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Porispere 2012

2012-08-19
Stadt / City Pori 
Land / Country FIN 
Web www.porispere.fi
 
Veranstaltungsort:
Location
Kirjurinluoto 
Datum / Date3.-5.8.2012 
Bildergalerie / Picturegalerie Fotolinks im Text / the text contains photo links 
Photos: Tina Solda 
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Es waren einmal ein paar gierige Promoter, die auf die Idee kamen, tourende Festivals zu organisieren, als Headliner zumeist alternde Megastars, deren beste Tage zwei oder drei Jahrzehnte zurücklagen. Ein besonders berüchtigtes Beispiel hierfür ist Sonisphere, dessen erste zwei Finnlandbesuche in Pori stattfanden, einer Kleinstadt an der Westküste. Im letzten Jahr wurde die Veranstaltung nach Helsinki verlegt, und wenn sie nicht bald gestorben ist, dann lebt sie leider noch ein paar Jahre. Statt jedoch das oft gehörte Klagelied anzustimmen, dass die Hauptstadtregion dem Rest des Landes auch noch die letzten Einkommensquellen wegschnappt, hielt Pori dagegen und ging mit einem brandneuen, hausgemachten Festival an den Start – Porispere ward geboren! Und ich nehme direkt vorweg, dass es die mehrstündige Zugfahrt von Helsinki in jeder Hinsicht wert war…

FREITAG 2.8.2012
Auf dem Weg zum Gelände wurde ich von Hiphop-Beats begrüßt, die aber glücklicherweise nicht alles waren, was Jätkäjätkät zu bieten hatten. Das neunköpfige Ensemble wartete mit einem wilden Stilmix auf, der mal dem Balkan huldigte, mal aus Jamaica grüßte und zwischendurch den Hut vor Finnlands eigenen Traditionen zog, vom Schlager alter Schule bis zu den göttlichen Kingston Wall.

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Mit einer guten Portion Jazz erwies man obendrein dem Veranstaltungsort Reverenz: die Flussinsel Kirjurinluoto ist bekannt als Heimat von Pori Jazz, einem 1966 stattfindenden Festival von Weltruf. Jätkäjätkät sorgten anscheinend sogar oberhalb der Bühne für gute Laune, jedenfalls hörte der seit gut zwei Stunden nervende Nieselregen während ihrer Show endlich auf.

Während draußen der Rasen trocknete, ließen Kakka-hätä 77 im gut gefüllten Zelt den Punk aus dem Sack.

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Obwohl Name und Sound anderes vermuten lassen, gibt es die Band erst seit 2006, und seitdem haben sie sich auch eigentlich schon wieder getrennt. Diesen Sommer fanden sie sich für ein paar Gigs wieder zusammen, aber weitere Aktivitäten sind wohl vorerst nicht geplant. Welche persönlichen oder musikalischen Gründe hinter dem Split stecken, war aus der Bühnenshow jedenfalls nicht ersichtlich, denn alle schienen soweit Spaß zu haben, das Publikum auch. Irgendwann zwischen „Elämä on huora“, „Näillä mennään“ und „Tornionmäki – Vaasankatu All Night Long“, nahm sich Sänger Teemu Bergman einen Moment Zeit, um die neueste Vinylscheibe der Kollegen von Abortti 13 zu bewerben, die sich vor drei Jahren nach fast dreißigjähriger Pause wieder zusammenfanden. Punk ist nicht tot, aber er schläft gerne etwas länger.


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Ziemlich verschlafen war leider insbesondere die als nächstes auftretende Punklegende: Marky Ramone. Wie ein Kumpel von mir, seines Zeichens langjähriger Ramones-Fan, sarkastisch anmerkte – jede finnische Ramones-Coverband hätte einen spannenderen Set zuwege gebracht. Ich schaute mir ein paar Songs an – „Psychotherapy“, „Do You Wanna Dance“ und „I don’t care“ – ging dann aber erstmal essen. Als ich wiederkam, hörte ich, dass Sex Pistols-Bassist Glen Matlock zu „Blitzkrieg Bop“mit auf die Bühne kam, was dem Gig dann allerdings auch keine nennenswerte Steigerung mehr verpasste.

Ganz und gar nicht langweilig ging es dagegen bei Turbonegro zu, die ihren neuen Sänger Tony „Duke of Nothing“ Sylvester (zuvor Vorsitzender der Turbojugend London) erstmals dem finnischen Publikum präsentierten.

