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Entwine – Rock, Politik und jede Menge Wodka

Abstrakt gesprochen wird das Wort ”Entwine” mit komplexer, verführerischer oder mystischer Täuschung verbunden. Sogar Sänger Mika Tauriainen selbst weiß nicht genau, wofür der Name steht, wenn du es nicht selbst beim Lesen zwischen den Zeilen seiner Antwort herausfindest.


Nach diesem Interview war ich sogar noch mehr davon überzeugt, dass alles, was wir uns wünschen, einfach wahr wird. Mika glaubt an Zebrastreifen im Leben, mal weiß, mal schwarz. Genauso geht es auch Entwine, mal ein erfolgreiches Album, dann ein weniger erfolgreiches und Zeiten der Krise, dann ein überraschender Line-Up-Wechsel ... Klar, dass jetzt wieder ein neuer weißer Streifen dran ist.

Wie geht´s?
Gut, danke! (lacht)

Wie steht es derzeit um Entwine?
Ahmm... es ist... na ja, ziemlich ruhig, wir spielen ein paar Shows und es ist ganz OK, obwohl Riita ausgestiegen ist und wir einiges deswegen machen mussten, wir haben alles am Computer und müssen uns überlegen, wie wir es in der Zukunft angehen.

Wie war die erste Show ohne Riita?
Sie war anders... Ich weiß nicht, wir waren in Spanien, und es war das erste Mal. Ich dachte nicht daran, ob Riita da ist oder nicht, ich musste mich auf meinen Job konzentrieren, das Publikum war toll. Innerlich flippte ich aus, in positivem Sinne. Natürlich ist es anders, die Keyboards sind jetzt am Mischpult, also ist es technisch anders.

Also verließ sie euch während der Tour? So unerwartet...
War es auch. Und die Konzerte waren schon gebucht, es war acht Tage vor der ersten Show, als sie uns sagte, dass sie nicht mitkommt. Also bedeutete es eine Menge Arbeit für Aksu, um alles zu programmieren und so ...

Und ihr hattet wirklich keine Ahnung, dass sie aussteigen will?
Nein, keine. Aber weißt du, sie hat eine Tochter, die diesen Herbst mit der Schule anfängt, und sie studiert auch, also kann ich es verstehen. Sie sagte, sie muss es tun... sie muss sich um das Kind kümmern und es ist unmöglich, wenn sie in der Schule ist und sie wochenlang auf Tour ist, einfach unmöglich. Ihr Ehemann war unser Tontechniker.

War? Also nicht mehr?
Nein, er hat zuviel Arbeit mit Apulanta. Das neue Jahr wird sehr arbeitsreich für ihn. Und für Riita wird es unmöglich, auf Tour zu gehen. Das Kind IST die Hauptsache in so einer Situation.

Glaubst du, dass sie ihre musikalische Karriere fortsetzen wird?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was sie vorhat, wirklich nicht! (lacht)

Glaubt ihr, dass ihr Ersatz findet? Oder dass ihr wirklich jemanden braucht?
Wir haben darüber noch nicht gesprochen. Wir werden sehen, was wir machen. Wir wissen es noch nicht, die Situation ist noch zu neu, wir haben noch einige Shows und es wird viel Zeit brauchen, jemanden aufzunehmen, die Songs einzustudieren, wir warten mal ab.

Mit einem weiblichen Bandmitglied wart ihr ja etwas im Vorteil, es gibt ja nicht so viele Mädels in der Düsterszene...
Nur Sängerinnen! (lacht)

Genau! Befürchtet ihr, Fans zu verlieren, weil Riita weg ist?
Natürlich! Es gibt viele Riita-Fans, und es tut mir leid für sie... aber es ist nun mal so, die Show muss weitergehen, so oder so. Wir müssen weitermachen, und wir wissen nie, was morgen passieren wird.



In der Karriere von Entwine gab es kaum Line-Up-Wechsel, und ihr habt viel Zeit miteinander verbracht. Was ist das Geheimnis eurer Teamarbeit?
Oh, es gab Kriege in der Band, es ist so wie eine Ehe. Es ist so, dass du die Probleme löst, so oder so, oder dich trennst. Wir hatten nach „DIEversity“ viel Streit, „was zum Teufel werden wir machen?“ und waren kurz davor, uns aufzulösen, aber wir diskutierten und fanden, dass es zu viel zu verlieren gibt. Ich glaube, danach war alles besser, aber der Frust und die Wut in „Fatal Design“ sind völlig anders als bei den Vorgängeralben. Jetzt klappt es ganz gut, muss ich sagen.

