Musiker, die Dich inspirieren oder Vorbilder für Dich sind?
Ich denke, meine erste Inspiration war Bob Marley. Damals, als ich noch ein Teenager war. Dann wurde ich sehr von der sowjetischen Rockband "Kino" inspiriert, dessen Sänger Viktor Tsoi auf tragische Weise nach einem Gig bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Man weiß bis heute nicht, ob es sich dabei um einen arrangierten Mord gehandelt hat oder nicht, denn seine Texte waren sehr politisch und gegen die Regierung gerichtet... [Schweigen] Okay, was noch? Nun, The Sounds haben mich sehr inspiriert, als ich sie zum ersten Mal gehört habe. Das muss im Jahre 2006 gewesen sein. Die ersten zwei Alben hatten es mir angetan. Aber es ist nicht so, dass ich etwas höre und es dann genau so machen möchte. Es ist mehr die Stimmung, die einen inspiriert. Es kann alles mögliche sein. Okay, wer noch? The Cure, Blondie, Placebo... Oh, es gibt so viele Acts, wirklich! Ich möchte niemanden vergessen, aber es gibt da so viele Musiker. Sogar Chris Rea. Sogar er inspiriert mich! [lacht]

Wie sieht es denn mit Katie Melua aus? Sie ist wie Du eine Künstlerin aus dem Bereich "Singer / Songwriter" und ebenfalls aus Georgien...
Oh, ja, ich liebe sie! Und sie ist genauso alt wie ich und ihre Eltern sind auch Ärzte. [lacht] Ich habe zum ersten Mal vor ungefähr drei Jahren von ihr gehört, wenn ich mich nicht irre. Sie hatte zu dem Zeitpunkt zwei Alben veröffentlicht und ich sah sie auf einem Konzert, als sie hier in Helsinki spielte. Sie war unglaublich. Sie brachte mich sogar zum Weinen, denn sie sang das georgische Lied "Suliko", welches ich selbst immer als kleines Kind gesungen habe, und... Nun ja, es ist auch eher unüblich etwas Georgisches hier in Finnland zu hören...

Was ist denn Deine Muttersprache, nebenbei gefragt?
Nun, die erste Sprache, die ich gelernt habe, war Russisch. Zumindest glaube ich das. Direkt danach habe ich dann auch gleich Georgisch gelernt und es gab eine Zeit, in der ich dann keine andere Sprache kannte außer Georgisch, da ich die russische Sprache verlernt hatte. Und jetzt, wo ich nach Finnland gezogen bin, habe ich Finnisch gelernt. Als Kind konnte ich gar kein Finnisch, aber mittlerweile betrachte ich Finnisch als meine Muttersprache, denn es ist die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken kann, auch wenn ich generell sagen würde, dass Georgisch meine Muttersprache ist. Auch wenn ich die Sprache nicht mehr so gut beherrsche, was eine Schande ist...

Hast Du denn Katie Melua öfters als dieses eine Mal im Konzert gesehen? Siehst Du sie als Vorbild für Dich?
Nein, ich habe sie nur einmal gesehen, aber ich würde sie gerne noch mal wiedersehen, auch wenn... Na ja, ich denke, ich habe so gesehen überhaupt keine Vorbilder. Außer meinen Eltern. Ich weiß, das ist eine recht typische Antwort, aber es war ein Riesenaufwand, als sie damals mit uns nach Finnland gezogen sind. Sie mussten komplett bei Null wieder anfangen. Und ich bewundere wirklich all die Arbeit und all die Mühen, die sie da auf sich genommen und vollbracht haben.

An welchem Ort fühlst Du Dich zu Hause? Ich frage das, da Du ja halb finnisch und halb georgisch bist, teilweise auch in Russland gelebt hast, ohnehin viel am Reisen warst...
Das ist eine gute Frage, denn ich habe mich nie an irgendeinem Ort zu Hause gefühlt. Natürlich abgesehen von der Zeit, als ich noch ein Kind war. Als wir nach Finnland kamen, sind wir zig Male umgezogen. Von Stadt zu Stadt. Es gibt keinen Ort, den ich als "Zuhause" bezeichnen würde. Ich denke, dass die Menschen das "Zuhause" von jemandem sind. Wenn ich mit Freunden zusammen bin oder mit meiner Familie, dann fühle ich mich zu Hause. Der Ort ist dabei irrelevant. Es hängt nur von den Menschen um einen herum ab. Als ich nach Georgien gereist bin... Das war ein sehr nostalgischer Trip... Und trotzdem würde ich es nicht als mein "Zuhause" bezeichnen... "Home is where your heart is"...

Denkst Du oder erwartest Du, dass Du eines Tages einen Ort finden wirst, den Du als Dein "Zuhause" bezeichnen kannst? Was ist mit Helsinki?
Nun, ich denke, dass ich hier in Helsinki bleiben werde, aber... Nun, man weiß nie, was passiert. Sag` niemals nie...

Vermisst Du irgendetwas Spezielles aus Russland oder Georgien seit Du in Finnland lebst?
Aus Russland nichts außer meinen Kindheitserinnerungen. Mit Georgien ist es dasselbe, auch wenn ich von dort meine Großeltern vermisse, die mittlerweile verstorben sind. Und natürlich meine Verwandten. Ich habe noch Cousinen, die dort leben...

Reist Du ab und zu mal dorthin?
Nicht so oft, aber ich habe mir vorgenommen, einmal im Jahr dorthin zu fahren. Nun, ich bin jetzt schon ein paar Jahre nicht mehr dort gewesen. Wenn man so weit reist, dann sollte man sich auch etwas Zeit dafür nehmen - und ich bin ein Workaholic...

