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STALKER - Printversion
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Da diese finnische Band mehr als einmal mit ihren intensiven Live-Shows positiv auffiel – wie unlängst auf der Babel-Tour – ist es eigentlich höchste Zeit, dass STALKER da ein bisschen genauer nachfragt. Glücklicherweise fand Sänger Wille in seinem vollen Terminkalender noch eine Lücke, um uns was zu erzählen, nicht nur über die Band... hier geht es um Krankheit, Depressionen, moralische Kater, Jugendsünden, rosa Felljacken – und ausserdem kann er uns überzeugend vermitteln, warum man gelegentlich einfach Scheisse sein muss.

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Die erste Frage liegt auf der Hand – wie war die Tour?
Diese Tour war so eine tolle Möglichkeit für uns, um zu leben, zu lernen und eine Erfahrung zu verwirklichen, nämlich den Traum, eine Rockband zu sein. Wir plauderten mal im Auto auf dieser Babeltour, dass jede einzelne der teilnehmenden Bands wohl demnächst die grossen Stars ihrer jeweiligen Szene sein werden. Diese Tour war was Historisches.

Wie ist die Chemie zwischen den Bands, da Rumreisen ja oft nervt... wie seid ihr eigentlich gereist, ein grosser Bus oder viele PKWs? Was nervt am meisten am Touren, was macht am meisten Spass (ausser auf der Bühne stehen)?
Tolle Leute, genau wie die Bands. Die Chemie war wie Frühling … ich meine, die Blumen fangen an zu blühen nach einer so langen Nacht. Das Rumfahren war da gar nicht so nervig oder stressig. Ich muss sagen, dass es für uns hauptsächlich eine tolle Gelegenheit war, mit diesen Leuten zu leben und zu lernen.

Im Prinzip war jede Band einzeln als Team auf dem Weg, und dann versammelten wir uns dort, wo der nächste Gig stattfinden sollte. Einladen, Soundcheck, warten bis zum Auftritt, Konzert, Sachen einpacken, nicht auf die Party vergessen, am nächsten Morgen aufwachen, spätes Frühstück irgendwo auf dem Weg zum nächsten Gig … Wenn es tatsächlich vier Bands auf einmal sind, die zur selben Zeit touren, dann muss zu einem gewissen Zeitpunkt auch mal Ordnung im Chaos geben. Da gibt es so viel unterschiedliches Equipment, nur kurz Zeit, um auf die Bühne zu kommen, kleine Clubs, also ist es unbedingt notwendig, flexibel zu sein. Ich muss sagen, es kommt nicht oft vor, dass alles glatt läuft. Ich bin sehr stolz auf alle, die an dieser Tour teilgenommen haben.

Wie waren bisher die Reaktionen auf das neue Album (von der Presse, von Fans) – entsprach alles euren Erwartungen, seid ihr zufrieden?
Hallelujah hat uns unterschiedliche Arten von Feedback gebracht. Wenn einer kommt und uns lobt, gibt es Leute, die uns sagen, dass sie die Hallelujah-CD deprimierend finden, da sie Angstzustände auf so gewalttätige und intensive Weise beschreibt, dass sie das kaum oder gar nicht anhören können. Und trotzdem loben sie die CD aus herausragend. Aber das kannst du dir nicht einfach so reinziehen, du musst es langsam angehen.


Es gibt Leute, die den Rummel um Iiwanajulma nicht verstehen, sie finden, das ganze Konzept sei nichts als ein schlechter Witz, und es sollte uns am besten gar nicht geben. Um ehrlich zu sein, ich mag derartiges Feedback, denn dadurch wissen wir als Künstler, dass wir gute Arbeit geleistet haben.

Es sei gleich festzustellen, dass für Iiwanajulma Hallelujah das Schwarze Album ist. Nicht mehr – nicht weniger. Es war nicht als romantische Reise mit der neuen Liebe gedacht. Wir flirten hier nicht. Für die HörerInnen soll Hallelujah ein Ausflug sein, wo man in aller Sicherheit mit Selbstmordgedanken und totaler Verzweiflung experimentieren kann, so lange, bis man ehrlich die Schnauze voll hat, sich von diesen schädlichen Gedanken befreit und das weitere Leben in vollen Zügen geniesst. Ganz einfach. Ich glaube, diese Ziele haben wir erreicht.