Welche Art von Streit, musikalisch oder persönlich?
Persönlich natürlich! Es gibt eine Menge Sturschädel in der Band, und ich glaube es ist selbstverständlich, wenn du 3-4 Alben miteinander machst, dass es anfängt, dass Egos und Persönlichkeiten aufeinanderprallen... ich glaube, das ist eine natürliche Entwicklung, die in jeder Band passiert.

Mit wem ist es am schwierigsten auszukommen?
Am schwierigsten WAR Aksu. Aksu und ich sind Kampfesbrüder. Und da gibt es einiges in der Vergangenheit... wir sind beide ziemlich stur, aber wir haben es geklärt und kommen nun miteinander aus, kein Problem. Sowas zu erkennen braucht Zeit...

Wie waren die Reaktionen zu „Fatal Design“? Kritische Stimmen?
Eine Menge Feedback! Meist positiv, aber natürlich waren da auch Fans, die es „zu US-Rock“ oder „nicht mehr gothic“ fanden. Aber das ist eben UNSERE Art, Musik zu machen, und wir können uns nicht nach den Fans richten. Wir wachsen, werden älter, nehmen Sachen auf, was in der Welt so passiert: wir sind wie ein Spiegel. Wir können nicht allen gefallen – das ist nicht unser Fehler, wir müssen das für uns selbst machen, und ich hasse es, nur eine Art von Musik zu kreieren. Ich muß die Möglichkeit haben, jede Musik machen zu können, was auch immer sich gerade richtig anfühlt. Und wenn du in einer Stilrichtung stecken bleibst, wird es langweilig. Wir wissen nie, was wir beim nächsten Album machen werden, und es gibt so viele Bands, die Album für Album immer dasselbe machen.

Findest du, dass “Fatal Design” ein Konzeptalbum ist?
Sowas Ähnliches wie ein Konzept... es gibt eine Menge Ähnlichkeiten in den Songs, eine Menge Frust und Ärger, aber das passierte aus der damaligen Situation heraus: Ich fühlte mich nicht so gut, hatte eine persönliche Lebenskrise, ging durch die Hölle danach, dann die Aufnahmen...

Haben sich andere Bandmitglieder am Schreiben beteiligt, oder ist das eine reine Mika-Produktion?
Ja, sie machten die Musik und ich den Gesang, die gesungenen Melodien und die Texte, hauptsächlich. Einige Songs hat Tom geschrieben, „Oblivion“ und „Twisted“. So lief es nach „DIEversity“, wo wir die beste Arbeitsweise fanden: ich hab meine Ruhe, wenn ich an meinem Computer sitze, mit meiner Gitarre und einem Mikrofon.

Spielt die Reihenfolge der „Fatal Design“ Songs eine Rolle?
Weiß nicht. Natürlich, denn dadurch ist das Album im Fluss, aber von der Geschichte her gibt es keinen roten Faden.

Wie würdest du dieses Album im Vergleich zu „Gone“ und „DIEversity“ bewerten? Wie lief die Entwicklung von dir und der Band?
Sie sind alle total unterschiedlich. Schwer zu beschreiben. Die Arbeitsweise vielleicht, wir haben viel gelernt! Wir sind selbstbewusster geworden und gewachsen. „Gone“ kam zuerst, und wir machten uns zuviele Sorgen, was andere denken, aber nun klappt es gut, wir lassen die Sau raus!