Was steht denn in den kommenden Monaten an? Wir haben ja schon etwas über das Album gesprochen, also nehme ich an, dass die Arbeit im Studio derzeit absolute Priorität hat? Wirst Du nebenbei trotzdem ein paar Gigs spielen?
Ja, ich werde zumindest diesen einen Gig am 25.Oktober 2011 im "Siltanen" hier in Helsinki spielen, aber du hast Recht: Die absolute Priorität liegt derzeit bei den Albumaufnahmen. Dieses Album zu realisieren liegt mir wirklich sehr am Herzen und ich freue mich auch schon auf die Zusammenarbeit mit den anderen Musikern...

Gibt es eine Art Deadline, die Ihr Euch für die Albumaufnahmen vorgenommen habt? Wann können wir damit rechnen, es zu hören?
Geplant ist, dass wir das Master zum Ende diesen Jahres fertig bekommen, aber einen wirklichen Zeitplan haben wir da nicht, was großartig ist, da ich Zeitpläne hasse.

Also gibt es keinen Druck...
Genau, es gibt keinen Druck! Und ich möchte es ordentlich machen. Vielleicht ist es das einzige Album, das ich jemals machen werde. Vielleicht mache ich noch ein weiteres. Zumindest habe ich genug Songs dafür. Aber jetzt möchte ich mich erstmal auf dieses eine Album konzentrieren, da mir die Songs wirklich sehr am Herzen liegen. Es ist eine Art Therapie für mich und wenn es den Leuten gefällt, ist dies der größte Dank, den ich erhalten kann. Auch wenn ich mir von dem Album keine hohen Verkaufszahlen oder dergleichen verspreche...

Du hast heute Abend "I`m On Fire", eine Coverversion von Bruce Springsteen, gespielt. Wirst Du diese Coverversion auch für Dein Album aufnehmen? [Johnny Lee Michaels betritt den Backstage-Raum]
Nein, weil... Nun, am Anfang, als ich meine ersten Gigs spielte, wurde mir immer wieder gesagt, dass ich auch ein paar Coversongs in meine Setlist aufnehmen solle. Ich habe es aber nie getan, denn zunächst einmal fühlt es sich so an, als würde man in zu große Fußstapfen treten. Ich erinnere mich an diesen einen Gig in der Bar "Cuba" hier in Helsinki. An dem Abend sind mehrere weibliche Musiker aufgetreten und am Ende bat uns der Veranstalter des Clubs, gemeinsam ein paar Cover zum Besten zu geben. Ich war nicht besonders scharf drauf, aber zumindest konnte ich mir den Song selber aussuchen als ich dann dran war mit Singen - und meine Wahl fiel auf Bob Marley`s "Redemption Song". Später dann verliebte ich mich in Bruce Springsteen`s "I`m On Fire" und ich habe dieses Lied ein paar Mal gecovert, unter anderem heute, weil... Die Frage, ob man in zu große Fußstapfen tritt, stellt sich nicht mehr, sobald man den Text eines Song wirklich Wort für Wort nachempfinden kann. Nichts desto trotz werde ich dieses Lied nicht im Studio einspielen. [Gelächter] Und ich spiele es auch nur, wenn die Leute nach einer Zugabe fragen... [lächelt]

Wen würdest Du denn fragen, wenn Du Dir jemanden für eine Kollaboration aussuchen könntest, sei es nun für einen gemeinsamen Song oder eine gemeinsame Tour?
Johnny Lee Michaels: Bruce Springsteen! Eine 3-Jährige Tour! [Gelächter]
Irma: Ich würde es mit jedem machen. Die Musik steht im Vordergrund und nicht, wer sie macht. Aber wer würde sich nicht gerne die Bühne mit Maja Ivarsson von The Sounds teilen?!?

Hast Du einen "Plan B", falls mit der Musikkarriere irgendetwas schief laufen sollte?
Irma: Nun, neben der Musik arbeite ich sowieso... In einer Plattenfirma, um genau zu sein... [Gelächter] Und wenn irgendetwas schief laufen sollte, würde ich auch weiterhin dort arbeiten. Ich wüsste aber nicht, was schief laufen sollte, da ich ja keinerlei Erwartungen habe. Das Einzige, was schief laufen könnte ist, dass Johnny mir sagt, dass er das Album mit mir nicht mehr machen möchte. Aber ich wüsste nicht, warum das passieren sollte...

Ist Johnny nur der Produzent des Albums oder auch eine Art Mentor für Dich?
Irma: Oh mein Gott, er ist alles! Ich meine, wir beide sprechen wirklich die selbe Sprache. Er versteht meine Musik wie sonst niemand. Offiziell ist er für die Arrangements und die Produktion zuständig, der Komponist für einige Instrumente und... Er ist wirklich gut darin! Und mit ihm zusammenzuarbeiten ist wirklich entspannt, da ich bei ihm auch keine Angst habe, etwas zu sagen, falls es mal etwas zu sagen gibt...
Johnny Lee Michaels: Und ich kann ihr all meine schmutzigen Witze erzählen! [Gelächter]

Okay, nun liegt es einzig und allein bei Dir, ob Du dieses Interview mit einem schmutzigen Witz oder mit ein paar netten "Famous last words" an unsere Leser beenden möchtest...
Irma: "Keep it real! Und gebt aufeinander Acht! Love!" [Gelächter] Nein, wirklich! Die Leute vergessen das, dabei sollten sie das im Gedächtnis behalten - und eben nicht vergessen...

www.myspace.com/playirma

Autor: Stefanie Singh, Photos by Stefanie Singh / Promotional picture by Heli Hirvelä
Eingetragen am: 2011-10-01

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