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Wir waren in der Hinsicht etwas skeptisch und fragten uns eine Zeitlang ernsthaft, ob seine Stimme durchhalten würde, so schonungslos, wie er „Hello Darkness“ und „Wasted again“ zum Besten gab. Aber keine Sorge, er wurde im Gegenteil immer besser, und das gewaltige Tiger- Tattoo, das seinen umfangreichen Bauch zierte, wäre schon für sich alleine als Sehenswürdigkeit durchgegangen. Happy-Tom und Euroboy strahlten immer wieder übers ganze Gesicht, und auch die im Publikum zahlreich vertretene Turbojugend hatte Grund zur Zufriedenheit. Die Stimmung war ohnehin von Anfang an bestens, angeheizt von lautstarken „I Got Erection“-Chören, bevor die Band auch nur auf die Bühne kam. Obwohl Engländer Sylvester in der norwegischen Band eine gute Figur machte, verleugnete er seine Wurzeln nicht und kam zur Zugabe „Age of Pamparius“ in die britische Flagge gehüllt auf die Bühne. Komplett mit Zepter und Krone. Passte aber, denn der Duke war an diesem Abend eindeutig König.


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Die unbestrittenen Königinnen dagegen waren PMMP. Davor war noch Pariisin Kevät auf der Zeltbühne dran, aber mit deren harmlosem Softrock konnte ich nicht allzuviel anfangen. Allerdings durchaus angenehm als Hintergrundmusik für den Plausch mit Freunden (was ja nun auch ein wichtiger Bestandteil jedes guten Festivals ist).
PMMP gehören im Gegensatz dazu zu den „Popbands“, die sich auch unter Metallern einer nicht zu unterschätzenden Beliebtheit erfreuen. Mit ihrer unbändigen Bühnenenergie plus intelligenten und vielseitigen Songs sind sie einfach eine perfekte Festivalband.
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Anfangs ging es noch verhalten und atmosphärisch zu, mit fast statischer Choreographie in dunkelblauem Licht, aber bald tanzten und turnten Paula und Mira wie zwei Derwische über die Bühne und kamen höchstens mal zwischendurch für „Lautturi“ etwas zur Ruhe. Als ich mir nach einer Weile etwas zu trinken holen ging, fand ich eine der Hängematten im Biergarten leer und unwiderstehlich einladend. Mit einem kalten Bier in der Hand im Mondschein sanft zwischen den Bäumen zu schaukeln ist vielleicht nicht gerade Metal, aber ich schwöre, dass der Ausklang eines Festivalabends kaum angenehmer sein könnte.

SAMSTAG 4.8.2012
Samstagsmorgens früh aufzustehen ist nicht meine Stärke, aber eine meiner drei Hotelzimmergenossinnen ist ein großer Fan von Reckless Love , so dass wir alle solidarisch schon um 12:30 vor der Bühne standen.

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Das noch spärliche, zu 95% weibliche Publikum musste sich bis zum letzten Song gedulden, bevor es nackte Oberkörper zu sehen gab, aber die Wartezeit wurde mit einer kräftigen Dosis Hits verkürzt – „Born To Break Your Heart“, „Beautiful“, „Dance“, „Back To Paradise“ und so weiter. Ich stehe nicht besonders auf Glamrock, aber Olli – der eine Tochter von Michael Monroe und Doro sein könnte – legt auf alle Fälle eine gute Show hin.Und die farblich auf die rosa Blümchen am Bühnenrand abgestimmten Cowboystiefel waren ein faszinierender Blickfang.


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Optisch weniger spektakulär, aber dafür musikalisch weitaus eher mein Ding waren Kuusumun Profeetta. . Ihre traumwandlerischen, psychedelisch-progressiven Soundlandschaften erinnerten stückweise an Wigwam und Tasavallan Presidentti, die finnischen Prog-Pioniere der frühen siebziger Jahre. Ich kannte die Band vorher nur vom Namen her, aber sie waren eindeutig die Entdeckung des Tages. Zu bemängeln wäre höchstens, dass vom Saxophon praktisch nichts zu hören war, aber ich hoffe mal, die Truppe bei Gelegenheit in einem Club mit ausgeglichenerem Soundmix zu erleben.