OK, und woher der Albumtitel?
Naja, da gibt es diesen einen Song .... (lächelt)

Aber warum der? Da gibt es ja noch 10 andere Tracks, hätte ja auch einer von denen...
Ich weiß, aber es kam grad so... meiner Meinung nach, wenn du das Cover betrachtest, da gibt´s eine Menge industrielle Ornamente, eine fallende Babylon-Statue und so, eine Art Bild der Welt heutzutage: ein fatales Design und wir leben damit. Irak, Bush... ich HASSE Bush, muss ich sagen. Hasse das einfach. Die Situation im Irak – die Amerikaner sollten sich gefälligst zurückziehen! Das Vietnam dieses Jahrhunderts oder so. Da gibt es keine politische Lösung, die sollen einfach wieder nach Hause fahren! Die sind ohnehin nur wegen dem Geld da, dem Öl, und die Iraker verteidigen nur, was ihnen gehört. Was würden die Amerikaner tun, wenn die Iraker kämen und ihnen alle Autos wegnehmen oder so? Sie würden sich verteidigen, das ist ganz normal. Und Bush kommt noch im Auftrag Gottes... er ist Satan höchstpersönlich!



Glaubst du an Schicksal?
Weiß nicht, vielleicht gibt es sowas... aber ich glaube, dass wir alle unsere Zukunft bestimmen, wir kriegen alle dieselben Karten, wenn wir geboren werden und uns die Welt offen steht. Einige bauen Mist, andere schaffen es auf unterschiedliche Weise. Wir alle schaffen unsere Zukunft, du musst sie aufbauen. Es ist einfach so, dass niemand anders DEIN Leben leben wird. Ich war immer ziemlich stur, machte immer das, was ich richtig fand. Ich will damit aber niemanden in meiner Umgebung verletzen. Es ist wichtig, an andere zu denken, aber schließlich musst du dein Leben leben.

Unterstützen deine Eltern dich?
Naja... sie ließen sich scheiden, als ich drei war, mein Vater lebt in Schweden, und ich war seit meinem 6. Lebensjahr jedes Jahr in Schweden, wir haben eine gute Beziehung. Ich war ungefähr 16, Schüler, und nahm in dieser Zeit einen Kredit auf, um mir ein Schlagzeug zu kaufen, und meine Mutter flippte „Was zum Teufel hast du da gemacht?“ Ich meinte, das ist das was ich will, was ich wirklich machen will. Danach hab ich das Schlagzeug verkauft und angefangen zu singen, und habe das nie bereut! Mein Vater meine zuerst, ich sollte vielleicht eine andere Art von Musik machen, weil einige Verwandte Plattenverträge haben und sich recht gut verkaufen... Als dann unsere Alben rauskamen und es langsam losging, meine mein Dad, „OK, du hast ein paar gute Songs geschrieben.“ Er hat Bass gespielt, als er jünger war, meine Mutter wollte, dass ich studiere, ich ich meine nur „Yeah, das KÖNNTE ich machen, aber es interessiert mich nicht“, und jetzt fragt sie nur, wie es läuft. Es ist so, wenn du einen gewissen Punkt erreichst, fangen sie an dir zu vertrauen. Keine leichte Aufgabe. Das ist mein Ding und ob ihr es nun versteht oder nicht, es ändert nichts daran.

Was war es damals, dass dich vielleicht beeinflusst hat, dich zur Musik geführt hat?
Als ich den Doors-Film zum ersten Mal sah, war es für mich wie „danach ist nichts mehr so wie früher“. Ich will Musik machen und ich will ein verdammter Rockstar werden! Da war ich jung... jetzt will ich auch ein normales Leben, Familie und so.


"Früher wurden wir Nippel-Brüder genannt"


Was hast du vor Entwine gemacht?
Da war eine Band namens „Billy Goats“ (lacht). Unser Gitarrist Jaani spielte da mit, sowas wie Grunge Rock, aber das ist eine andere Geschichte...

Gut, zurück zu „Fatal Design“, wie würdest du es beschreiben?
Ein abwechslungsreiches Album, viele unterschiedliche Welten in den Songs. Du musst dir alle anhören, und was ich so gehört habe, erschließt sich das Album erst nach ein paar mal durchhören. Das ist gut, denn wenn es sich erschließt, kannst du es länger anhören. Ich finde „DIEversity“ sehr einfach zum Durchhören, alles in allem. Zu dieser Zeit war es eben dieses Feeling, jetzt ist es etwas anderes.

