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Leningrad Cowboys – ernste Wodka-Geschäfte

In einem Interview mit Finnen die sehr lange, nach oben und vorne stehende Haare und Schuhe haben, geht es immer um den allmächtigen Wodka. Rückblickend betrachtet, hätten wir die Flasche eher öffnen sollen, um ihre Lippen auch etwas weiter zu öffnen. Mit anderen Worten: Hier ist ein Interview mit den Leningrad Cowboys.

Könnt ihr euch zunächst vorstellen?
Pemo: Hallöchen, ich bin Pemo.
Pauli: Pauli.

Wie läuft eure Tour bisher?
Pemo: Erstaunlich gut.
Pauli: Alle leben noch.
Pemo: Die Band UND das Publikum.

Euer neuestes Album ist von der Presse ja ziemlich gut aufgenommen worden. Wie ist es das jetzt, live zu spielen?
Pemo: Ja, die Leute singen unglaublich gut mit, dafür dass es sich ja noch in einem so frühen Stadium befindet. Das ist eine schöne Überraschung.

Foto: Ozzy Aikas


Habt ihr einen Lieblingssong den ihr besonders gerne live spielt?
Pemo: Nein, ich hasse Musik. Ich mag nicht einen einzigen Song.
Pauli: Tatsächlich macht es ziemlichen Spaß einen Song zu spielen, den wir noch nicht geprobt haben.
Pemo: Wie kannst du sagen, dass es Spaß macht etwas zu spielen, dass wir noch nicht einmal geprobt haben?
Pauli: Häh?
Pemo: Häh?

Okay… wenn wir uns euer letztes Album anschauen, stellt sich mir die Frage, wie ihr zu so einem mehr mexikanischen Thema kamt.
Pemo: Na ja, das haben wir schon eine ganze Weile in der einen oder anderen Form. Es ist nichts wirklich Neues.

Ja schon, aber dieses Mal ist es doch viel stärker.
Pemo: Kann schon sein.

Wenn man sich mal eure früheren Produktionen ansieht, fällt auf, dass das letzte Album 2006 hauptsächlich Coversongs beinhaltete und das Album davor kam 2000 raus. Hattet ihr euch eine Auszeit genommen und wenn ja, warum?
Pemo: Nun ja, ich musste eine Art Waschküche bauen und Pauli musste den Boden des Badezimmers seines Vaters renovieren.
Pauli: Ah ja, die Saunarenovierung. Es ist wirklich schön geworden.

Foto: Leningrad Cowboys von Dirk Behlau


Hier ist eine Leserfrage für euch: Was mögt ihr an eurem Land am meisten?
Pemo: Wodka.
Pauli: Wodka.
Pemo: Sauna.
Pauli: Ja.
Pemo: Damen. Und den Klang.

Den Klang?
Pemo: Den Klang.

Vervollständigt mal diesen Satz: Ein Finne, ein Deutscher und ein Russe gehen in eine Bar…
Pemo: …und keiner kommt wieder raus.

Es ist bekannt dass das Tourleben ziemlich hart sein kann. Habt ihr irgendwelche Überlebenstricks?
Pemo: Ein “Pick-me-up-set” (Für die Leser: ein “pick-me-up” ist ein alkoholisches Getränk, mit dem man versucht einen Kater loszuwerden) war immer ziemlich beliebt und wenn man es damit und mit seinen Hobbies nicht übertreibt, kann es helfen und du brauchst vielleicht ein „Pick-me-up-set“.
Pauli:Egal was es ist.

Was war euer absoluter “Was zum Teufel…?” –Moment eurer Karriere?
Pemo: Es war am 13. Februar 1993 – wir haben keinen Wodka beim Konzert bekommen.

Du machst Witze, oder?
Pemo: Eine wirklich schlimme Situation.
Pauli: Es ist dann noch einmal was passiert, als wir im SAT 1 Morgenstudio spielten und der Studiohund unseren Drummer in den Schenkel biss und seinen Stick stahl.
Pemo: Mitten im Song.
Pauli: Ja, mitten im Song. Es war echt lustig.
Pemo: Es war ziemlich drastisch. Der Hund hieß Lother und sein Gebiss war siebenmal größer als sein Kopf – fürchterlich hässlich.

Foto: Leningrad Cowboys von Dirk Behlau


Wenn man an lustige finnische Musik denkt, fällt einem Eläkeläiset ein. Habt ihr schon mal mit ihnen gespielt oder habt ihr es vor?
Pemo: Nein, wir haben mit denen gar nichts zu tun. Wir spielten mal in den gleichen Venues, aber sonst nicht wirklich.

Nun ja, ihr beide habt eine ziemlich starke Fanbase in Deutschland.
Pemo: Ja schon, aber wir machen unsere Sachen ernsthaft. Es ist tief und hat Seele. Diese humorigen Sachen geben uns nichts.
Pauli: Du lebst schon zu lange in Deutschland.

Kann schon sein. Auf eurem neuen Album hört man Einflüsse der Beach Boys und Scorpions neben vielen anderen. Wie kamt ihr dazu?
Pemo: Eigentlich haben wir gedacht, dass alle Songs, die sich später als Cover auf unseren früheren Alben herausstellten, unsere eigenen seien. Der Grund hierfür ist, dass unser Plattenspieler 1991 seinen Geist aufgab und wir uns keine Musik mehr anhören konnten, daher hatten wir keine Einflüsse. Es war schon ein schwerer Schlag zu hören, dass sie Songs gar nicht von uns waren.

Ihr scheint im Vergleich zu anderen Bands in einer ziemlich guten Konstitution zu sein, gibt es dafür einen bestimmten Grund?
Pemo: Hey, guck mal was unser Tourmanager gefunden hat. Sind das Wasserflaschen? Spasiba.
Pauli: *öffnet die Flasche*

Pemo: Diesen Klang kenne ich. Bist du mit dem Auto hier?
Nein.

Pemo: Na dann, willst du?
Ja, gerne.

Pemo: Ziemlich unartig.

Okay, letzte Frage: Wo kommt der beste Wodka her?
Pemo: Aus einer Flasche.




Autor: Ozzy Aikas
Eingetragen am: 2012-01-10

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