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Etwas dezimiert kehren die Mannen von Omnium Gatherum mit ihrem neuen Album “New World Shadows” zurück. Trotz oder gerade aufgrund der personellen Einbußen hat man es diesmal geschafft, ein noch kohärenteres und auch düsteres Werk zu komponieren, das den Vorgänger mühelos wegputzt. Bassist Toni Mäki erklärte sich selbstlos bereit, ein paar Fragen zur neuen Platte und dem sonstigen Drumherum per Email zu beantworten.

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Was geht? Wo bist du denn grad und was kannst du sehen, wenn du aus dem Fenster schaust?
Tach! Ich bin grad zu Hause und beantworte ein Interview mit einer sehr speziellen ersten Frage und wenn ich nach draußen schaue, sehe ich eine winterliche finnische Landschaft, viele schneebedeckte Bäume, einen klaren, wolkenlosen Himmel. Und einen Kindergarten.

Euer neues Album heißt ja New World Shadows (Die Schatten einer neuen Welt), was ist denn mit der “alten Welt” passiert?
Die alte Welt ist von gestern. Jetzt haben wir, anstelle der Schatten der Vergangenheit, eine „schöne neue Welt“ mit schönen neuen Schatten.

Ist es vielleicht auch so was wie ein Neubeginn? Ihr habt immerhin auch eure Plattenfirma gewechselt…
Es ist eine Stellungnahme zu Ereignissen und Phänomenen unserer Zeit, aber auch zu persönlichen Entscheidungen. Und, weil wir jetzt eine neues Label haben und die Songs auf dem Album auch irgendwie etwas dunkler geraten als zuvor, passt das ziemlich gut zur der Beschreibung. Da ist was dran!

Wenn man mal die neue Platte mit der alten, The Redshift, vergleicht, so habe ich den Eindruck, dass alle musikalischen Elemente diesmal einfach viel besser zueinander passen, habt ihr denn irgendwas anders gemacht?
Eine Sache, die anders war, war die Zeit, die wir für die Pre-Production von „New World Shadows“ gebraucht haben. Denn „The Redshift“ haben wir in sehr kurzer Zeit gemacht und in unser aktuelles Album haben wir sehr viel mehr Energie und Aufwand investiert. Aber ohne Zweifel war die allergrößte Veränderung, dass unser Gitarrist Markus Vanhala diesmal alle Songs allein geschrieben hat. Zuvor hatte Harri Pikka (ehemaliger Zweitgitarrist) die Hälfte des Materials komponiert.

Ich finde, es hat auch eine viel düstere Atmosphäre und man sollte die ganze Platte eher als Ganzes sehen. Würdest du sagen, es ist eine Konzept-Platte?
Es ist kein Konzept-Album im eigentlichen Sinne, aber es gibt definitiv ein wiederkehrendes Thema. Als wir die Songs arrangiert haben, hatte unser Sänger Jukka die Idee, dass die Songs die heutige Zeit und die Gesellschaft beschreiben würden, und auch die Entscheidungen, die jeder einzelne trifft, um in dieser Welt und ihren Schatten leben zu können. Auch das Cover-Artwork ist von diesem „Konzept“ inspiriert.



Während “The Redshift” ja mit einem sehr energetischen und “voll auf die zwölf” Song (Nail) anfängt, habt ihr euch auf “New World Shadows” für einen ganz anderen Anfang entschieden. „Everfields“ ist ein 9-minütiges Epos, wie kam´s dazu?
Eigentlich sollte “Everfields” New World Shadows beenden, aber dann haben wir den Song “Deep Cold” geschrieben und hatten keine andere Möglichkeit als das Album mit diesem Song abzuschließen. Also fingen wir an, einen neuen Platz für „Everfields“ zu suchen und dachten darüber nach, das Album mit fast 10-minütigen Epen zu beginnen und auch zu beenden. Zum Teil, aber wirklich nur zum Teil ist das auch ein Statement. Jeder erwartet doch, dass man ein Album mit einem schnellen, radio-freundlichen Hitsong anfängt und davon hatten wir die Schnauze voll und wollten dieser Idee einfach mal den Stinkefinger zeigen. Du weißt schon, was man tun muss und was nicht, auf eine arrogante Art wollen wir damit einfach sagen, wir machen das so, wie es uns gefällt. Aber das Wichtigste ist, dass wir aus musikalischer Perspektive auch der Meinung sind, dass diese Songreihenfolge einfach die Beste ist.

Gibt´s auch Gastmusiker auf dem Album?
Ja. Dan Swanö, der das Album auch abgemischt und gemastert hat, hat ein paar clean Vocals und Keyboards beigesteuert. Unser Produzent Teemu Aalto brachte ein paar Percussions und anderen Kram ein, Niilo Sevänen von Insomnium und ein paar andere Typen haben ein paar Vocals auf „Ego“ gegrölt und schließlich hat Mikko “Monni” Reinamo bei zwei Songs Orgel gespielt.