Gibt es einen Song, der die Essenz des gesamten Albums enthält?
Meiner Meinung nach... weil „Fatal Design“ nicht das gesamte Album beschreibt, es ist nur ein politischer Song, der erste meines Lebens. Du solltest niemals Rock´n´Roll und Politik vermischen. Ich interessiere mich für Politik. Ich finde, dass entweder „Surrender“ oder „Curtained Life“ es sein könnten. Die sind sowas wie ein Tagebuch meines Lebens, letzterer ist sehr persönlich, eine Menge Gefühl, etwas, das mich damals bewegte und das ich rausließ.

Du hast schon erwähnt, dass es dein Lieblingssong ist. Wie entstand er?
Mit jeder Menge Wodka! (lacht) Keine Ahnung... der gesamte Prozess dauerte vier Monate, für das komplette Album, und es kam während dieser Zeit, ich kann mich nicht erinnern. Manchmal hatte ich 14 Stunden-Tage, dann kam ich nach Hause und hatte nur einen Satz geschrieben. Und am nächsten Tag „Was ist das für ein Mist?“ Deswegen war es manchmal frustrierend, und ich erinnere mich nicht an so viel, ich zog mich in meinen Kopf zurück. Und wenn du mitten drin in diesem Prozess bist und 14 Songs schreiben sollst... sehr emotionell, eine Menge Gedanken. Ein sehr persönliches Album.

Glaubst du an Inspiration?
Ja, definitiv. Manchmal beim Jammen und Proben und Aufnehmen, alles zugleich, passiert es einfach und danach kannst du dich nicht mehr daran erinnern! Die besten Sachen kommen spontan.

Auf welchen Song bist du am meisten stolz?
Hängt von meiner Laune ab, sie ALLE sind meine Kinder. So ist es eben , ich kann nicht den besten oder schlechtesten nennen... hängt immer vom Moment ab.

Wieso handeln alle deine Songs von Traurigkeit und haben was Negatives?
Es gibt schon viel zu viele Liebeslieder in dieser Welt. Eigentlich hab ich schon immer gesagt, dass sie nicht wirklich so traurig sind, es gibt immer Licht am Ende des Tunnels. Ich spreche über Dinge, die wohl jeder im Leben mal durchmacht. Und dann hörst du dir vielleicht unser Album an, erkennst vielleicht, dass du nicht alleine bist und jemand anders dieselbe Scheiße durchmacht.

Was ist mit dem „Surrender“-Video, worum gehts?
Da musst du den Regisseur fragen, ich kann das nicht beantworten! (lacht)

Worum geht es beim Coverartwork?
Stammt von meinem Cousin aus Schweden, und Spinefarm mochte es. Das Feeling ist... irgendwie düster, in diesem industriellen Umfeld. Ich glaube, es sieht so aus wie wir derzeit sind, schwerer, depressiv und wütend.

Eurer letzter Promo-Shoot sieht auch sehr industriell aus, als ob ihr grad aus einem Kohlenbergwerk kommen würdet...
Yeah, wir wollten schmutzig aussehen! Es sieht aus, als ob wir in Erdöl geschwommen wären. Und das spiegelt die Situation im Irak und die Öl-Geschichte wider.

Was können wir von Entwine als nächstes erwarten?
Frag mich nicht! Keine Ahnung! Das hängt von vielem ab... neuer Deal und mit wem, alles ist offen. Ich hatte noch keine Zeit, irgendwas zu schreiben. Beide Gitarristen leben in Jyväskylä und Aksu hat andere Bands, warten wir mal ab. Wir planen im Frühling wieder in Europa zu touren.

Wird also eine Überraschung...
Ja, auch für uns! (lacht)



Wie steht es um ShamRain?
Oh, wir machen neue Demos. Ich kenne noch keine Studiodaten, wir mieten es nur tageweise, und wenn die Songs fertig sind, nehmen wir auf. Keine Eile. Wir brauchen auch zuerst einen Deal, es gibt noch so viel zu tun, also ist noch alles offen. Einige der neuen Songs sind schon echt gut!

