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Soulfly - keine Schleimer, keine Zeitverschwendung

Max Cavalera, Gründer und einziges ständiges Mitglied der internationalen Tribal-Metaller Soulfly, scheint außer Gitarrespielen nicht viele Hobbies zu haben. Innerhalb eines Jahres veröffentlichte er ein Album, absolvierte eine ausverkauften Welttournee, deren Mitschnitt demnächst auf DVD erscheinen wird, und legt uns jetzt “Dark Times” ein brandneues Album vor, zugleich der Metal-mäßigste Output seit Jahren. Jede Menge Gesprächsstoff für STALKER.


Photo: Jason Campbell

Hallo Max, du scheinst mit all diesen Neuerscheinungen derzeit ziemlich beschäftigt zu sein. Oh ja, ich hab verdammt viel zu tun. Aber ich bin jetzt auch in sehr guter Stimmung. Ich habe nämlich vor kurzem mit dem Trinken aufgehört und jetzt viel mehr Energie. Ich hätte wirklich schon vor 20 Jahren damit aufhören sollen. Was solls, mir hat die Arbeit an “Dark Ages” viel Spa_ gemacht. Die DVD ist dagegen eher was von der Plattenfirma. Die wollten sowas, also haben wir es gemacht.

Gibt es bei Soulfly noch immer diese radikalen Line-Up-Wechsel wie in der Vergangenheit?
Gibt es, irgendwie. Aber dafür steht Soulfly auch. Eine völlig andere Auffassung, was eine Band darstellt. Ich hab dieses “Band”-Ding jahrelang mit Sepultura durchgezogen, und ich hatte genug davon. Ich wollte immer wieder frisches Blut, und mit all diesen Wechseln ist es wie eine ständige Evolution.

Ich habe festgestellt, dass das neue Album viel mehr nach den alten Sepultura klingt als die Cds davor. War da auch das frische Blut dran schuld?
Ich glaube schon. Es ist sowas wie “Die Wurzeln von Max" Wir haben das alle in Gemeinschaftsarbeit ausgetüftelt. Ich schreibe das Skelett, die Basis der Songs, und der Rest füllt die dann aus. Aber es ist mein eigenes Ding, weil ich auch dieses Album produzierte. Ich bin meinem Herzen gefolgt. Die anderen sind, was ich meine “wehrfähigen Architekten” nenne.



Wie kamst du auf den Titel “Dark Ages”?
Schau dich einfach nur mal um. Wir leben gerade jetzt in einem düsteren Zeitalter.

Wie zum Beispiel der Tod deines Stiefsohns?
Genau. Der Name des Albums war bereits da, ehe er von uns ging. Aber genau das ist so erschreckend real. Ich wollte es nie so haben, aber es passierte einfach. Das hat mich wirklich verrückt gemacht.

Ist deine Musik sowas wie ein Ausweg?
Musik kann ein Ausweg für viele Dinge sein. Mit meiner Musik kann ich eine Menge ausdrücken, das ich sonst im realen Leben nicht sagen kann. Viele Künstler drücken sich nur über ihre Kunst aus.

Wie wichtig ist deine Heimat Brasilien für deine Musik?
Naja, ich kam dort auf die Welt, also wird dieses Land immer in meinem Herzen sein, obwohl ich jetzt in den USA lebe. Ich glaube, meine Musik wäre völlig anders, wenn ich noch immer in Brasilien wäre. Ich bin wegen meiner Familie nach Phoenix umgezogen. Brasilien ist gefährlich, und ziemlich furchteinflö_end. Die haben mich zweimal in den Knast gesteckt, und ich wei_ noch immer nicht warum. Ich wollte nicht, dass meine Kinder dort aufwachsen. Aber ich liebe die brasilianische Musik und die Einflüsse dieses Landes, und ich bin sicher, dass ich dorthin zurückgehen, wenn ich alt bin.

Ich hab gehört, dass eine Menge Leute dort, besonders in Sao Paulo (Sepulturas Heimatstadt) ziemlich angepisst sind, weil du Sepultura verlassen hast und in die USA gezogen bist.
Seltsam. Sobald du etwas machst, ist jemand anders sauer. Du kannst es nicht immer zulassen, darauf Rücksicht zu nehmen. Weisst du, die Ironie an der Sache ist: Jeder hat Chaos AD gehasst, und Jahre später kommen Leute an, um mir zu sagen, wie toll sie dieses Album finden. Also vergeude ich nicht meine Zeit. Ich habe immer an meine eigene Musik geglaubt. Aber natürlich steht es jedem frei, mich zu konfrontieren: Na los!



Deine engen Familienbande sind schon legendär. Wie klappt das bei der langen Zeit, die du auf Tourneen verbringst?
Natürlich bin ich im Vergleich zu anderen viel länger von meiner Familie getrennt. Weisst du, Anwälte verbringen all ihre Zeit zu Hause. Aber das ist der Preis, den du zahlen musst. Zum Glück habe ich eine verständnisvolle Familie, und das ist cool. Aber es ist trotzdem ein Opfer. Du kannst nicht beides haben. Echt, ich hab meine Mutter seit 1999 nicht mehr gesehen. Aber im Geiste bin ich mit jedem in meiner Familie verbunden. Andererseits: Ich muss einfach auf Achse sein!

Erzähl mal, was am Flughafen in Russland passiert ist.
Also, wir haben 10 Konzerte in Russland gespielt, und es war toll. Da gibt es jede Menge Max-Fans. Aber als wir auf dem Weg zum letzten Gig am Flughafen waren, versuchte so ein Kerl, meine Tochter zu entführen. Ich hörte später, dass es so ein Mafia-Typ war. Er dachte, er kommt damit davon. Was für ein Arschloch. Natürlich war meine Tochter zu Tode erschrocken, und wir mussten die Show absagen, was für die Fans sehr schlimm war. Aber das war nicht unsere Schuld. Ich lege niemanden aufs Kreuz, und ich erwarte denselben Respekt, den ich anderen entgegenbringe.







Samira Alinto



Autor: Konz Konopka, Photos: hfr., Translation: Klaudia Weber
Eingetragen am: 2005-11-04

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