Eigentlich weiss ich nicht viel über Iiwanajulma, wie und warum die Band entstand, wie ihr euch zusammengefunden habt – wie es wohl auch vielen STALKER.cd LeserInnen geht. Könntest du uns da mal aufklären?
Iiwanajulma wurde im Jahr 2000 gegründet. Alle Mitglieder der Band stammen aus einer kleinen Stadt namens Juva. 6660 Menschen leben derzeit dort. Wir waren eine Gruppe junger Leute mit einer alten Seele. Wir waren lebenshungrig. Liebeshungrig. Aber wir teilten denselben Traum, nämlich uns in der Musik zu vereinen, eins zu werden in künstlerischem Ausdruck und unsere eigene Musik zu spielen, live vor Publikum. Das Ziel war, uns mit den Leuten während der Performance zu vereinen, und das immer wieder zu erleben. Das Ziel war und ist, durch die Musik Erfolg im Leben zu haben.

Wir zogen alle innerhalb 2000-2004 nach Helsinki, um einander nahe zu sein und das Ding durchzuziehen. Manchmal waren wir nicht sehr erfolgreich, denn ehrlich gesagt haben wir viele Jahre alles mögliche und nicht Musik gemacht. Und jedesmal ging es uns da gar nicht gut. Also glaube ich, dass es wichtig für uns ist, unsere Aufgabe zu erfüllen, um das Leben geniessen zu können.


In den Jahren 2000-2004 brachten wir 3 EPs raus. Von diesen nahmen wir einige Songs für das erste Album “Sitä ei ole mitä en näe” in 2006. Sofort fingen wir an, neue Songs zu komponieren und brachten 2008 unser zweites Album “Tuhottu Tila” raus. Ich wurde in dieser Zeit sehr krank. Ich brach mein Rückgrat und musste einige Male operiert werden. Ich schluckte 20 Pillen pro Tag, ging am Stock und wenn einer sagen kann, dass er seine Dämonen kennengelernt hat, diese Zeit war die pure Hölle für mich. Ich brauchte 6 Jahre, um mich davon wieder zu erholen, und ich bin noch immer in diesem Prozess der Heilung. Wir machten dennoch Musik. Ich schrieb ein Tagebuch, Gedichte und wir hatten diese Idee, ein Schwarzes Album zu machen. Das Thema war einfach. Medikamentemissbrauch und Selbstzerstörung. Wir suchten Songs aus, die dieses Konzept unterstreichen und gingen ins Studio. Wir hatten eine klare Vorstellung, was zu tun ist und wollten diesen Pickel endlich ausquetschen. Teemu führte uns durch den Aufnahmeprozess, und das Resultat war Hallelujah.

Könntest du uns die einzelnen Bandmitglieder vorstellen (deren frühere oder andere Bands etc), und da ich annehme, dass keiner von euch wirklich nur von der Musik leben kann, was sind denn eure “echten Jobs”?
Wille Hartonen – Vocals
Ich studiere derzeit, ich will Lehrer werden und Kunst in der Grundschule unterrichten. Vorher war ich bei Anything You Say, Velcra. Neben Iiwanajulma in Kilt., Human Dead Heart und ein Projekt, das gerade am Entstehen ist.

Timo Hänninen – Gitarre
Arbeitet für die Rettung. Also ruhig bleiben. Eventuell brauchst du mal die Hilfe dieses Herren... Früher in Anything You Say, Velcra. Spielt auch in einer Band, die sich Loner Fin nennt.


Teemu Ruokonen – Drums
Arbeitet in einem Studio als Assistent, mit Mikko Herranen. Er ist der Frontmann von Kilt. und spielt Drums in der Band von Mikko Herranen. Er komponiert auch für Corpo und Fauna.

Matias Aaltonen – Bass
Studiert was, das irgendwie mit Elektrizität zu tun hat. Neben Iiwanajulma in Kilt. und Corpo.

Janne Hartonen – Gitarre
Arbeitet als... Very Important Person. Früher bei Thanks For Nothing, Anything You Say.

Nebenbei sind wir alle glückliche und ermunternde Ehemänner, Väter, Verlobte, Liebhaber, Singles, Brüder, Freunde, Proletarier, Poeten, Studenten...

Gibt es eine bestimmte Philosophie, die von Anfang an verfolgt wurde, oder wie hat sich das ganze entwickelt?
Komponieren eigener Musik, sie beständig live vortragen und damit Erfolg im Leben haben.