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Die beiden nächsten Bands schwammen klar auf der Nostalgiewelle: Chanson-Veteran Kauko Röyhkä hatte seine alte Band Narttu nach über 22 Jahren wieder um sich geschart, und die lokale Metalgröße OZ (aktivste Zeit: Mitte der Achtziger) hatte sich erst vor zwei Jahren nach zwei Jahrzehnten Pause wieder zusammengefunden.

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Dass mir Kauko Röyhkä nicht viel gab, lag in erster Linie daran, dass ich außer „Paska kaupunki“ keinen Song kannte, aber dafür traten OZ ordentlich Arsch, u.a. mit „Third Warning“, „Megalomaniac“ und „Turn The Cross Upside Down“. Sänger Ape De Martinez zeigte sich angenehm überrascht angesichts der zahlreichen jungen Fans im Publikum und erwies seinerseits der jüngeren Generation die Ehre, indem er in einem T-Shirt von No Second Thought auf die Bühne kam: einer Nachwuchsband aus Pori, deren Mitglieder vermutlich erst auf die Welt kamen, nachdem OZ sich bereits zum ersten Mal getrennt hatten.


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Herra Ylppö & Ihmiset wollte ich vor allem wegen ihres neuen Bassisten sehen, Janne Joutsenniemi von Stone und Suburban Tribe. Ich begnüge mich mal mit der Aussage, dass mir jede dieser beiden Bands lieber gewesen wäre - nicht, dass HY&I besonders schlecht gewesen wären, aber irgendwie ziemlich nichtssagend. Dafür gab es immerhin etwas zum Hingucken, da sich die (normalerweise in Zivil auftretenden) Bandmitglieder in bester Black-Metal-Manier geschminkt hatten. Eindeutig eine Anspielung auf die norwegischen Co-Headliner dieses Abends – oder vielleicht doch nur eine Form der Anpassung an die eigentlichen Bewohner der Insel? Zu diesen zählen nämlich auch ein paar sehr ähnlich gezeichnete Ziegen…

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Kuusumun Profeetta waren ein unerwartetes Highlight gewesen, das nächste dafür umso erwarteter: Barren Earth . Eine Band, von der ich mit Fug und Recht behaupten kann, sie vom ersten Demo an geliebt zu haben, und die es schafft, immer noch besser zu werden.

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Da ich den ganzen Set ziemlich perfekt fand, ist es mir kaum möglich, einzelne Lieblingsstücke herauszupicken, aber„Passing of the Crimson Shadow“ wäre zumindest ein guter Kandidat. Danach folgte „The Rains begin“, was glücklicherweise nicht zutraf, denn geregnet hatte es an diesem Tag bereits zur Genüge. Nach „Flicker“, ließ sich Sänger Mikko sogar zu einer Ansage hinreißen und grüßte ein paar Verwandte, die extra für die Show gekommen waren. Ansonsten blieb er weitestgehend seiner üblichen statischen Bühnenpräsenz treu, abgesehen von seiner Tambourinbegleitung zu Sami Yli-Sirniö’s geilem Gitarrensolo in „Oriental Pyre“. Nach dem orgasmischen Outro des letzten Songs „Cold Earth Chamber“ hatte ich das Gefühl, dass, selbst wenn ich direkt mit dem nächsten Zug hätte heimfahren müssen, es trotzdem ein perfektes Wochenende gewesen wäre. Aber der Abend brach gerade erst an und hatte noch eine Handvoll weitere sehenswerte Bands zu bieten…


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Es ist noch nicht lange her, dass Stam1na auf praktisch jedem finnischen Festival spielten, aber diesmal hatte ich sie seit mehr als einem halben Jahr nicht gesehen, und die Pause hatte durchaus gut getan. Der neue Bühnenhintergrund zeigte eine friedliche Seenlandschaft, aber von stiller Natur konnte keine Rede sein, die Jungs ließen es krachen wie eh und je. Ländlich war nur der Dresscode, mit blauen Latzhosen als dominierendem Element. Keyboarder Emil war zur Emilia mutiert, deren beträchtliche Plastikoberweite im karierten BH ansehnlich zur Geltung kam. Nicht nachvollziehbar erschien mir allerdings, warum Sänger Hyrde das Publikum als „lahm“ bezeichnete – zumindest von den bis zu diesem Zeitpunkt aufgetretenen Bands hatten Stam1na mit Sicherheit den größten Pit.


