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Epidemic
STALKERs Fresh Act – Oktober 2007


Seit Betzefer und Orphaned Land ist Israel auch kein unbekannter Fleck auf der Metal-Landkarte mehr, und nun wollen es auch Epidemic aus dem nordisraelischen Nahariya wissen. Seit 6 Jahren schon im eigenen Land live unterwegs, soll nun der Schritt auf die internationale Bühne gewagt werden. Im Interview erzählen die beiden Gitarristen/Sänger Jonathan Segal und Joseph Everjil über die Widrigkeiten einer Metalband in Israel, was die politische Situation im Land für einen Stellenwert in ihrer Musik hat, mögliche Ausreisepläne und warum Cookies nicht „Metal“ sind.




Stellt doch zuallererst mal die Band vor! Was sind die besten und schlechtesten Charaktereigenschaften jedes Bandmitglieds?
Jonathan Segal (Gitarre und Growl Vocals): Ich gerate gern mal in Schwierigkeiten, bin aber auch bereit mich diesen zu stellen.
Joseph Everjil (Gitarre und Clean Vocals): Ich mag vielleicht unschuldig erscheinen, aber ich glaube, ich bin sehr zuverlässig auf lange Sicht.
Wolf Kash (Bass guitar): Ich bin recht ruhig und friedlich, aber sehr aggressiv, wenn danach verlangt wird.
Erz Simon (Drums and vocals): Lustig und laut, aber auch einfühlsam und besonnen.

In Israel in einer Metalband zu spielen, scheint nicht so einfach zu sein. Wie ist die Metalszene überhaupt dort drüben? Gibt´s so was überhaupt?
Jonathan: Die Szene ist lebendig und wohlauf, sie wird jeden Tag größer. Aber dennoch, hier in ner Metalband zu spielen, ist ziemlich hart.

Ist die Solidarität zwischen Metalbands größer? Halten die Bands mehr zusammen und helfen einander aus?
Jonathan: Ich hab von vielen Bands in Israel gehört, die sich einander helfen. Ich denke aber, dass die Metalszene überall in der Welt sehr hilfsbereit untereinander ist.
Joseph: Kna´an und Winterhorde (zwei Bands aus Nordisrael) haben mit uns viele Male zusammengearbeitet und wir helfen einander wann immer wir können. Alle drei Bands haben in Haifa´s „City Hall“ (größter Klub in Nordisrael) gespielt. Wir haben das für die Metalfans im Norden gemacht, denn eine Metalband im Norden zu sein, ist noch viel schwieriger als in Tel-Aviv.

Ist es schwer eine Tour zu kriegen und Klubs zu finden, die euch spielen lassen?
Jonathan: Yeah, die Klubbesitzer unterstützen Metal in keinster Weise. Aber wenn das Geld stimmt, ist es normalerweise nicht so schwer.



Habt ihr drüber nachgedacht, in ein anderes (mehr Metal-interessiertes) Land umzuziehen, um eure Karriere voranzutreiben?
Jonathan: Das ist unser Hauptziel.
Joseph: Überall wäre uns recht, solange es dort einfacher wäre, Musik zu machen.

Wie hat´s denn mit der Band angefangen?
Jonathan: Der Tag, an dem ich meine erste Gitarre gekauft habe, war der Tag, an dem ich entschieden hab, dass ich Ohren zum Bluten bringen wollte. Ich hab mich dann mit ein paar Freunden zusammengetan und sie auch überzeugt sich Instrumente zu kaufen und mitzumachen. Aber sie waren alle vorher schon Musiker.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben? Was sind eure musikalischen und textlichen Einflüsse?
Jonathan: Wir versuchen die Band nicht auf ein Genre festzulegen, aber man kann es definitiv als Metal bezeichnen, vielleicht sogar Death-Thrash Metal. Aber wir versuchen, für alles offen zu sein, weil wir doch einfach nur Musik spielen. Die Lyrics sind ein wenig von so großartigen Künstlern wie Deicide, Megadeth, Marilyn Manson, Henry Rollins und Body Count beeinflusst. Wir versuchen unsere Message geradeheraus rüberzubringen, uns ist es egal, wenn wir damit jemandem zu nahe treten, weil wir keinen Hass repräsentieren.

