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ICELAND AIRWAVES FESTIVAL – part 3

2014-11-17
Stadt / City Reykjavik 
Land / Country Island / Iceland 
Web www.icelandairwaves.is
 
Veranstaltungsort:
Location
verschiedene Venues/ different venues 
Datum / Date05.11. – 09.11. 2014 
Bildergalerie / Picturegalerie Iceland_Air14_3 
Photos: Stefanie Oepen 
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TAG FÜNF (9. NOVEMBER)

Bevor ich genau wusste wie mir geschah, war der fünfte Tag von Iceland Airwaves da und damit die letzte Chance, vielleicht noch ein paar der Bands zu sehen, die ich bisher verpasst hatte, oder noch Neues zu hören. Es war außerdem Tag des großen Abschlusskonzerts mit The Flaming Lips und The War On Drugs, auf die ich mich schon sehr freute. Nach fünf wunderbaren Tagen würde ich zurück müssen ins wirkliche Leben und zu meinem ganz normalen Job, aber zuerst hatte ich noch vor, diesen letzten Tag bis zum Schluss zu genießen. Als ich endlich wieder mein zeitweiliges Zuhause erreichte, um vor meiner Abreise noch einige wenige Stunden zu schlafen, hatte ich gelernt, dass manche Bands die Lobpreisungen, die sie erhalten, auch tatsächlich verdienen, und dass dir die besten Dinge und die besten Menschen manchmal am letzten Tag begegnen.

Am fünften Tag ließen The Flaming Lips mich lange um Worten ringen, um zu beschreiben, wie großartig sie waren, während The Walking Who mich mit meinen Gefühlen kämpfen ließen. The War On Drugs spielten eine solide Show, Bellstop überraschten mich, Marius Ziska sang bewegende Geschichten und Lucianblomkamp machte genau die richtige Hintergrund Musik für ein verspätetes Mittagessen.

VERANSTALTUNGSORT: KEX HOSTEL

Noch einmal fand ich mich im Kex Hostel wieder, wo es ein bisschen ruhiger geworden war, da die Konzerte am Sonntag nicht live übertragen wurden. Als ich ankam, war es trotzdem voll und ich hörte noch den Rest von Lucianblomkamps Set. Den Australier habe ich dabei nie gesehen, aber was ich hörte gefiel mir. Von den Songs auf Soundcloud hatte ich elektronischere Klänge erwartet, aber das hier was überraschend poppig und gut anzuhören.


Über The Walking Who hatte ich Gutes gehört, aber war trotzdem überrascht, wie gut sie wirklich waren. Die australische Band hatte so viel Energie und machte so viel Spaß, dass ich ihnen noch stundenlang zuhören wollte. Ihr Sound erinnerte mich an The Doors, aber da war noch etwas anderes, etwas das ganz ihr eigenes Ding war. Ich war nicht darauf vorbereitet, so in diese Musik hineinzufallen und noch weniger darauf, emotional Achterbahn zu fahren. Ich kann wirklich nicht erklären warum, aber sie sprachen mich emotional so stark an, dass ich anfing zu weinen. Abgesehen von ihren eigenen coolen Songs spielten sie ein atemberaubendes Cover von Dolly Parton’s „Jolene“. Es war unglaublich!

VERANSTALTUNGSORT: DILLON

Im Dillen sah zunächst alles ruhig aus, bis ich die Treppen zur Bar im zweiten Stock erklommen hatte und dort erst mal stehen bleiben musste, weil der Raum bereits übervoll war. Die Musik war jedoch wirklich schön – Gitarren und zweistimmiger Gesang. Ein Blick auf den Zeitplan über der Bar zeigte mir, dass ich gerade Bellstop hörte. Schon bald verstand ich, warum sich so viele hier versammelt hatten, um sie zu hören. Sie beschreiben ihre Musik als Folk & Roll und das passt genau. Sie erzählten lustige und auch ernstere Geschichten über die Ereignisse in ihrem Leben, manche mit Worten und noch mehr in ihren Liedern. Nach dem Konzert schrieb ich sie sofort auf meine Liste der Bands, die ich nochmal sehen muss.

Als nächster stand der Singer/Songwriter Marius Ziska von den Färöer Inseln noch einmal auf dem Programm. Endlich konnte ich mich auch nach vorne bewegen und die Bühne sehen, aber zum Fotografieren war es trotzdem zu dunkel. Es war toll, sein ganzes Konzert zu sehen mit Geschichten in Englisch und Färöisch, die mich zum Lächeln und zum Weinen brachten. Die Musik unterstrich die Worte, seine Stimme brachte viele Emotionen rüber. Dazwischen machte er Witze mit Band und Publikum, so wurde es nie zu ernst. Die perfekte Musik für einen ruhigen Sonntagnachmittag.