Was unterscheidet Mika in Entwine von Mika in ShamRain und Mika am Montagmorgen?
Da gibt es große Unterschiede. Und ich muss sagen, wenn wir auf Tour sind, habe ich mich drei Wochen durchgehend betrunken, ich hatte 1-2 nüchterne Tage. Wenn ich zu Hause bin, trinke ich so gut wie gar nicht. Ich gehe in Bars oder Clubs oder so, ich hab keine Lust, auszugehen, meistens nur dann, wenn wir wo auftreten. Mich langweilt das alles... dieselben Bars, dieselben Gesichter, dieselben Geschichten – nervt mich einfach. Ich bin keine 20 mehr, weit weg davon... Auf Tour ist es einfach, sich zu betrinken, nur in Europa ist es anders, nicht finnisch-betrunken, aber ein bisschen beschwipst. Du hast Soundcheck und dann „was machen wir?“ Na klar, eine Flasche auf. Ganz einfach. Vor der Show trinke ich nicht soviel, aber eventuell während, Rum oder Rotwein. Aber in Finnland ist es anders, du trinkst von Donnerstag bis Sonntag, da gibt es nichts anderes... ich will ein geregeltes Leben haben, Frau und Kinder, neben der Musik, also muss ich einen klaren Kopf bewahren.

Was macht Entwine einzigartig?
Schwer zu sagen, die Stimmung vielleicht... ich glaube, wir haben einen einzigartigen Entwine Sound, und wenn du ihn hörst wirst du ihn erkennen, auch wenn das neue Album anders ist...

Hat Entwine deiner Meinung nach eine Mission?
Warten wir mal ab! Ich glaube, das dauert noch... es ist nur Rock´n´Roll, aber ich steh drauf! Es ist immer noch nur Musik und du bist nur ein Entertainer. Ich liebe meinen Job.

Bist du vor einem Auftritt noch immer nervös?
Na klar! Und wenn ich das verliere, höre ich auf. Es ist immer dieses Gefühl in deinem Magen, und das ist die Hauptsache, und wenn du nicht im geringsten nervös bist, macht es keinen Sinn. Es ist nicht so wie bei der allerersten Show überhaupt. Letztes Mal im Tavastia Club hatte ich große Befürchtungen wegen meinem Hals, dann bin ich noch nervöser, aber das ist normal. Es passiert jedem, ist alles nur Entertainment. Ein paar Mal hab ich Jaanis Hand mit einer Zigarette verbrannt.

Was passiert, wenn du Alkohol trinkst?
Hängt von der Stimmung ab, immer wieder – ich bin ein launischer Mensch. Manchmal bin ich still und werde philosophisch, manchmal bin ich laut und sozial. Ich bin nicht wütend, ich werde nicht so leicht wütend, außer wenn ich Fußball spiele, auf Playstation – boys will be boys! (lacht)
Meine Beziehung zu Alkohol war nie besonders stark, seit meiner Teenagerzeit hab ich kaum viel getrunken. Die Jungs betranken sich alle und lachten mich aus „du bist wie ein Mädel!“ aber ich will es genießen, und trinken ist nicht die Hauptsache für mich. Ich will es genießen, gutes Essen, Gespräche mit Freunden... es ist sehr langweilig in einer Bar, nichts für mich. Ich muss das alles machen, wenn wir auftreten, und mir reicht das.

Hast du einen Traum?
Das kam so schnell!!! Nein nicht wirklich, vielleicht eines Tages mal glücklich sein, das ist wohl, wovon jeder träumt. Eines Tages eine nette Familie haben, ein Haus am See... kein Phantasiegebilde, kein MTV-Cribs-Haus oder dutzende Autos oder so, ich will normale Sachen.

Was willst du musikalisch erreichen?
Vielleicht mein eigenes Soloalbum schreiben, das überlege ich mir schon seit Jahren, aber hatte nie Zeit dafür. Vielleicht ist das das erste. Ich will mein Leben lang Musik machen. Ich habe so viele Songs und Ideen, es gibt so viele Stile und das ist meine persönliche Hölle, weil ich mich nicht entscheiden kann!