Denkt ihr, es gibt sowas wie den “Nahost” Metal oder sind die meisten Bands eher von amerikanischen/europäischen Metalbands beeinflusst?
Joseph: In Israel gibt´s ganz unterschiedliche Bands, manche mehr amerikanisiert, anderen haben eher einen Nahost Sound. Es gibt von allem etwas in Israel.



Beschäftigt ihr euch in euer Musik auch mit politischen Themen?
Joseph: Es ist schwer, die Situation zu ignorieren und es passiert auch einfach zu viel in der Welt, um es ignorieren zu können.
Jonathan: Ich hab sogar einen Song über die Situation in Israel geschrieben. „For What?“ ist ein Song, der die Politiker fragt, warum töten wir und werden getötet?

Wen und was wollt ihr mit eurer Musik erreichen?
Jonathan: Jeder sollte in der Lage sein, uns zu hören, wir werden unser Bestes versuchen alle zu erreichen, die auch außerhalb bestehender Grenzen denken können.

Was sind eure Ambitionen mit der Band? Wie weit würdet ihr gehen, um erfolgreich zu sein?
Jonathan: Alles, was wir tun müssen. So lange wir nicht unsere Seelen an den Teufel verkaufen, so wie die meisten dieser „erfolgreichen“ Arschlöcher auf MTV.

Was macht ihr neben der Band (arbeiten/studieren)?
Jonathan: Ich bin Drehbuchautor, ich schreibe Filmdrehbücher in meiner Freizeit.
Joseph: Ich arbeite bei einer Handyfirma.
Wolf: Erz: Ich bin noch an anderen Musikprojekten beteiligt so singe ich zum Beispiel Lieder aus dem Nahen Osten oder komponiere elektronische Musik.

Wenn man nach Bands sucht, die sich Epidemic nennen, findet man ne ganze Menge, von Hip Hop bis Hardcore. Befürchtet ihr nicht, ihr könntet mit einem fürchterlichen Rap-Act aus South Carolina verwechselt werden?
Jonathan: Der Name ist nicht die Band, aber ich denke, das ist schon ok, so lange niemand denkt, er würde die Rechte an dem Wort “epidemic” besitzen. Ich weiß nicht, ob das viele wissen, aber es gab noch andere Slayer und Nirvana bevor diese beiden Bands mit dem Namen bekannt wurden. Also, glaube ich, dass wir da nichts falsch machen.

Israel hat sich ja in den letzten Jahren beim Eurovision´s Grand Prix nicht grad mit Ruhm bekleckert. Wenn ihr gefragt werdet, eurer Land im nächsten Jahr zu repräsentieren, wäret ihr dabei?
Jonathan: Klar, würden wir das machen, aber am Ende würden wir genauso verlieren wie Tea-Packs [israelische Vertreter diesen Jahres, die schon im Halbfinale rausgeflogen sind, edit], die großartig und ehrlich sind, aber ich schätze, sie waren einfach zu ehrlich für alle...die Welt verleugnet lieber die Fakten, wie üblich.

Ihr seid ja schon seit 6 Jahren in Israel live-mäßig unterwegs, gibt´s ein paar lustige oder gruselige Tourstories?
Joseph: Hmm, einmal sollten wir einen Gig in Afula (eine Stadt im Norden) spielen, aber die Polizei kam und hat uns ziemlich aggressiv vom Spielen abgehalten, gerade als wir anfangen wollten die erste Note zu spielen.



Was sind die Zukunftspläne und Projekte der Band? Kommt vielleicht bald ein ganzes Album?
Joseph: Zur Zeit schauen wir nach einem guten Plattendeal, der uns dabei helfen soll, unser erstes Album aufzunehmen und zu vertreiben.
Jonathan: Wir planen in Kanada oder den USA zu arbeiten. Das ist die Hauptrichtung unserer Pläne. Aber wer weiß, vielleicht enden wir auch irgendwo in Europa.

Meine israelische Freundin muss mir immer diese leckere weiße Schokolade mit Cookies aus Israel schicken. Habt ihr auch nen süßen Zahn?
Wir essen keine Cookies. Das passt nicht zu unserem Image. :)

Viel Glück bei euren zukünftigen Projekten!

Songs können hier angecheckt werden: www.myspace.com/epidemiconline

Autor: Kathleen Gransalke, photos: Epidemic
Eingetragen am: 2007-09-30

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