VERANSTALTUNGSORT: VODAFONE HALLE

Das große Abschlusskonzert des Festivals fand in der Vodafone Halle, nur ein wenig außerhalb der Stadtmitte statt, wo das Festival von zwei Alternative Rock Bands aus den US zu Ende gebracht wurde. Während ich The War On Drugs schon gehört hatte, sind The Flaming Lips eine dieser Bands, die ich nie wirklich auf dem Schirm hatte, obwohl ich sie natürlich dem Namen nach kannte und gutes über ihre Konzerte gehört hatte. Airwaves sah ich als eine gute Möglichkeit an, sie endlich einmal anzusehen. Tickets für ihre Show konnten im Vorfeld gekauft oder – für die etwas abenteuerlicher Veranlagten – am Freitagmorgen sozusagen „erstanden“ werden. Wer früh genug kam, bekam eins von 2000 Tickets für das Festival Armband geschenkt. Am Konzertabend war der Einlass zwar etwas verspätet, aber sonst lief alles glatt und es war voll, aber nicht überfüllt. Das Publikum hatte mehr als genug Platz, um sich zu bewegen oder zu tanzen wenn ihnen danach war.


Im Juni hatte ich The War On Drugs gemocht, aber nicht überragend gefunden und war überrascht, dass sie so viel besser und kraftvoller waren, als ich sie in Erinnerung hatte. Der Klang in der Halle war wirklich gut und dies war auch einer der wenigen Veranstaltungsorte, an dem man sich wirklich nicht über das Licht beschweren konnte. Die Band rockte – kein Schnickschnack, keine großen Effekte, einfach nur geradlinige Musik, gut gespielt. Ich mochte die Lieder und ihren Sound, habe sogar ein wenig getanzt, nachdem ich meine Pflicht als Fotografin erfüllt hatte. Sie waren guter Stimmung, genossen das Festival und machten aus ihrem Auftritt das Beste. Das Publikum jubelte ihnen zu und machte es ihnen leicht. Sänger Adam Granduciel redete nicht allzu viel, aber löste eine Menge Jubel aus, als er über The Flaming Lips sprach und witzelte, sie schössen ihn später aus einer Kanone. Die Band gab alles und lieferte ein solides Set ab, das nicht viele Wünsche offen ließ. Sie waren großartig als Vorbereitung auf die Dinge, die dann noch kamen.

Endlich, nach viel Vorbereitung, betraten The Flaming Lips die Bühne und für die nächsten zwei Stunden wünschte ich mir, eine Pausentaste oder wenigstens eine zum Zurückspulen, damit ich auch sicher sein könnte dass ich auch wirklich alles gesehen und gehört hatte, alles mitbekam, was da vor sich ging. Vom ersten Konfettiregen aus zwei Kanonen neben der Bühne bis zum letzten ganz am Ende war es ein Wirbelwind von Lichtern, Farben, Klängen, Kostümen, Ballons, aufblasbaren Puppen und anderen Effekten, und auch die Musik soll dabei natürlich nicht unerwähnt bleiben. Das Publikum machte von der ersten bis zur letzten Reihe Party und die Männer auf der Bühne, allen voran Sänger Wayne Coyne, waren dabei die Vorreiter, die uns anfeuerten. Am Ende dankte er allen dafür, dass sie „so fröhliche Freaks“ waren.

Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich genug Superlative kennen, diesen unglaublichen Auftritt treffend zu beschreiben. Eine Fotografin, die wie ich zum ersten Mal die Band gesehen hatte, sagte im anschließenden Gespräch, sie habe noch nie eine Band gesehen, die so viel Aufwand in ihre Show stecke, und ich kann dazu nur ergänzen, dass sie ihren Auftritt zu einem Fest für die Sinne machten. Es ging aber nicht nur darum, Requisiten vorzuführen und uns mit Effekten zum Staunen zu bringen, sondern es ging auch darum, das Publikum zu beteiligen. Sie wollten nicht, dass die Zuhörenden nur noch fassungslos schweigen konnte, sie wollten, dass wir schrien, tanzten, mit ihnen interagierten und feierten. Von riesigen Ballons, die immer wieder in die Menge und von dort zurück auf die Bühne geworfen wurden, bis zum viel gehörten „Come on Motherfuckers“ schafften sie es irgendwann, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Die Band war mit Kostümen und bunten Perücken bekleidet, manche trugen sogar Make-Up und Coyne trug lange Lametta Fäden an den Ärmeln, die das Gitarre spielen etwas komplizierter machten. Gigantisch aufblasbare Puppen in Form von Sonne, Stern, Außerirdischen, Schmetterlingen und sogar der Weihnachtsmann bevölkerten die Bühne boten sich an zum Anlehnen oder zum Tanzen. Lichter in allen Farben des Regenbogens flackerten über die Leinwand hinter der Band, und spätestens als Coyne die riesigen aus Ballons geformten Worte „Fuck Yeah Iceland“ hochhielt, jubelte wirklich die ganze Halle. Die Ballonbuchstaben wanderten mehrfach durchs Publikum und immer wieder zur Bühne zurück. All diejenigen, die sie halten durften, sahen dabei glücklich und stolz aus.
Die Songs? Es war eine gute Mischung aus Stücken von verschiedenen Alben mit ein paar Coverversionen dazwischen, von ihrem größten Radiohit „She Don’t Use Jelly“ bis hin zum beliebten „Do You Realize???“ und ganz viel dazwischen. Die Musik war bewegend, sanft, stark, meistens fröhlich und insgesamt genauso gigantisch wie die Requisiten. Das Gesamtpaket von dem, was es da zu sehen und zu hören gab, haute mich um, und als ich dachte, es könnte nicht mehr interessanter oder spaßiger werden, bestieg Coyne einen lebensgroßen Ballon und ging darin über’s Publikum. WOW! Die Show endete mit einer großartigen Version des Beatles Songs „Lucy In The Sky With Diamonds“, bevor die Band die Bühne zum letzten Mal verließ. „Unglaublich“ reicht nicht mal ansatzweise aus, um das Erlebte zu beschreiben, „total überwältigend“ kommt der Sache schon näher, reicht aber noch immer nicht. Lasst es mich mal so sagen: Es war ein extrem guter Trip, den ich gerne mitgemacht habe.

Auf dem Weg nach draußen hörte ich einige aufgeregt reden, während andere einfach nur sprachlos waren. Sie suchten ihre Klamotten, ihren Verstand und vielleicht auch ein paar Souvenirs wie eine Hand voll Konfetti oder einen der Buchstabenballons zusammen und stolperten aus der Halle. Fuck Yeah Flaming Lips! Fuck Yeah Iceland! Fuck Yeah Icleand Airwaves! Ich hätte mir ein besseres Ende für dieses Festival nicht vorstellen können und schwebte glücklich nach Hause.

Mehr Fotos von den Bands in der Galerie, Link oben!

ZUSAMMENFASSUNG

„WOW!“ fasst diesen letzten Festivaltag ganz gut zusammen, der mir einige der besten Bands der Woche beschert hatte. The Flaming Lips haben alleine 10 Hirsche verdient und vielleicht sogar mehr, aber insgesamt würde ich den Tag mit 9,5 bewerten. Ich bezweifle dass es viel besser werden kann. Nicht nur war dieses Festival besonders gut gut organisiert und bot großartige Bands, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren wirklich nett. Egal wo ich hinging, überall fühlte ich mich willkommen. Viel Lob an die Organisierer und alle Helfenden.

Am Anfang dieser Rückschau grübelte ich darüber, wie es sich anfühlte, dieses Festival zu atmen, und beinahe eine Woche später möchte ich das immer noch etwas näher erklären. Ich bin sicher, dass alle Festivalgäste ihren ganz eigenen Weg gefunden haben, Iceland Airwaves zu genießen, und genau darum ging es dabei – das Beste daraus zu machen.

Für mich persönlich lässt sich das alles in folgender Liste zusammenfassen:
- nachts um zwei nach mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht Hause stolpern, viel zu aufgedreht um zu schlafen
- ein kleines bisschen traurig darüber sein, das Konzert der Metalband eines Freundes verpasst zu haben, obwohl ich mit Metal noch nie viel anfangen konnte
- mir in überfüllten Hallen und Bars den Hintern abzuschwitzen, nur um dann draußen zu frieren
- glücklich zu Elektropop zu tanzen, obwohl ich Elektro eigentlich gar nicht mag
- mit Fremden mitten auf der Straße Kuchen zu essen
- sich so in eine Band zu verlieben, dass ich am liebsten alle (13!) ihrer Konzerte gesehen hätte
- müde aufzuwachen, nicht mehr geradeaus denken zu können und sich trotzdem auf den Tag zu freuen
- so emotional überwältigt zu sein, dass mich selbst Songs in Sprachen die ich gar nicht verstehen kann, zum Weinen brachten
und nicht zuletzt so viele Erinnerungen gesammelt zu haben, dass es unmöglich erscheint, sie alle einzuordnen.

Viele fahren jedes Jahr deswegen nach Island, und die, die das Glück haben dort zu leben, gehen jedes Jahr wieder hin, und jetzt verstehe ich endlich warum. Nächstes Jahr werde ich es nicht schaffen, aber ich komme bestimmt wieder. Bis dahin sage ich Auf Wiedersehen Iceland Airwaves und vielen Dank!


Stefanie Oepen


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9.5/10