Die Band hat es immer gegeben. Es ist eine Lebenseinstellung und eine Lebensweise. Es ist ein Traum und das Ziel ist es, den Traum zu leben. Es war Sicherheit, Komfort, totale Freundschaft, aber auch Hass, Angstzustände, Depression, Frustration. Also wenn du fast 20 Jahre zusammen bist, dann machst du klarerweise Veränderungen durch. Es ist nicht wie auf Rosenblättern tanzen. Manchmal isses total fuk up – wie es Die Antwoord sagt. Nichts bewegt sich und du fühlst dich alleine in einem Keller eingeschlossen. Keine Gigs, keine Proben, kein Komponieren, Ignoranz … Aber dann willst du doch den nächsten Tag erleben und was er wohl bringen wird. Wir glauben, dass in einer Band sein so wie eine Ehe betrachtet werden muss. Iiwanajulma ist eine Ehe mit 5 Personen.


Wie habt ihr euren Stil entwickelt? Ich kenne ja nur euer neuestes Album und was ihr live spielt (seit Findustry on Ice 2013). Wenn ich mir dieses Video Tilkkutäkki ansehe, scheint ihr ja eher mit Glamrock angefangen zu haben … ich bin froh, dass ihr nicht mehr in rosa Pelzjacken auftretet... Irgendwie kommt mir der Video bekannt vor, kann es sein, dass der mal beim Oulu Music Video Festival lief?
Tja… Ich kann mich nicht mal an das Jahr 2002 erinnern... ich denke, da entstand “Tilkkutäkki”. Die Jury des Oulu Music Video Festival mochte den Clip und wir kriegten einen Ehrenpreis. Aber Hey! Es war und ist noch immer ein gutes Rock´n Roll Video. Egal was. Und wurde von unserem ehemaligen Drummer Tommi Karvinen aufgenommen. Ein toller Visionär...

Was Musik und Veränderungen betrifft, es ist natürlich, dass sich Dinge im Lauf der Zeit verändern. Es hängt mit Wachstum und Geschmack zusammen. Mit Iiwanajulma treten wir seit 14 Jahren auf, also hatten wir viele Veränderungen, Stimmungen und Phasen in dieser langen Zeit. Am Anfang gab es diesen Hauch Glam und Hardrock in unserer Musik. Wir haben gewissermassen noch uns selbst gesucht und eine musikalische Methode oder einen Weg, um kollektive Zufriedenheit zu erreichen, was man als Stil bezeichnen könnte.

Heutzutage komponieren und produzieren wir Alben, welche eine Zeit repräsentieren und die Hauptthesen oder Geschmäcker, die man grad auf der Zunge hat. Wir versuchen, in diesen Prozessen so ehrlich wie möglich zu sein und so intensive Musik wie nur möglich zustande zu kriegen. Unseren eigenen Sound zu entwickeln und mit dem Sound zu wachsen war eine langsame Angelegenheit. Ich hoffe wirklich, dass jedes Iiwanajulma-Album sich von dem vorhergegangenen unterscheiden wird. Das ist der Segen, unabhängig zu sein.

Nun zum neuen Album Hallelujah – euer drittes - was ist anders im Vergleich zu den Vorgängern? Kannst du uns was über die Lyrics erzählen, die Story dahinter? Gibt es da ein gemeinsames Thema, eine Geschichte, die die Songs verbindet, oder eine bestimmte Philosophie?
Jeder Prozess ist einzigartig und du kannst im Vorhinein nie wissen, wie das Endprodukt aussehen wird. Jede Band, die etwas auf sich hält, hat ein Weisses und ein Schwarzes Album. Hallaleujah ist unser Schwarzes Album. Es ist blutrünstig. Es bietet keine Entschuldigung. Es ist bösartig. Es ist gewalttätig. Es reisst dich mit. Die Thematik behandelt Selbstzerstörung, Medikamentemissbrauch und ICD-10 Diagnose. Hallelujah ist ein Schrei nach Hilfe, den niemand hört, oder niemand kümmert sich drum. Die Geschichten drehen sich um meine Tagebucheinträge aus den Jahren 2006-2012. Ich war da sehr krank, ging am Stock, frass 20 Tabletten pro Tag und kann sagen, dass ich höchstpersönlich erforscht habe, was passiert, wenn du den Glauben an das Leben, Freude, Schönheit, gute Beziehungen oder Glück in jeglicher Lebenslage verlierst. Ich persönlich habe erforscht, wie unser Krankenpflegesystem funktioniert und auch was passiert, wenn du den Wert als menschliches Wesen einbüsst. Der Wert des Menschen ist sein Kapital. Energie. Arbeit. Wenn du nicht arbeiten kannst, wird dich die Gesellschaft ächten und ignorieren. Ich weiss, es ist eine Haaresbreite zwischen leben und ein lebender Toter zu sein. Es ist nicht so, dass wir die deprimiertesten Leute von allen sind. Nein, nein, nein... wir sind im Gegenteil voll positiver und optimistischer Perspektiven. Aber das Leben und dessen Erfahrungen waren einst Realität. Das war kein Witz.