Bist du glücklich?
Ich bin sehr glücklich, muss ich sagen, 2006 war meine persönliche Hölle, aber schlussendlich passierte was Schönes und ich bin sehr sehr glücklich! Grüße nach Deutschland deswegen! (lacht)

Was ist der Sinn des Lebens?
Zu lieben und geliebt zu werden, da stimme ich den Beatles zu. Und Ehrlichkeit. Es gibt so viel Böses wegen Liebe, viele Leute finden zu viel wahre Liebe. Ich weiß nicht. Vielleicht ist der Sinn Frieden und Harmonie zu finden. Ich war früher ein Hippie, schau mal bei Myspace nach – Bob Marley ist mein größtes Idol, musikalisch und seine Aktivitäten, er war stark im Kämpfen und im Glauben und tat alles aus tiefster Überzeugung, und stets ehrlich zu sich selbst zu bleiben liegt mir ebenfalls sehr am Herzen.

Hast du noch immer deine Fußballkarriere am laufen?
Nicht mehr, aber vielleicht werde ich später ein Manager. Ich habe früher die Junioren trainiert, also wenn es mit der Musik mal aufhört, kann ich dahin zurück. Ich habe zwei Leidenschaften im Leben, Musik und Fußball, das wird sich nicht ändern, das liegt mir im Blut.

Was kannst du uns über den Geheimbund „Die Lederhosen von Nastola“ erzählen?
(schockiert) Woher hast du das???!!!! Oh... was willst du wissen? Das war so, wir waren Hippies, Jaani und ich, und damals hatte keiner diese Trompetenhosen, sondern Stretch und Turnschuhe und so, und wir hatten eben diese - mit Klimperzeug und diese Klamotten... keine Ahnung, wie es anfing... - diese Lederhosen. Jemand nannte uns mal so, ich glaub es war Kimmo... ich hab echt keine Ahnung, wo du das her hast, das kommt überraschend, ein Insider-Tip. Es ist eine kleine Ortschaft, 15000 Leute... ich muss sagen, da gab es noch was, die „Nippel-Brüder“, weil wir immer unsere Hemden offen hatten (lacht). Das war lustig!

Wer geht dir auf Tour am meisten auf die Nerven?
Wir sind alle nur Menschen! Ich bin das Arschloch, sehr stur und rede immer zuviel...

Wo hattest du den größten Kulturschock?
Nirgends. Naja, nicht so wirkliche Schocks. Die Show in der Türkei wurde gecancelt, wir hatten uns darauf gefreut, aber dann mussten wir absagen. Ich hörte, da gibt es echt fanatische Fans.

In der Band-Bio heißt es, das beste Entwine-Erlebnis war mit dem Tontechniker das Eis zu brechen...
Ja, ich erinnere mich, das war auf unserer Russland-Tour. Die Jungs gingen nackt kegeln im Nachtclub des Hotels. Das war definitiv ein Eisbrecher. Wir hatten eine Menge Wodka in dieser Nacht! Und im Hotel hatten wir unterschiedliche Zimmer, ich ging mal raus und kam zurück, und da war Aska ins Bett klettern und dachte „OK er hat ein Shirt an, aber keine Hosen...“ sein nackter Hintern und ich völlig verwirrt – wir lachten uns kaputt!

Als du zur Band kamst, was war bei dir der Eisbrecher, oder war es bei dir reibungslos?
Kein Eisbrecher. Es dauerte 4-5 Jahre, um mich einzuleben, und ich meine mental. Mit Aksu war es nicht so einfach, er hatte eine vorgefasste Meinung von mir und war am falschen Dampfer. Es dauerte einige Jahre, zumindest für Aksu, wirklich zu verstehen wer ich wirklich bin.

Siehst du dich oder die Band beim Songcontest?
Nein. Kein weiterer Kommentar. Nein. Es ist einfach dämlich. Wieso mit Musik konkurrieren? Es ist kein Wettbewerb. Jeder macht Musik. Ich würde mich nie bei sowas sehen. Nie.