Markus ist ja jetzt euer einziger Gitarrist, nachdem Harri Pikka letzten Sommer das Weite gesucht hat. Was für Veränderungen haben sich daraus ergeben, im Studio und live?
Die größte Veränderung gibt´s beim Songschreiben, aber da Markus alle Gitarren im Studio selbst gespielt hat, passen die Gitarren und die Sounds besser zusammen. Live brauchen wir einen zweiten Gitarristen und unser guter Freund Joonas Koto (Malpractice, To/Die/For, Hateframe) hat uns da bisher gute Dienste erwiesen. Er hat auch vorher schon ein paar Gigs mit uns gespielt, als Harri es nicht geschafft hat, wegen seines Jobs.

Gibt´s Pläne, wieder einen zweiten Gitarristen zu engagieren?
Ich würde behaupten, dass wir das sogar müssen. Wir haben darüber nachgedacht, ohne eine zweiten Gitarristen weiterzumachen, aber diese Idee haben wir ganz schnell wieder verworfen. Im Studio ist es ok, aber live verlangen unsere Songs eben zwei Gitarren. Wir haben es zwar noch nicht offiziell verkündet, aber Joonas ist der aussichtsreichste Kandidat für den Posten und bei unseren Gigs, kommt es uns auch schon so vor, als wäre er Teil der Band und nicht nur eine Aushilfskraft.


Was macht Harri denn jetzt eigentlich?
Gute Frage. Darauf habe ich keine definitive Antwort, denn er hat uns auch nie eine gegeben, er hat sich einfach irgendwie aus der Band ausgeblendet. So weit ich weiß, will er sich auf seine anderen Bands konzentrieren, auf seine persönlichen Beziehungen, seine Arbeit mit Multimedia und anderes. Wir respektieren seine Entscheidung und wünschen ihm Alles Gute.



Auch diesmal gibt´s wieder einen Instrumental song (Watcher of the Skies). Welche Bedeutung haben denn Instrumentals für euch im Allgemeinen?
Wir mögen Instrumentals. Jeder in der Band hört auch alte Prog-Bands, die ja gerne auch Instrumentals gespielt haben, also ist das ganz natürlich. Instrumentals sind auch viel anspruchsvoller als Songs mit Vocals, denn sie haben keinen Text, der die Bedeutung des Songs erklärt. Dem Hörer wird viel mehr Freiraum für seine eigenen Interpretationen gelassen.

Wenn ihr die Songs schreibt, wisst ihr dann schon vorher, ob der Song ein Instrumental wird oder nicht?
Nicht wirklich. Die Songs und wie sie am Ende rauskommen, sind immer ein großes Mysterium für uns.

Im April/Mai seid ihr auf Tour in Süd- und Osteuropa, wie kam´s dazu? Es beinhaltet ja nicht grad die „üblichen Verdächtigen“ wie Deutschland, UK, Holland…
Unsere Freunde von Massive Music, die diese Tour organisieren, haben uns und Rotting Christ eingeladen und wir haben uns entschieden, dieses Angebot anzunehmen, um uns auch mal in diesen Regionen vorzustellen. Aber zweifellos werden wir auch in Großbritannien und Mitteleuropa touren, wir arbeiten ständig daran, das zu realisieren.

Ward ihr schon mal in Süd- und Osteuropa unterwegs, habt ihr irgendwelche Erwartungen?
In einigen Ländern schon, in anderen noch nicht. Ehrlich gesagt, wissen wir nicht, was wir zu erwarten haben, hmmm, ob uns die Leute in diesen Ländern überhaupt kennen und wie sie uns empfangen werden. Nichtsdestotrotz gehen wir mal davon aus, dass wir sehr viel Spaß mit den anderen Bands und den Fans haben werden und, dass wir ein paar geile Shows spielen.

Was war denn bis jetzt das schlimmste Erlebnis auf Tour? Fehlendes Equipment oder verloren gegangene Bandmitglieder, furchtbare Zustände im Backstage-Bereich etc…
Also, es ist natürlich schon einiger Scheiß passiert, wie zum Beispiel, dass beim Gig irgendwelches Equipment kaputt geht. Markus hat sich auch schon während einer Show ein paar Rippen gebrochen und so, aber zum Glück ist noch nichts wirklich ernsthaftes schief gegangen. Der schlimmste Moment bisher war, als ein ungenannt bleibendes Bandmitglied nach einem Gig in Hamburg verschwunden war und niemand ihn erreichen konnte, wir hatten schon die schlimmsten Befürchtungen. Nach ein paar Stunden verzweifelten Suchens, kehrte er von seinem Schürzenjäger-Abenteuer wieder zurück.

Danke für deine Zeit, das hier zu beantworten. Viel Glück mit dem Album und allem anderen.
Danke und danke auch für das Interview!





Autor: Kathleen Gransalke, photos: band
Eingetragen am: 2011-03-11

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