Live auf der Bühne scheint mir der Vortrag deiner Lyrics eine sehr persönliche Sache zu sein, ein “Geständnis”, ein Teilen tiefster Gedanken mit dem Publikum, nicht nur “eine Geschichte erzählen” - was ja auch zur Intensität eurer Shows beiträgt. Ich versuchte das auch als “Predigen” zu beschreiben – inwieweit stimmt diese Beobachtung?
Was deine Genauigkeit betrifft... du hast recht, ebenso wie andere. Dein Eindruck ist eine Erfahrung dessen, was du gesehen hast. Ich oder niemand sonst kann das leugnen. Es ist real. Aber ich bin kein Prediger. Ich bin ein Mensch, ein Poet, der über das Leben und Erfahrungen schreibt. Ich bin ein Rock´n Roll Sänger und ein Fragender, der in einem Traum durch das Leben schwebt …

Wie wird die Musik komponiert, in Teamwork? Oder könntest du die Entstehung eines bestimmten Songs erzählen, von der Empfängnis bis zur Aufnahe – werden z.B. Texte am Schluss verfasst oder stehen die als erstes da?
Im Prinzip kann jeder Songs auf den Tisch legen. Wenn wir genug Musik gesammelt haben, beginnen wir diesen fürs Ego schmerzhaften Ausleseprozess. Jene Songs, die diesen Prozess überdauern, die pulsieren oder gemeinsam strahlen, werden auf dem nächsten Album versammelt. Aber wie gesagt, jedes Album ist als Gesamtheit einzigartig.

Der Aufnahmeprozess – wie organisiert ihr das, seid ihr alle gemeinsam da oder nicht? Wie lang dauerte es incl. Mixen und Mastern?
Tja, wir hatten 4 oder 5 getrennte Aufnahmesessions. Zuerst wurden die Drums in Magnusborg, Porvoo, aufgenommen. Als zweites mieteten wir das Studio, wo Mikko Herranen arbeitet, und dann hatten wir ein paar getrennte Sessions in einer Hütte in Juva. Es gab viel Editing, das Teemu allein machte, und als das Aufnehmen und Editieren abgeschlossen war, gaben wir Mikko Herranen das gesamte Paket zum Mixen. Mikko arbeitet makellos mit Svante Forsbäck von Chartmakers zusammen. Das professionelle Können dieser beiden Männer ist so hoch in unseren Augen und Ohren, dass es uns eine Ehre war, mit ihnen zu arbeiten.

Was ist am Schlimmsten für einen Musiker, wenn er warten muss – bis Mix/das Mastering fertig ist, oder bis er die CD in Händen hältf, wörtlich, sie anfassen kann?
Um absolut ehrlich zu sein – bei diesem Prozess wartete ich gar nicht. Ich fühlte nichts. Ich weiss nicht warum. In meinem Kopf war es wie “mach es so” “du musst es so machen” und “mach alles schwarz”. Es war für mich durchgehend sehr beruhigend.

CD gegen Downloads – könntest du dir vorstellen, alles nur noch digigal laufen zu lassen, oder freust du dich auch über die Renaissance der Vinylplatte?
Solange Leute Musik zum Anhören haben und so lange wir einen halbwegs akzeptablen Nutzen von unserer künstlerischen Tätigkeit haben, glaube ich, dass alles möglich ist. Ich steh nicht auf Dogmen...


Gibt es noch etwas Besonderes, das du mit uns teilen möchtest? War die Verspätung der CD Lieferung das einzige Missgeschick?
Ich weiss es nicht. Es war pure Magie. Alles rollte wie auf Schienen. Bis auf eine Session, wo alles Scheisse war. Wir konnten nichts aufnehmen. Nicht eine einzige Melodie. Und als wir die Daten überspielten, ging alles verloren (Glücklicherweise fanden wir die Dateien hinterher wieder). Die Computer liefen nicht. Eigentlich, wenn ich mich so erinnere, war es total fuk up. Die Kamera war kaputt, alle waren genervt, wir stritten und beleidigten uns in diesen Streits so schlimm wie nie zuvor. Es war eine verzweifelte Situation. Als ob eine Dunkelheit gegen uns agierte. Es gab einen Moment mit Teemu in der Küche,wo wir über Sachen verladen sprachen, denn es schien alles eine totale Katastrophe. Wir waren verärgert. Überall leere Dosen. Ich stand vor dem Ofen. Ich nahm einen Schluck Bier und drehte mich zu Teemu um, als es plötzlich schien, als würde mich ein Unsichtbarer mit diesen leeren Dosen bewerfen... Es war niemand da, aber ich kriegte einen Schauer leere Bierdosen ab. Teemu war da. Er hat es gesehen... aber wie ich sagte, ich bin kein Prediger. Ich bin ein Dichter, der sich übers Leben wundert.