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Der Name Red Fang sagte mir erstmal gar nichts, aber sie klangen gut und kriegten das Zelt problemlos gefüllt. Sie spielten rhythmisch vielseitigen, aber zu jedem Zeitpunkt groovenden Stoner-Rock und erinnerten teilweise etwas an Mastodon. Wie ich hinterher erfuhr, hätte ich sie sogar Anfang des Jahres mit diesen im Doppelpack sehen können – ja genau, Red Fang waren die Anheizer bei Mastodons Helsinki-Gig gewesen, zu dem ich nicht kommen konnte, obwohl ich ihn verdammt gerne gesehen hätte. Doppelt dumm gelaufen…


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Aber zurück zu den bekannteren Namen. Satyricon kamen, sahen und siegten, schon direkt mit den ersten Songs „Now, Diabolical“ und „Black Crow On A Tombstone“. Die Wertschätzung war gegenseitig – Satyr lobte nicht nur den beeindruckenden Anblick der finnischen Seenlanschaft vom Flugzeug aus, sondern fand auch warme Worte für den Moshpit und insbesondere für die beeindruckende Art, in der Porispere Sonisphere ersetzt hatte. Wie der Einstieg bereits andeutete, lag der Schwerpunkt auf den beiden letzten Alben, und meine heimliche Hoffnung auf mein persönliches Lieblingsstück „Black Lava“ erfüllten sich natürlich auch diesmal nicht, aber davon mal abgesehen hätte ich an Satyricon nur einen einzigen Verbesserungsvorschlag: nächstes Mal bitte ein bißchen länger!


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Noch ein letztes Mal ging es zurück ins Zelt, dessen Schankbereich sich in der Zwischenzeit auf magische Weise vergrößert hatte. Okay, wahrscheinlich dachten sich die Veranstalter, dass Sacred Reich eh nicht viele Fans unter 18 haben. Was wohl zutreffen dürfte, obwohl die Thrash-Veteranen aus Arizona die ganzen neunziger Jahre über aktiv geblieben waren und nur Anfang der letzten Dekade eine Zeitlang ausgesetzt hatten. Die Chancen, das irgendwer im Publikum die Band jemals zuvor live gesehen hatte, waren freilich gering – vor „Ignorance“ fragte Phil Rind, „does anyone remember the last time we were here?“ und beantworte die Frage selbst: „well, we’ve never been here before!“


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Eine deutlich gewohnterer Anblick auf Finnlands Festivalbühnen sind Amorphis, die letzte Band des Abends. Wie Stam1na traten auch sie in den letzten Jahren fast überall auf, diesen Sommer hielt sich die Anzahl der Gigs dagegen in Grenzen. Auf der Frühjahrstour und einigen der Sommershows gab es jeweils einige Songs in akustischer Version, aber diesmal boten sie den standardmäßigen elektrischen Festivalset. Die einzige Überraschung war das langersehnte Weglassen der längst zu Tode gespielten Stücke „The Smoke“ und „Alone“, an deren Stelle sich „Castaway“ und „Majestic Beast“ eines Comebacks erfreuten. Aber so routiniert sie ihr Programm auch abspielen, gelingt es Amorphis immer noch fast jedesmal, mir einen angenehmen Abend zu bereiten. Wie schon Kollege Satyr vor ihm, hatte auch Tomi Joutsen nur Gutes über das Festival zu sagen, das er bereits tags zuvor als gewöhnlicher Turbonegro-Fan besucht hatte.

Ich kann ihm da nur aus vollem Herzen zustimmen – mit seiner liebevollen, auf besucherfreundliche Details (ich sag nur Hängematten…) bedachten Organisation schlug Porispere nicht nur Sonisphere in jeder aus Publikumsperspektive relevanten Hinsicht, sondern stieg direkt zu meiner persönlichen Nummer Eins unter den Festivals dieses Sommers auf. Und dabei habe ich noch nicht mal alles gesehen – auf den Punk-Freitag und den Metal-Samstag folgte noch der Familiensonntag mit Rockbands für Kinder und zwei singenden bzw. räppenden Teenagern. Wir mussten leider schon am Sonntagnachmittag zurück nach Helsinki, aber im Nachhinein erfuhr ich, dass am Sonntag soviele Besucher da waren wie an den beiden Vortagen insgesamt. Die einheimische Rockszene hat jedenfalls keine Nachwuchssorgen…


© Tina Solda

Tina Solda


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