Eine weitere lustige Entwine-Episode in deinem Profil hat was mit Vanillestäbchen zu tun...
Kein weiterer Kommentar! Wenn du was wissen willst, musst du Tom fragen, falls er darüber sprechen will.. aber da ist was 2002 bei der Tour in Schweden passiert

Welche Interviewfrage hat dich in deiner Karriere am meisten aufgeregt?
Da war ein Interview, wo sich 6 oder 7 von 11 Fragen um Goth drehten. Wie Gothic wir seien und wo unser Platz in der Gothszene sei und wie wir die Goths sehen ... so lahm! Wenn jemand darüber sprechen will, geht es nicht mehr um Musik, sondern um Illusion, und das finde ich nicht gut. Eine Frage, an die ich mich erinnere, was ich davon halte, dass Journalisten und Fans uns als Teil der finnischen Goth-Szene sehen, und wir antworteten, dass wir keine Gothband seien, dass unsere Einflüsse von vielen verschiedenen Richtungen stammen. Die Journalisten sollen sich verpissen, denn entweder du magst unsere Musik oder nicht, das ist alles. Wenn sie nur diese Meinung haben, öffnet eure Augen! Hört die Musik, bleibt nicht an diesem Image kleben. Das regt mich auf, denn das ist unprofessionell! Mach Recherchen, erkundige dich über den Hintergrund, wenn du Journalist bist – hab dann was zu sagen, eine Meinung, nicht nur das nehmen was jemand anders gemacht hat, nur ein bisschen verändert...

Ich hab in vielen Interviews auch Fragen über Entwines Death Metal Hintergrund gelesen...
Genau! Sehr langweilige Frage. Und Entwine waren nie Death Metal! Ich hab das schon oft gesagt. Wenn du so oft solche Fragen kriegst, sage ich „ach, das dauert wohl Stunden, darüber zu sprechen“ Also schau in unserer Biographie nach, da gibt es vieles, das du grade fragst, also... schau in der Bio nach und frage das, was du nicht weißt, denn alles andere steht ja schon dort! Die Fans wissen das alles schon.

Was war das Lächerlichste, das du signieren musstest?
Ein Mädel wollte ihre Hinterbacke signiert haben, und ich tat es nicht, so weit gehe ich nicht. Vielleicht auf der Brust, das ist normal, aber für mich ist es, naja... ich tat es, aber wenn da wirklich eine ihre Brust rausholt, dann ist es für mich... ich bin kein Clown, und sowas mag ich nicht! Ich will nicht die Brüste oder Hintern von jemand anderem anfassen, das ist nicht so meins – ich bin ein anständiger Rocker! (lacht) Gutes Benehmen und so... ich habe meine Privatangelegenheiten und mag dieses Betragen nicht, es ist billig und wenn du mich fragst, ich will dir nicht näher treten, näher kommen, das ist mir zuviel. Das ist wie „Willst du mich ficken?“, das turnt mich ab, und das mag ich nicht. Du kannst mit mir reden, OK, aber sowas...

"Ich glaube an Geister"

Du hast so viel gesehen und warst so viel unterwegs, findest du da Finnland und Lahti nicht zu klein? Würdest du gerne in einer größeren Stadt leben?
Finnland ist klein, so gesehen, aber Lahti ist mir groß genug. Es liegt nahe genug an allem, so in der Mitte. Groß und klein, alles was ich brauche ist da. Wenn ich in den Wald will, um mir die Lungen rauszubrüllen, oder an den See oder so, ist alles sehr nahe. Ich gehe nur vor die Tür, und da sind nicht Millionen Leute, die dich einengen. Ich bin kein Stadtmensch, zu hektisch, zuviel Stress. Ganz nett, manchmal in einer Stadt zu sein, aber nicht immer. Ich könnte mal von Finnland wegziehen, weil ich noch nie jemanden hier fand, und natürlich gibt es so viele tolle Dinge hier, und ich kenne meine Wurzeln. Ich bin Finne, in Schweden geboren. Ich hab keine Heimatgefühle, Heimat ist da wo du dich wohlfühlst. So war es, als ich in meine neue Wohnung zog, als ich sie mir das erste Mal ansah, es dauerte 10 Sekunden und mir war klar, ich will sie. Sie war sofort „mein Heim“.

Wenn du eine Person töten könntest, egal in welcher Epoche, wer wäre es?
Reden wir nicht übers Töten, ich bin kein Richter. Aber einer soll leiden, und jeder weiß, wen ich meine: G-E-O-R-G-E W. Er hat soviel Unheil gebracht, aber er ist nur eine Marionette der Großkonzerne, nur das Gesicht dieser Firmen, Ölfirmen, Waffenindustrie und so weiter. Er ist so dumm, ich hasse das! Die US Soldaten sind unschuldig, aber sie schicken mehr und mehr von ihnen dahin, und so wird es nicht aufhören.