Um auf die rosa Felljacken zurückzukommen – gibt es etwas in Deiner musikalischen Vergangenheit, das als Jugendsünde durchginge? Oder mehr in Richtung Mode faux-pas ?
Klar gibt es das. Zum Beispiel kann ich mir unser erstes Album nicht anhören. Rote Phren... Aber eigentlich hörst du dir Alben nicht mehr an, sobald sie aufgenommen sind. Das ist die Natur des Aufnahmeprozesses. Du erreichst einfach einen Sättigungspunkt.

Was noch... wir sahen uns Iiwanajulma Homevideos aus dem Sommer 2004 an. Das war pure Qual. Himmel... bin ich froh, dass wir damals keinen Erfolg hatten. Das wäre ein Alptraum geworden. Ich wär fast aufs Klo gerannt, um mich selbst zu misshandeln... Aber wenn du dir andererseits Aufnahmen deiner Stimme hörst oder dich auf Video siehst, hat das immer etwas Amüsantes oder Peinliches. Wir tendieren dazu, uns selbst anders wahrzunehmen als dann die Realität zeigt...

Faux pas… ich schäme mich noch immer, wenn ich mich erinnere, wie meine Urteilsfähigkeit so tief sank, dass ich einfach das Bier für Timo Rautiainens Backstage nahm. Ich wollte das nicht... ich dachte, die wären schon unterwegs und keiner da, aber das war nicht so... der moralische Kater, ich fühle ihn noch immer.

Du musst an einem gewissen Zeitpunkt einfach total Scheisse sein. Das ist die Natur des Wachsens...


Wo liegen eure musikalischen Wurzeln, wie kamt ihr dazu, Musiker zu werden? War das ein langsamer “natürlicher” Prozess oder passierte es über Nacht, gab es eine Inspiration durch einen bestimmten Song?
Unsere musikalischen Wurzeln sind Grunge, Industrial und Metal, Bands wie Pearl Jam, Soundgarden, Alice In Chains, Nirvana, NIN, Korn, Meshuggah, Deftones, Tool… etc.

Warum wir die Musik und in einer Band spielen gewählt haben, dazu hat jeder eine eigene Geschichte, aber wir sind da reingewachsen. Bei mir war es mein grosser Bruder, den ich in einer Band spielen sah. Seine Gitarre war da. Ich probierte zu spielen. Ich war Scheisse. Aber es hatte was Magisches... Ich sah diese seltsame Vision, die sich warm anfühlte, stark und es war als würde mein Geist dorthin gelenkt. Ich war sofort gefangen.

Zum Abschluss: Eine verrückte Tourstory (was Absurdes, das euch passiert ist, entweder mit dieser Band oder in einer von euren anderen)?
Irre Story... hast du jemals was von diesem W.O.I.T.A Spiel gehört? Weird Object In The Ass… Um ehrlich zu sein, ich hab mich nie dran beteiligt. Ich hab nur davon gehört und was gesehen... Es geht so. Jemand schreit WOITA. Dann hast du 15 Sekunden Zeit, was Seltsames in deinen Arsch zu stecken....

So geht´s. Wieder schreit jemand WOITA! Die Leute laufen rum und suchen, um was Zufriedenstellendes für das Publikum und sie selbst zu finden. Jemand findet ein Feuerzeug, jemand einen Stift, aber diese zwei anonymen Jungs... die zwinkerten, sie hatten Zeit. Sie kalkulierten. Als nun endlich alle anderen ihre Objekte du-weisst-wo hatten, steckt sich der eine einen Tourbus rein und lächelt. Siegesgewiss. (In Finnisch haben wir dieses Wort VOITA - “du musst siegen”.) Und dann der andere. Kommt rüber, stellt sich vor diesen Typen mit dem Tourbus im Arsch, und steckt sich dann den kompletten Typen mit dem Bus hinten rein...

https://www.facebook.com/Iiwanajulma



Autor: Klaudia Weber, photos: Band, Karri Tahvanainen, K.Weber
Eingetragen am: 2014-06-04

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