Wenn du eine Person aus allen Epochen reinkarnieren könntest, wer wäre es?
Ich würde gerne Bob Marley sehen, nur für ein Konzert.

Bist du abergläubisch? Woran glaubst du?
Ja, ich glaube an Wesen und Geister, gute und böse, Engel und Dämonen und sowas – ich bin eine sehr spirituelle Person. Es gibt höhere Mächte und Kräfte, wir sind hier nicht alleine. Ich bin Christ. Es gibt vieles, das wir nicht wissen. Ich habe so meine Erfahrungen... würde zu weit führen, es zu erklären, aber als ich Jaani davon erzählte, glaubte er es nicht, und ich wurde wütend. Das regt mich wirklich auf, wenn Leute es nicht wahrhaben wollen! Der Mensch, so komplex, mit Haut und Millionen erstaunlicher Dinge! Spiel nicht mit dem rum, das du nicht verstehst, denn du weißt nicht was dann passiert. Manche machen es aus Neugier, haben aber keine Ahnung, und dann ist es schwer, da wieder rauszukommen.

Wie ist es mit dem „Break Me“ Video, leicht spirituell-okkult angehaucht...
Ja, so irgendwie... wir drehten ihn an einem echt grusligem Ort, einer alten Brauerei, ziemlich schaurig, und hinterher hatte ich davon noch Alpträume, sah Geister und Dämonen aus den Ecken kriechen, dieser Ort war echt furchtbar! Sah aus wie der Schauplatz eines Massenmordes.

Wie warst du als Kind?
Ziemlich hyper! Und sehr sensibel, ich war ein Muttersöhnchen. Meine Schwester zog mich immer auf. Ich weiß nicht warum, aber so war es. Aber eben auch hyper, hab mit einem Kumpel fast den Wald abgebrannt, als wir mit Zündhölzern spielten. Ich hatte immer viel Phantasie, die Lehrer in der Schule meinten immer, „ach, dieser Mika interessiert sich mehr für die Ameisen und ihr Leben, was in den Bäumen lebt, für Vögel...“ und so war ich, kam immer spät von der Schule nach Hause, verbrachte Stunden im Wald, beobachtete die Natur, ein echter Hippie... ich war immer sehr aufmerksam, interessierte mich für Leute. Als ich 18 oder 19 war, ging ich in eine Bar und saß da nur, alleine, hörte nicht mal zu, was gesprochen wurde, sondern beobachtete die Leute nur, was sie machen, ihre Reaktionen und so weiter. Ich wollte immer menschliches Verhalten studieren und warum Leute bestimmte Sachen tun. Es gibt nun viel, das ich durchschauen kann, und es gibt Momente, wo ich Leute und ihre Persönlichkeiten analysiere... ich hätte nur nicht die Geduld, echt Psychologie zu studieren, aber ich studiere gerne Personen.

Was ist der beste Ratschlag, den du jemals bekommen hast?
Ganz einfach: „Alles wird gut“. Was auch immer passiert, alles wird gut, alles klärt sich. Ich glaube an das Leben und was auch immer passiert, lerne daraus. Ich will ein glücklicher Mensch sein, derzeit bin ich glücklich, obwohl kurz davor es die Hölle war. Du musst daran glauben, dass es nicht immer das pure Glück ist, oder nur mies, es ist Leben. Wenn du immer glücklich wärst, würdest du überhaupt wissen, was Glück ist? Und wenn du immer traurig wärst, kennst du Frust wirklich? Es ist eine Mischung aus dem allen, alle diese Gefühle, Launen... solange du aufgeschlossen bleibst, kannst du alles überleben. Und noch was, du solltest niemals aufgeben, ich hab das gelernt. Ich bin sehr emotionell und nehme mir alles zu Herzen, aber wenn was vorbei ist, OK, es war Teil meines Lebens, und wenn was passiert, kenne ich Wege, wie ich es nächstes Mal besser überstehe. Leben muss einfach viele Farben haben, du musst sie sehen und darfst keine Angst haben.

Autor: Marina Sidyakina, transl. K. Weber, photos hfr.
Eingetragen am: 2007-02-24

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